Heidelberg, 04.07.2021. Eine gehörige Portion Wehmut war mit dabei, als die Friedensgemeinde sowie Freund*innen und Wegbegleiter*innen sich am Sonntag (4. Juli) von ihrer Pfarrerin Martina Steinbrecher verabschiedeten. Fast auf den Tag genau vor sechs Jahren hatte sie in der Friedensgemeinde angefangen, hatte mit ihrer Nähe zu den Menschen, mit kreativer Experimentierlust und eindrücklichen Predigtworten schnell die Herzen der Menschen erobert.
Jetzt ist sie von der badischen Landeskirche zur Rundfunkpfarrerin berufen worden. In einem festlichen Gottesdienst wurde Martina Steinbrecher von Dekan Christof Ellsiepen von ihrem Amt in der Gemeinde entpflichtet. Mit der Friedensgemeinde-Rikscha ging es dann in den Handschuhsheimer Grahampark. Und dort gab’s unter sommerlichem freiem Himmel genug Anlass für das sprichwörtliche lachende und das tränende Auge.
Wer Handschuhsheim freiwillig verlässt, muss ein bisschen verrückt sein, sagte Martina Steinbrecher. Und: „Ich bin ein bisschen verrückt.“
Martina Steinbrecher zu Ihrem Abschied und Neubeginn:
Nach vier plus sechs Jahren in der Berg- und in der Friedensgemeinde und insgesamt zehn Jahren im Stadtkirchenbezirk werde ich Heidelberg Ende Juli verlassen und in württembergische Gefilde an den Albtrauf ziehen. In unserem Haus und Garten in Bad Boll ist jedermann und jedefrau herzlich willkommen, die es beruflich oder aus Erholungsgründen einmal dorthin zieht. Gerne empfehle ich die Evangelische Akademie als Tagungsort – sie ist nur einen Steinwurf von Steinbrechers entfernt. Oder den „Sinneswandel“, einen Weg, der praktisch vor unserer Haustür beginnt und (an einem begehbaren Steinlabyrinth vorbei!) durch wunderschöne Wald- und Wiesenlandschaften führt.
Meiner Badischen Landeskirche halte ich als Nachfolgerin von Wolf-Dieter Steinmann und zukünftige Rundfunkpfarrerin die Treue, auch wenn mein Dienstsitz im Evangelien Medienhaus im Stuttgarter Westen liegen wird; Tür an Tür mit meiner württembergischen Kollegin Barbara Wurz. Das dort schon bestehende gemeinsame Rundfunkpfarramt kann vielleicht ein Vorreitermodell für künftige weitere Kooperationen zwischen unseren unterschiedlichen, benachbarten Landeskirchen werden. Denken Sie groß! Planen Sie grenzüberschreitend!
Ich freue mich darauf, mich nun ganz auf Aufgaben konzentrieren zu können, die ich zu meinen Begabungen zähle: Die Arbeit an Texten, mit Sprache und Sprechen, die Weiterentwicklung zeitgemäßer Verkündigung, die Gestaltung schöner Gottesdienste mit allem, was dazugehört, die landeskirchenweite Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, denen all dies auch am Herzen liegt. Und all das in einem professionellen Kontext und Medium, das für mich noch neu ist, das uns aber in einer Reichweite mit Menschen jenseits von Kirchengemeinden, -grenzen und –mauern in Kontakt bringt, von der ich als Gemeindepfarrerin höchstens habe träumen können. Dass ich die Gemeinden am Berg und am Feld und die Stadt, die mir in den acht Jahren als Dekanstellvertreterin viele zusätzliche Begegnungs- und Gestaltungsmöglichkeiten geschenkt hat, dennoch vermissen werde, wird mir zurzeit täglich auch schmerzhaft bewusst.
Der Gottesdienst am 4. Juli, in dem ich entpflichtet und gesegnet werde, trägt in der Agende die Überschrift „Gottes Ruf“. Dazu fällt mir beim Schreiben ein Lied von Eugen Eckert ein, der uns durch seine Übersetzungen so viele Lieder aus dem nicht deutschsprachigen Raum zugänglich gemacht hat. Dazu zählt auch dieses: „Ich folge Gottes Ruf und bin dazu bereit, mit ihm an seiner Welt der Liebe mitzubaun. Kein Engel steigt herab, der Feuerwerk entfacht, der Schmerzen schnell mal stillt, aus Kriegen Frieden macht. Vielmehr liegt es an mir, bewegt von Gottes Geist, dass wahr wird, sich erfüllt, was wahres Leben heißt.“
Ich gehöre zwar nicht zu denjenigen, die glauben, dass „Christus nur unsere Hände und Füße hat …“, aber gerne lege ich weiterhin mit Hand an, gebe dem Evangelium eine Stimme, erzähle vom wahren Leben. Ich weiß, dass Sie das „in ihrem Beruf und Stand“ genauso tun und dass uns diese schöne Berufung auch weiterhin verbinden wird.
Bleiben Sie begeistert, beweglich und behütet!
Herzlich grüßt Ihre Martina Steinbrecher





