"Trauer- und Tränenwoche in Heidelberg" - Gedenkfeier in der Peterskirche für die Opfer des Amoklaufs

Heidelberg, 31.01.2022. Mit einer Gedenkfeier in der Peterskirche hat die Universität Heidelberg am Montag der Opfer des mutmaßlichen Amoklaufs vor einer Woche gedacht. Die ganze Universität sei durch den grausamen Anschlag getroffen worden, „jede Lehrveranstaltung, jeden von uns hätte es treffen können“, sagte der Rektor der Universität Bernhard Eitel in seinem Gedenkwort.
 
„Es ist eine Trauer- und Tränenwoche, diese Woche in Heidelberg“, blickt der Dekan der Evangelischen Kirche in Heidelberg Christof Ellsiepen auf die vergangenen Tage zurück. „Mit Blumen und Kerzen sind viele Menschen an den Botanischen Garten im Neuenheimer Feld gekommen, haben sich an den Ort einfach hingestellt, Blumen niedergelegt, eine Kerze entzündet. Oder sind in die Peterskirche gekommen, um in der Stille zu trauern, ein offenes Ohr zu finden bei Gott oder den Seelsorgenden ihre Not anzuvertrauen.
 
Mit unseren Gedanken und unserem Mitgefühl sind wir bei all denjenigen, deren Leben sich seit dem 24. Januar für immer verändert hat und in dem nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Zwei Familien haben den Tod ihres geliebten Kindes zu beklagen, diesen Schmerz können wir durch nichts lindern. Aber wir können für sie da sein und sie in unser Gebet einschließen in diesen schweren Stunden. Wir glauben an den Gott des Lebens. Deshalb gedenken wir der Menschen, die um ihr Leben gebracht wurden und sind an der Seite derer, die trauern“, so der Dekan.
 
Nach der schrecklichen Tat sei auch die Seele der Universität verwundet, sagte Universitätsprediger Helmut Schwier in seiner Predigt. Und dennoch bleibt er zuversichtlich: „Ich vertraue darauf, zweifelnd und wund, aber doch zuversichtlich: mit Gottes Hilfe und der Hilfe, die er durch uns Menschen einander schickt, werden wunde Seelen heil, wird das Schwere auch wieder leicht, wird Studieren voller Entdeckungsfreude sein – und vielleicht nicht nur ein Weg zu Wahrheit und Wissen, sondern auch zur Weisheit. Diese Weisheit habe ich vor zwei Jahren von einem sterbenden Menschen erfahren. Der sagte: Denk immer daran – das Leben ist schön“, schloss der Theologieprofessor seine bewegende Predigt.
 
„Gottes Liebe verbindet uns und stärkt unser Miteinander. Sie gibt uns die Kraft, den Verletzten und Traumatisierten beizustehen und mit ihnen nach Wegen in das Leben zu suchen. So wächst das Vertrauen, das unsere Hoffnung nährt, dass uns am Ende nichts von Gottes Liebe scheiden kann, auch nicht der Tod. In diesem Vertrauen zünden wir Lichter der Hoffnung an“, wandte sich Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh auf der Gedenkfeier an die Trauernden und zündete gemeinsam mit Stephan Burger, Erzbischof der Erzdiözese Freiburg, sowie Vertretern der jüdischen und islamischen Religionsgemeinschaft eine Kerze für die Opfer an.
 
In einer Schweigeminute mit Glockengeläut und anschließender Orchestermusik wurde zur Tatzeit gegen 12.24 Uhr in ganz Heidelberg der Opfer gedacht. Von 11 bis 14 Uhr ruhten an der Universität Heidelberg alle Lehrveranstaltungen.
 
Seelsorgeangebote der Kirchen wurden dankbar angenommen
 
Seelsorgende vor Ort bieten Gespräche und Trost an
Während der gesamten Woche boten evangelische und katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger Gespräche, Trost oder einfach nur gemeinsames Aushalten der Trauer ohne viele Worte an. So standen die Türen der Peterskirche täglich von 10 bis 22 Uhr offen, an einem Tisch im Neuenheimer Feld unweit der Tat wurden in drei Tagen 400 Tassen Kaffee gereicht.
 
„Die jungen Menschen freuen sich, dass andere Menschen ihnen etwas Gutes tun wollen. Sie sind dankbar für dieses Zeichen der Verbundenheit“, erzählte Pfarrerin Christiane Bindseil von ihren Erlebnissen in den Tagen nach dem Attentat. „Jemand sagte, die Präsenz von Seelsorge an diesem Ort wäre beruhigend. Manche erzählten, wie sie den Montag erlebt haben, wie sich das anfühlt, an diesem Ort zu sein; von dem komischen Gefühl, allein im Wohnheimzimmer zu sitzen. Andere waren froh, auch über etwas ganz anderes reden zu können. Auch ein unverhoffter Kaffeebecher kann eine große seelsorgliche Wirkung entfalten.“
 
Kerzen konnte man am Kaffeetisch ebenfalls bekommen, manche wurden gemeinsam angezündet. „Auch die Universität hat viel Dankbarkeit für dieses Angebot geäußert“, berichtet die Seelsorgerin Christiane Bindseil. „Zu wissen, dass viele professionelle Helferinnen und Helfer die Menschen am Ort des Geschehens im Blick haben, war eine große Entlastung für die Verantwortlichen.“
 
INFO:
Die Türen der Peterskirche stehen in dieser Woche von Dienstag, 1.2. bis Sonntag, 6.2. von 18 bis 22 Uhr weiterhin offen. Seelsorgende sind in dieser Zeit in der Kirche ansprechbar.
 
Außerdem bieten die evangelische und katholische Kirche in Heidelberg von Dienstag, 1.2. bis Freitag, 4.2. jeweils von 11 bis 15 Uhr Seelsorge an in den Räumen des Ökumenischen Seelsorgezentrums +punkt.Kirche INF 130.2 (in den Marsilius-Arkaden).
 
Die Predigt des Universitätspredigers Prof. Dr. Helmut Schwier können Sie hier nachlesen:
 
Die Predigt des badischen Landesbischofs Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh  können Sie hier nachlesen: