Heidelberg, 14.07.2021. Die Kreativität fand in den Heidelberger Pfarrgemeinden, Werken und Diensten in 2020 trotz oder vielleicht sogar wegen aller Einschränkungen durch die Corona-Pandemie keine Grenzen. Mit liebevollen und individuellen Angeboten wurde vieles möglich gemacht, was den Zusammenhalt gestärkt hat. So war in der Kreuzgemeinde in Wieblingen die offene Kirche mit unterschiedlichen Angeboten wie z.B. wechselnden biblischen Geschichten, die mit Egli-Figuren dargestellt werden, im vergangenen Jahr eine stets gern genutzte Anlaufstelle, um einen Moment im Alltag innezuhalten. Die gesamte Corona-Zeit über gab es kontinuierlich das Angebot eines Zuhörtelefons, das täglich erreichbar war und rege genutzt wurde.
Auch in der Neuenheimer Johannesgemeinde gab es ein ehrenamtlich ins Leben gerufenes Ansprechtelefon, bei dem viele Menschen einfach nur von ihrer Situation erzählt, um Rat gebeten und auch nach tatkräftiger Hilfe gefragt haben. „Während des Lockdowns veranstaltete unsere Organistin ein klingendes Kirchencafé mit leichter Musik, zu dem sich viele Gemeindeglieder und Interessierte mit Maske und Abstand regelmäßig vor dem Gemeindehaus versammelt haben“, berichtet Pfarrer Hans-Jürgen Holzmann aus dem kreativen gemeindlichen Leben.
Pfarrerin Melanie Keller-Stenzel, Landeskirchliche Beauftragte für Gehörlose, zieht ebenfalls ein positives Fazit für das vergangene Jahr: „Für alle sieben Gebärdensprachgemeinden in Baden war das online-Format ein großer Gewinn, da Menschen auch aus größerer geografischer Distanz heraus am Gottesdienst teilnehmen und Kontakt halten konnten. Besonders schön sah es aus, wenn Gebärdenlieder gemeinsam gebärdet wurden: Viele Hände waren auf einmal in Bewegung und am Bildschirm für die ganze Gottesdienstgemeinde sichtbar.“
In der Friedensgemeinde ist Pfarrer Gunnar Garleff trotz aller "Unpräsenz" die Arbeit mit Konfirmanden gut gelungen, aus der jetzt eine ganz neue, engagierte Jugendarbeit keimt: „Vor vier Wochen haben 15 Jugendliche einen Workshoptag gestaltet, vor zwei Wochen wurden 15 weiteren Jugendlichen ihre Zertifikate für die absolvierte Trainee-Schulung im Gottesdienst überreicht, vor einer Woche waren wieder 20 andere Jugendliche auf Kanutour“, erzählt Pfarrer Garleff stolz von den neu entstandenen Initiativen der jungen Menschen.
In 2020 sind 36 Menschen aktiv in die evangelische Kirche eingetreten, die auf ganz unterschiedliche Weise den Weg zum christlichen Glauben gefunden haben. „Ich erinnere mich an den Konfirmanden Vater, der die Corona Krise als Zeit der Glaubensreifung für sich erlebt hat und sich zusammen mit seinem Sohn hat taufen lassen“, erzählt Pfarrer Fabian Kliesch von der Bonhoeffergemeinde. „Und ich erinnere mich an das Gespräch mit der Mutter eines meiner Grundschüler, die durch den Kinderglauben ihres Sohnes neugierig geworden ist und sich über Filme und Bibellektüre mit dem christlichen Glauben auseinandergesetzt hat. Ich werde sie im Oktober taufen.“
Nicht zu vernachlässigen sind Themen wie Inklusion und sexuelle Vielfalt, die auch von christlicher Seite eine klare Haltung fordern, um Menschen in heutigen Kontexten noch für Kirche begeistern zu können. „Eine Abiturientin hat mich angesprochen und gesagt, dass sie ihre Kirchenmitgliedschaft davon abhängig macht, wie unsere Gemeinde zur sexuellen Vielfalt steht, und ob auch queere Menschen willkommen sind. Das habe ich bejaht und sie ist ganz bewusst in der Kirche geblieben“, schildert Pfarrer Fabian Kliesch. Seine Bonhoeffergemeinde in Kirchheim hat mit LGBTQ-Aktionen und queeren Gottesdiensten ein Angebot geschaffen für queere Menschen in der Kirche.







