+punkt. Leiterin Dr. Marita Rödszus-Hecker seit 1. April im Ruhestand

Meine erste Antwort auf die Frage, ob ich zum 1. April 2017 die evangelische Leitung im +punkt. übernehmen wollte, war ein klares „Ich möchte lieber nicht“. Ich wollte auf meine halbe Stelle in der Klinikseelsorge der Thorax Klinik, wo ich sehr gerne gearbeitet habe, nicht verzichten.  Aber dann habe ich doch zugesagt, direkt nach meinem 63. Geburtstag. Aus Neugier, aus Interesse und weil ich es einfach wissen wollte: Ist dieses Projekt sinnvoll - ein ökumenisches Seelsorgezentrum +punkt. Kirche im Neuenheimer Feld?
 
Die Begegnungen mit allen, die im +punkt zu Gast waren, die das seelsorgerliche Angebot „einfach reden“ oder „einfach singen“ in Anspruch nahmen, die die Zen- oder Klangschalen Meditation besuchten, die oder mit denen wir bei einem Glas Sekt oder Saft im Anschluss an eine der Veranstaltungen ins Gespräch kamen, haben mir gezeigt: Auf eine solche Einrichtung wie den +punkt. dürfen die Kirchen nicht verzichten.
 
Spiritualität, Meditation, Musik, Kunst, Film und Vorträgen stehen auf dem Programm des +punkts - und zum Glück auch einfach Ruhe. Ein Angebot für alle, die im Neuenheimer Feld in den Kliniken und Universitätseinrichtungen arbeiten, für Patienten und ihre Angehörigen, für Studenten und Studentinnen und für alle, die sich davon angesprochen fühlen.
 
Ganz klar war für mich von Anfang an: Neben Musik und Kunst sollten jetzt auch theologische und literarische Themen hier ihren Ort finden.  Es war eine schöne Fügung, dass ich kurz nach meinem Dienstantritt Kontakt zum Freundeskreis Heidelberger Literaturhaus e.V. bekam (wer immer sich für Literatur interessiert, sollte hier unbedingt Mitglied werden!), der unsere Arbeit unterstützt hat.
Als wirklich bereichernd habe ich durchweg die Zusammenarbeit mit meinen evangelischen und katholischen Kolleginnen und Kollegen erfahren, allen voran natürlich Dr. Nikolaus Schmerbeck.
 
Bis zur letzten Minute spannend blieb jedes Mal die Zusammenstellung unseres Halbjahresprogramms: Welche Themen wählen wir? Wen kann man einladen? Wie machen wir unser Angebot bekannt? Und spannend auch die rein praktischen Fragen: Was tun, wenn wieder einmal die vollautomatische Türöffnungsanlage aussetzt, Wasser durch die Decke des Neubaus tropfte oder in obskurer Weise der Vortrag eines Referenten ein Stockwerk höher erschallt. 
 
Fazit also: Ich habe kein Moment bereut, mich auf meine alten Tage noch auf dieses Experiment eingelassen zu haben. Im Gegenteil. Und ich freue mich auf die Zeit nach Corona, wenn der +punkt seine Türen wieder öffnet. Bis dahin bleibt das schöne Rentnerinnenprogramm: Lesen, Klavierspielen, Waldspaziergänge und – natürlich Corona konforme – Treffen mit Freunden.   
 
Heidelberg, im April 2021
Dr. Marita Rödszus-Hecker