Im Kirchenbezirk Heidelberg zählte die evangelische Kirche im vergangenen Jahr 38.884 Mitglieder, rund 1000 weniger als 2019. Darunter sind 600 Kirchenaustritte, die restliche Zahl geht auf Todesfälle zurück. Die Zahl der Taufen (129) ist im Vergleich zum Vorjahr (282) um gut die Hälfte zurückgegangen, mit 23 Trauungen in 2020 liegt diese Zahl rund ein Drittel niedriger als in 2019 (73). Diese Rückgänge gehen nach Einschätzung des Zuständigen für die jährliche Statistik der Pfarrämter, Matthias Hantke, auf die Corona-Pandemie zurück. Den deshalb auch leicht zurückgegangenen präsentischen Gottesdienstangeboten (862) standen im letzten Jahr in Heidelberg allerdings auch 317 digitale Gottesdienstangebote gegenüber, die rund 56.300 Zugriffe verzeichnen konnten.
So wurde in der Kreuzgemeinde in Wieblingen die offene Kirche mit unterschiedlichen Angeboten sowie ein Zuhörtelefon rege genutzt. Auch die Neuenheimer Johannesgemeinde freute sich über das ehrenamtlich ins Leben gerufene Ansprechtelefon sowie ein klingendes Kirchencafé mit leichter Musik vor dem Gemeindehaus.
Pfarrerin Melanie Keller-Stenzel, Landeskirchliche Beauftragte für Gehörlose, zieht ebenfalls ein positives Fazit für das vergangene Jahr: „Für alle sieben Gebärdensprachgemeinden in Baden war das online-Format ein großer Gewinn, da Menschen auch aus größerer geografischer Distanz heraus am Gottesdienst teilnehmen und Kontakt halten konnten. Besonders schön sah es aus, wenn Gebärdenlieder gemeinsam gebärdet wurden: Viele Hände waren auf einmal in Bewegung und am Bildschirm für die ganze Gottesdienstgemeinde sichtbar.“
In der Friedensgemeinde ist Pfarrer Gunnar Garleff trotz aller "Unpräsenz" die Arbeit mit Konfirmanden gut gelungen, aus der jetzt eine ganz neue, engagierte Jugendarbeit keimt. Aber auch manche Erwachsene haben die Coronakrise als Zeit der Glaubensreifung erlebt, wie der Vater, der sich in der Kirchheimer Bonhoeffergemeinde gemeinsam mit seinem Sohn taufen lassen hat. Oder die Mutter, die durch den Religionsunterricht und Kinderglauben ihres Sohnes neugierig auf Kirche geworden ist und sich nun ebenfalls zur Taufe entschlossen hat.
Die Seelsorgenden in den Kliniken begegnen dort vielen kirchenfremden und ausgetretenen Menschen, die durch die Seelsorgegespräche wieder einen ersten Anknüpfungspunkt an Kirche bekommen. Im vergangenen Corona-Jahr hat der Glauben für viele Menschen in schwierigen Lebenslagen eine ganz neue Bedeutung gewonnen. „Nicht zu vernachlässigen sind auch Themen wie Inklusion und sexuelle Vielfalt, die von christlicher Seite eine klare Haltung fordern, um Menschen in heutigen Kontexten noch für Kirche begeistern zu können“, unterstreicht Dekan Ellsiepen das vielseitige Angebot von Kirche. So biete zum Beispiel die Bonhoeffergemeinde in Kirchheim mit ihren LGBTQ-Aktionen und queeren Gottesdiensten diesen Menschen eine kirchliche Heimat.






