„Am seidenen Faden“ – Berührende Bilder aus Moria und von der „Mare Liberium“ in der Christuskirche

"Die Hoffnungsvollen" heißt dieses Foto von Daniel Kubirski
Heidelberg, 25.09.2020. Es war eine leise Vernissage am Freitagabend in der Christuskirche, auf der Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez die Ausstellung des Heidelberger Fotografen Daniel Kubirski im Rahmen der Interkulturellen Woche eröffnete. „Es hat ihm die Sprache verschlagen, als er die eigenen Fotos in dieser Größe in der Kirche zu sehen bekam“, erläutert die Pfarrerin stellvertretend für den erkrankten Künstler die Wucht der Bilder. „`Am seidenen Faden´, so hast du die Ausstellung genannt, hängt momentan so vieles, die Neuordnung der Strukturen, das Wohl für alle in der Pandemie und speziell für die Ärmsten in dieser Zeit“, verliest die Heidelberger Kinderpsychotherapeutin Lisa Vogel aus ihrem Brief an den Künstler.
 
Pfarrerin Zweygart-Pérez führt in die bewegende Ausstellung ein
Vergangenen September war der Heidelberger Fotograf nach Lesbos gereist, um mit den Menschen im Lager Moria ins Gespräch zu kommen und mit seiner Kamera zu dokumentieren, was er dort an Eindrücken gesammelt hat. Dabei nahm er auch an einer Beobachtungsfahrt des mittlerweile stillgelegten Seenotrettungsschiffes `Mare Liberium´ teil. „Es sind schonungslose Aufnahmen vom Lageralltag mit all seinem Schrecken und Brutalitäten“, so Pfarrerin Zweygart-Pérez. „Trotzdem ist es Daniel gelungen, in den Menschen einen Zusammenhalt zu zeigen, der uns tief berührt. Wir selber verlieren unsere Würde, wenn wir die Würde dieser Menschen mit Füßen treten und sie nicht zu ihrem Recht kommen lassen.“
 
Am seidenen Faden hingen unsere Werte im Laufe der Geschichte immer wieder, daher hat Sigrid Zweygart-Pérez die Bilder in der begleitenden Ausstellungsbroschüre in Zusammenhang gesetzt mit Dialogen vergangener Generationen. „Die Bibel ist ein Buch, das in weiten Teilen von Menschen geschrieben wurde, die ihre Heimat verlassen mussten. Sie ist eine Einladung, diese Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen“, erläutert die Pfarrerin die Auswahl ihrer Bibeltexte. „Wir wollen uns nicht damit abfinden, dass die vielen seidenen Fäden reißen, sondern versuchen, sie zu einem neuen Band zusammenfügen“, fordert sie die anwesenden Ausstellungsbesucher auf. Ein erster Schritt dahin ist mit Sicherheit der Besuch der bewegenden Fotoausstellung in der Christuskirche.
"Die warmen Hände" im Dialog mit Elementen des Christentums
 
Die Bilder sind noch bis zum 8. November zu den Öffnungszeiten der Christuskirche in der Zähringerstr. 30 zu sehen. Am 2. Oktober ruft die Seebrücke Heidelberg um 16 Uhr an der Schwanenteichanlage zu einer Demonstration für die Evakuierung des Lagers Moria auf. Am gleichen Tag gibt es um 17 Uhr in der Christuskirche eine Lesung biblischer Texte aus dem „Buch der Flucht“ gemeinsam mit jungen Geflüchteten.