„Aufstehen ins Leben“: Ökumenischer Impuls zu Ostern von Pfarrer Johannes Brandt und Dekan Christof Ellspiepen

Es ist ein Engel Gottes, der, so erzählt es das Matthäus-Evangelium (Mt 28, 1-10), an das Grab Jesu herantritt und den Stein wegwälzt. Das erleben die Frauen am Ostermorgen. Der Stein ist weg und ihre Angst soll auch weg sein. „Fürchtet euch nicht! Steht auf ins Leben, denn Jesus ist euch vorangegangen.“ Das ist die Osterbotschaft. Doch ihr liegen – auch heute noch - viele Steine im Weg. All das, was uns ängstigt, lähmt und unfrei macht. Wie geht es nach zwei Jahren Pandemie weiter? Wann endlich kommt der verbrecherische Krieg in der Ukraine zu Ende? Was wird, wenn wir den Klimawandel nicht verlangsamen? All das betrifft uns unmittelbar. Wir sind gefragt, zusammen die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen nach Corona anzugehen. Wir sind gefragt, solidarisch mit der Ukraine Geflüchtete bei uns willkommen zu heißen und gastfreundlich mit Zuflucht Suchenden zu teilen. Wir sind gefragt, unsere Lebensweise nachhaltig zu ändern.
 

Die Angst liegt uns wie ein Stein vor der Seele. Nur wenn wir sie überwinden, können wir eine neue Perspektive gewinnen: Von innen heraus befreit kommen wir in Bewegung – in eine Bewegung, die ins Leben führt. An Ostern schauen wir als Christen auf unseren „Namensgeber“, auf Jesus Christus, der damals den Seinen nach Galiläa vorausgegangen ist. Seine Auferstehung zeigt seine innere Freiheit im Leben aus Gott. Eine Freiheit, die in Bewegung bringt. Den Frauen am Grab ruft er zu: „Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen“ (Mt 28, 10).

Die Angst hat auch heute keine Chance, wo „ein Engel“ den Stein wegwälzt und Menschen Jesus nachfolgen „nach Galiläa“ und so aufstehen ins Leben: gegen Unterdrückung und Unrecht, gegen Gewalt und Verschwörungstheorien, gegen Hass und Ausgrenzung von Minderheiten, für Frieden, Gerechtigkeit und gegenseitige Achtung, die Bewahrung der Schöpfung und ein verantwortliches Umgehen mit den anvertrauten Ressourcen.

Dekan Christof Ellsiepen & Pfarrer Johannes Brandt

Die Dichterin Andrea Schwarz beschreibt es in ihren Worten „Und jeden Tag mehr leben“: „Ostern geschieht immer dann und dort, wo ein Mensch es wagt, den entscheidenden Schritt zu tun, die Grenze zu überschreiten, aus dem Grab herauszukommen, den Stein wegzuwälzen, der Versuchung zu widerstehen, liegen zu bleiben.“

Von Herzen wünschen wir Ihnen zu diesem Osterfest in bedrängenden Zeiten die Kraft, ins Leben aufzustehen, und dazu Gottes Segen und Freude!

Pfarrer Johannes Brandt & Dekan Christof Ellsiepen
Katholische & Evangelische Kirche Heidelberg