"Sich in gegenseitigem Einvernehmen bemühen, einander zu unterstützen" - 450 Jahre Emder Synode

Heidelberg, 30.06.2021. Genau vor 450 Jahren, am 30. Juni 1571, wurde die in Heidelberg verfasste Einladung zur Emder Synode augesprochen. Aus diesem Anlass feiert die Evangelische Kirche in Heidelberg dieses Jubiläum auf den Tag genau in der Heiliggeistkirche mit einem Festgottesdienst gemeinsam mit Prof. Dr. Kestutis Daugirdas von der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden und Pfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs, landeskirchlicher Beauftragter für das Unionsjubiläum.
 

Begrüßung durch Dekan Dr. Christof Ellsiepen:

 
"Wir blicken in die Geschichte, um uns selbst zu verstehen. Und das ist ein zweifacher Blick. Wir sehen einerseits Meilensteine der zukünftigen Entwicklung. Was über die eigene Zeit weit hinausgehen sollte. Und wir sehen andererseits auch Ereignisse und Konstellationen in der Geschichte, derer wir nur trauernd gedenken können.
 
Gerade in der Kirchengeschichte sind diese beiden Momente immer beisammen. Und ganz besonders gilt dies für die Kirche, in der wir uns versammelt haben. Heiliggeist. Mit unerbittlicher Härte wurden hier konfessionelle Machtkämpfe ausgefochten. Umso heller strahlen dann die Momente, die Verständigung zwischen den Konfessionen markieren.
Vor 450 Jahren auf den Tag genau wurde von hier aus etwas in Gang gebracht, das die reformierte Tradition nachhaltig prägen sollte. Und da wir als Badener Evangelische seit nunmehr 200 Jahren uniert sind, sind die Emder Beschlüsse sozusagen auch in der DNA der Evangelischen Kirche in Baden.
 
So freue ich mich, dass wir heute diesen Festgottesdienst zusammen mit zwei Menschen feiern, die jeweils für eine dieser Traditionen stehen. Prof. Kestutis Daugirdas, wissenschaftlicher Vorstand der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden, die sozusagen die Nachfolgerin der hier einst in Heiliggeist untergebrachten Bibliotheca palatina als Zentrum reformierter Gelehrsamkeit wurde. Herr Daugirdas wird uns die Synode von Emden heute in einer Lehrpredigt nahe bringen. Und ich begrüße Dr. Hans-Georg Ulrichs, landeskirchlicher Beauftragter für das Unionsjubiläum, der die Idee zu diesem Gottesdienst hatte und eine Hinführung aus badischer Perspektive machen wird."

Dr. Hans-Georg Ulrichs zum geschichtlichen Hintergrund der Emder Synode:

 
"2021 ist ein kirchliches Jubiläumsjahr: 50 Jahre Frauenordination in Baden, 450 Jahre Emder Synode und 200 Jahre Evangelische Landeskirche in Baden.
 
In der europäischen Reformationsbewegung des 16. Jahrhunderts bildeten sich auf Grund der vielen Zentren und der vielen Akteure unterschiedliche Traditionsströme aus. Sehr vereinfacht gesagt waren dies die auf die Wittenberger Reformation zurückgehenden Lutheraner einerseits und andererseits die Reformierten, die an zahlreichen Orten zu Hause waren – eine herausragende Rolle spielte sicherlich Johannes Calvin.
 
Die protestantischen Kirchen waren seit der Reformation Teil des Staatswesens. Auf Grund der Neuordnungen nach dem Wiener Kongress 1815, auf Grund von gesellschaftlichen und kirchlichen Bewegungen u.a.m. entstanden ab 1817, dem 300. Jubiläum der Reformation so genannte „Unionen“ der beiden protestantischen Hauptkonfessionen – so auch in Baden nach guter und intensiver Vorbereitung 1821.
 
Das Gründungsdokument, die Unionsurkunde, hält fest, dass man auch nach Gründung der Union mit den lutherischen, reformierten und den unierten Kirchen des Auslandes verbunden bleiben wolle, ja man sei befreundet mit allen Christen in der Welt. In der Union sind nämlich beide Traditionen aufgehoben. Deshalb passt es wunderbar, dass wir im Rahmen unseres badischen Unionsjubiläums auch einer so wichtigen calvinistischen Synode wie Emden 1571 gedenken können.
 
Verbindungspunkt ist das in Heidelberg abgefasste oder von hier versandte Einladungsschreiben. Damals war die Kurpfalz noch nicht Teil von Baden. Sie war ein Hort zahlreicher Glaubensflüchtlinge. Zu den besonderen Signaturen unseres badischen Protestantismus gehört nicht nur die ökumenische Ausrichtung zu den Konfessionen und in alle Weltgegenden hinein, sondern auch, dass wir immer eine Migrantenkirche gewesen sind. Flüchtlinge, verfolgte Christen finden hier Schutz, verfolgte Christen in der ganzen Welt können sich unserer Solidarität und unseres Gebetes sicher sein. Die Gedenkanlässe 1821 und 1571 passen sehr gut zusammen.
 
Es ist ein durchaus bewegender Moment, wenn auf den Tag genau nach 450 Jahren – damals geschrieben – heute das Einladungsschreiben zur Emder Synode 1571 – in Auszügen – an dieser Stelle vorgelesen wird. Kurpfälzer Theologen, Pfarrer aus den niederländisch-calvinistischen Kontexten stammend waren gut vernetzt und fühlten sich in Verantwortung mitzuhelfen, das kirchliche Leben der weit verstreuten Flüchtlingsgemeinden legitim zu ordnen. Wie sollte das im protestantischen Verständnis besser möglich sein als durch eine Synode?"