Erinnern, Ermahnen, Ermutigen – Hermann-Maas-Preis an Esther Bejarano verliehen

Joram Bejarano, Jagoda Marinic (Leitung Interkulturelles Zentrum), Esther Bejarano und Landesbischof Jochen Cornelius Bundschuh bei der Preisverleihung
Heidelberg, 20.10.2020. In einem Gottesdienst zum Gedenken an die vor 80 Jahren nach Gurs deportierten badischen Jüdinnen und Juden am 20. Oktober verlieh Landesbischof Prof. Dr. Cornelius-Bundschuh heute den Hermann-Maas-Preis an die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano. Der Preis wird alle vier Jahre von der Hermann-Maas-Stiftung an Organisationen oder Einzelpersonen verliehen, deren Engagement im Sinne von Hermann Maas einen besonderen Blick auf gesellschaftliche Themen wirft. „Esther Bejarano engagiert sich gegen Rassismus und Ausgrenzung, unermüdlich unterstützt sie die demokratische Willensbildung in gemeinnützigen Gruppierungen. Dabei spricht sie aus ihrer eigenen Erfahrung als Verfolgte der NS Diktatur“, erläuterte Dekan Christof Ellsiepen die Wahl der Preisträgerin.

„Sie sind uns und vielen Menschen, Jung und Alt, Vorbild und Ansporn, aus dem Gedenken an die Schrecken des Faschismus aufzustehen für eine Zukunft in Freiheit und Würde, Frieden und Gerechtigkeit“, wandte sich der Landesbischof in seiner Laudatio an die Preisträgerin. Mit der Preisverleihung sollen in Gedenken an Hermann Maas der Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie der Einsatz für Demokratie und die Rechte von Minderheiten bis in die Gegenwart hinein aufrechterhalten werden.

„Die heutige Ehrung bedeutet für mich sehr viel“, freute sich Esther Bejarano über die Auszeichnung. „Denn der Preis wurde nach einem wunderbaren Menschen benannt, der sich in der Nazizeit getraut hat aufzustehen und zu zeigen, dass er gegen das Terrorregime ist. Damit hat er viel Gutes getan. Ich erzähle meine Geschichte, mein Erleben und Überleben besonders, um die Jugend zu erreichen, um mitzuhelfen, dass nie wieder geschehe, was damals geschah.“
 
 

Esther Bejarano mit Kutlu und Joram von der Microphone-Mafia
Am Vorabend trat Esther Bejarano zusammen mit der Kölner Hip-Hop Band „Microphone Mafia“ in der Providenzkirche auf. Gemeinsam mit Ihrem Sohn Joram Bejarano am Bass und dem Rapper Kutlu Yurtseven sang und rappte die 95Jährige jiddische, türkische und deutsche Lieder. Zu Beginn las die Auschwitz-Überlebende zutiefst bewegende Passagen aus ihrer Biografie „Erinnerungen“. Als Vorgruppe trat die Schulband der kürzlich nach der Preisträgerin umbenannten „Esther-Bejarano-Gemeinschaftsschule“ aus Wiesloch auf. Die Heidelberger Gregor-Mendel-Realschule präsentierte an dem Abend Bilder ihrer Maskenausstellung zum Thema „Schule gegen Rassismus – Schule für Courage“, die anschließend noch bis zum 30.11.2020 in der Providenzkirche gezeigt wird.

Die 1924 in Saarlouis geborene Esther Bejarano ist Überlebende des KZ Auschwitz, sie war dort Mitglied des Mädchenorchesters. Später engagierte sie sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes „Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BDA)“, deren Ehrenvorsitzende sie bis heute ist. Sie tritt auch heute noch aktiv im Internationalen Auschwitz-Komitee als Sängerin auf. Neben ihren Konzerten leistet Esther Bejarano bis heute Aufklärungsarbeit in Schulen und setzt sich als Zeitzeugin für Erinnerungsarbeit ein. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, so z. B. mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille, der Biermann-Ratjen-Medaille, dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, dem Clara-Zetkin-Frauenpreis und dem Großen Bundesverdienstkreuz.
 
Die Preisverleihung können Sie sich auf YouTube hier ansehen.
Die Laudatio des Landesbischofs und das Wort der Jury finden Sie hier:
 
Bildergalerie:
 
Die Schülerband der Wieslocher Esther-Bejarano-Gemeinschaftsschule tritt als Vorgruppe auf
Maskenausstellung „Schule gegen Rassismus – Schule für Courage“ der Gregor-Mendel-Realschule


Die politische Botschaft der Band
Die Konzertbesucher waren begeistert


Der "eingeenkelte" Kutlu rappt mit Esther auf türkisch, jiddisch und deutsch
Die Musik hat sie bis heute am Leben gehalten
Esther Bejarano liest aus ihren "Erinnerungen"

Eine Theatergruppe der Elisabeth-von-Thadden-Schule mahnt gegen das Schweigen
Die Leiterin des Interkulturellen Zentrums Jagoda Marinic spricht das Wort der Jury

Sohn Joram verliest das Dankeswort der Preisträgerin
Rund 120 Gottesdienstbesucher nahmen an der Preisverleihung teil

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