„Mit dem Kopf in den Wolken und den Füßen fest auf dem Boden“

Gedanken zu Christi Himmelfahrt von Pfarrerin Carmen Sanftleben

Der Monat Mai zieht mich ins Freie. Auf die Berge rund um Heidelberg, auf den Königstuhl und auf den Heiligenberg. Einfach mal dem Himmel nah sein, die Aussicht genießen und die Füße spüren, die mich hierhergetragen haben.
„Was steht ihr da und schaut in den Himmel?“, fragen Engel etwas unwirsch die Jünger Jesu am Himmelfahrtstag. Wie Tagträumer stehen die da auf dem Ölberg und blicken in die Wolken. Sie sind noch ganz benommen von dem, was sie gerade erlebt haben. Hin und weg sind sie, könnte man sagen.
Vierzig Tage lang sind sie Jesus immer wieder begegnet, haben mit ihm gesprochen, mit ihm gegessen und getrunken, vierzig Tage nach seiner Auferstehung von den Toten. Nun hat er sich mit einem Auftrag und mit einer Verheißung von ihnen verabschiedet: „Meine Zeugen sollt ihr sein, in Jerusalem und in der ganzen Welt. Dafür sende ich euch Kraft und Unterstützung. Wartet nur ab.“ Dann sehen sie nur noch Wolken.
„Er ist jetzt im Himmel“, erklären die Engel. Und es kommt Aktivität in die Jünger. Sie steigen vom Ölberg hinunter und gehen in ihre Stadt zurück, nach Jerusalem. Sie rüsten sich für die Aufgaben, die vor ihnen liegen. Weite Wege werden sie zu gehen haben. Jesus ist im Himmel, aber er ist nicht verschwunden. Sie spüren: Jesus ist da und der Himmel auch. Außen, innen, oben, unten: überall – und sie sind mittendrin. In all dem, was sie gemeinsam erleben und tun.
Gott wohnt nicht im blauen Himmel, aber Gottes Himmel ist überall da, wo Gott wirkt. In der freien Natur und in den engen Gassen einer Stadt, im Blätterrauschen und in wachen Herzen. Das feiern wir an Himmelfahrt – draußen unter freiem Himmel oder drinnen in Kirchen und Häusern. Himmelfahrt ist ein Fest für Menschen, die den Kopf in den Wolken haben und dabei mit den Füßen fest auf dem Boden stehen.
Nachlesen kann man diese Geschichte zwischen Himmel und Erde in der Bibel, Apostelgeschichte, Kapitel 1.
 
weißt du wo
der Himmel ist
außen oder innen
eine Handbreit
rechts und links
du bist mitten drinnen.
(Quelle: Wilhelm Wilms, der geerdete Himmel © 1974 Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, 7. Aufl. 1986)