Heidelberg, 04.04.2021. Gemeinsames Leid fordert eine Freundschaft heraus. Zwei beiden Jünger Jesu sind auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Sie haben Höhen und Tiefen miteinander durchgestanden. Sie sind mit Jesus gezogen haben seine Wunder und Reden miterlebt, haben die Hoffnung auf eine neu anbrechende Königsherrschaft verspürt und gesehen wie er in Jerusalem festgenommen verurteilt und hingerichtet wurde. Sie gehen nebeneinander her und reden sich immer tiefer hinein in eine drückende Trostlosigkeit.
Da gesellt sich ein Dritter zu ihnen und geht ein Stück Weges mit ihnen. Auch ihm erzählen Sie was geschehen ist - auch von dem schier unglaublichen Gerücht, dass Frauen das leere Grab gefunden haben sollen. Der Dritte bringt eine neue Perspektive hinein. Er deutet die Geschichte des Leidens neu: es musste alles so geschehen, der Christus musste leiden und dann in seine Herrlichkeit aufgehen. Diese neue Perspektive tut den beiden Freunden gut, und so bitten sie den Dritten zu bleiben: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.“ Ziemlich beste Freunde, brauchen einen Blick von außen. Sonst drehen sie sich im Kreis.
Tun ist manchmal mehr als Worte ausdrücken können. Sie setzen sich, essen gemeinsam und da erinnern sie sich, dass Jesus selbst ein Erinnerungsmahl gestiftet hat: das Abendmahl. Als der Fremdes Brot bricht, erkennen Sie ihn, Jesus selbst ist mit ihnen gelaufen, war mit ihnen und wird immer bei ihnen sein. Da verschwindet er vor ihren Augen. Aber nun wissen sie: er ist auferstanden. Trost und Halt kann man noch so lange erklären, aber viele Worte helfen oft nicht viel. Der Trost stellt sich ein, als sie ganz Alltägliches gemeinsam teilen. Den Abend zusammen verbringen, Essen teilen und für die Nahrung danken. Erinnerungen werden wach, Erinnerungen, die tragen und Mut machen.
Ziemlich beste Freunde: Leid, Stress und Anspannung können sind herausfordernd für Menschen, die eng zusammenleben. Es ist gut, sich eine dritte Perspektive reinzuholen, eine von außen. Seien es andere Menschen, sei es Literatur oder das Göttliche Wort durch Spiritualität und Gottesdienst. Veränderung und Mut stellt sich nicht sofort ein, es braucht ein Stück Weges, und es braucht auch manchmal mehr als einen Abend und eine Nacht, dass sich etwas Neues einstellt.
Und dann, wenn der Boden bereitet ist, können es ganz alltägliche Dinge sein, die die Veränderung innerlich ins Rollen bringen. Vielleicht ist es das Lächeln eines anderen, das mich auf einmal tief berührt; vielleicht ist es der Geschmack einer Speise, die Erinnerungen wachruft und Dankbarkeit wachsen lässt. Vielleicht ist es die unverhofft geteilte Zeit mit einem Menschen beim Gespräch auf der Straße. Dann kann ich auch wieder ziemlich gut Freund sein mit anderen und mit meinen eigenen Lebensentwurf und sagen: „Das Leben geht weiter. Der Herr ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.“
Alltägliche Auferstehungserlebnisse und Gottes Segen wünscht,
Ihr/euer Pfarrer Kliesch


