Kirche und Diakonie zusammen unterwegs in Heidelberg: Zum 25jährigen Dienstjubiläum geht Martin Heß auf Diakonietour mit dem Dekan

Dekan Ellsiepen und Geschäftsführer Heß "on tour"
Heidelberg, 31.08.2022. Der letzte Tag im August ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer: Martin Heß feiert sein 25jähriges Dienstjubiläum, 18 Jahre davon hat er beim Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Heidelberg verbracht, seit dem 1. Juli 2010 ist er dort Geschäftsführer. Durch lang ersehnte Regenschauer nimmt er Dekan Christof Ellsiepen an diesem symbolträchtigen Tag mit auf eine Radtour zu ganz unterschiedlichen diakonischen Einrichtungen in Heidelberg.
 
„Ich bin sehr froh, dass Sie sich mit all Ihren Gaben schon so lange und erfolgreich in die Leitung des Diakonischen Werks einbringen“, dankt Dekan Ellsiepen dem Jubilar bei der Überreichung seiner Urkunde in der Diakoniestation in Handschuhsheim. Sie ist die erste von vier Stationen, die beiden Radler werden dort von den stellvertretenden Pflegedienstleitern Sonja Podkalicki und Bernhard Bischof herzlich begrüßt.
 
Martin Heß freut sich über die Urkunde zum 25. Dienstjubiläum
„Ohne die ambulante Pflege durch unsere rund 20 Mitarbeitenden könnten viele ältere Menschen sich nicht mehr allein zuhause versorgen“, berichten die gelernten Krankenpfleger. Die Touren werden täglich nach Stadtteilen geplant und aufgeteilt, damit die Anfahrtswege kurz sind und möglichst viele Menschen versorgt werden können. „Trotzdem können wir neue Anfragen oft gar nicht mehr annehmen, weil uns das Personal fehlt“, bedauern beide. Das Berufsbild Kranken- und Altenpfleger scheint für viele jüngere Menschen nicht attraktiv zu sein. Wie fast überall fehlt auch hier der Nachwuchs, was eine zunehmend älter werdende Gesellschaft vor große Versorgungsengpässe stellt. „Ich komme dennoch jeden Morgen gerne hierher“, schwärmt Sonja Podkalicki trotz aller täglichen Herausforderungen. „Ich kann mir keine schönere und erfüllendere Arbeit vorstellen!“
 
Monika Kirchdörfer (li) und Katja Völker (re) koordinieren das Seniorenzentrum Pfaffengrund mit viel Herzblut
Ähnliches berichten auch Monika Kirchdörfer und Katja Völker vom Seniorenzentrum Pfaffengrund. Dank der Stadt Heidelberg und des Gemeinderates gibt es in fast allen Stadtteilen ein Seniorenzentrum. So ist das Diakonische Werk auch Träger der Seniorenzentren in Rohrbach und der Altstadt. Die beiden Koordinatorinnen bieten im Pfaffengrund ein abwechslungsreiches tagesstrukturierendes Programm für die Menschen im Stadtteil an, das von allen Generationen rege genutzt wird. „Wir kennen manchen Familien bereits seit sechs Generationen. Das zeigt, wie gut wir im Stadtteil verankert sind“, weiß Monika Kirchdörfer, die seit 26 Jahren dem Seniorenzentrum ein Gesicht gibt. „Unser jüngster Besucher ist neun Jahre alt und unsere älteste partielle Nutzerin zählt stolze 105 Jahre!“
 
Sozialpädagogin Katja Völker hat sich vor vier Monaten für die Arbeit mit überwiegend älteren Menschen entschieden, „weil ich sie als ungemein bereichernd empfinde. Die älteren Menschen können uns mit ihren Lebensgeschichten und Erfahrungen so viel geben, das täglich mitzuerleben macht mir große Freude“, berichtet Völker, die davor überwiegend mit psychisch kranken Menschen im Sozialpsychiatrischen Dienst des Diakonischen Werkes gearbeitet hat und diese Erfahrungen nun in ihr neues Tätigkeitsfeld einbringen kann.
 
Thorsten Martich (li) holt die Waren täglich mit dem "Brot & Salz" Transporter ab
Der Weg zur nächsten Station führt in die „Diakoniestraße“ Plöck, wo viele soziale Einrichtungen vom Diakonischen Werk und Stadtmission ganz nahe beieinander liegen. Dazu gehört unter anderem der Diakonieladen „Brot & Salz“, in dem Menschen mit kleinem Geldbeutel gegen Berechtigungsschein günstige Lebensmittel und Bekleidung erwerben können. „Heute ist erstaunlich wenig Andrang, oft zieht sich die Schlange bis hinaus auf die Plöck“, erzählt Thorsten Martich, der seit fünf Jahren den Laden am Laufen hält. Als Fahrer holt er täglich die gespendete Ware ab, sortiert sie und sorgt dafür, dass alles seine Ordnung hat.
 
„In letzter Zeit erleben wir einen starken Rückgang unserer Stammkundschaft“, bemerkt der umtriebige Allrounder. Die überwiegende Mehrheit der Kunden komme nun aus der Ukraine, „die Kommunikation der Leute untereinander wird dadurch komplizierter, mache alten Hasen lassen sich wohl davon abschrecken“, bedauert er. An Ware und gutem Willen der Heidelberger Stadtgesellschaft mangelt es ihm dagegen nicht: „Wir könnten hier täglich viel mehr Spenden unter die Leute bringen, wenn wir Verkaufsräume und den Lagerplatz dafür hätten.“ Beides ist in der Altstadt bekanntlich knapp, es sei denn, ein ungenutzter Raum in der Umgebung täte sich auf …
 
(von li) Hannah Hebbelmann und Detlef kümmern sich im Manna gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen um die Gäste
Im benachbarten Begegnungscafé „Manna“ erlebt Leiterin Hannah Hebbelmann Anderes. Die meisten Besucher sind schon seit vielen Jahren treue Stammkunden und nehmen das niedrigschwellige Angebot dankbar an. „Zu Coronazeiten mussten wir erfinderisch sein, da gab es das tägliche Frühstück abgepackt durch die Ladentür mit auf den Weg. Manche unserer Angebote wie der Fototreff oder unser PC-Kurs fanden online statt, andere wie den Kochkurs mussten wir absagen“, erzählt die Germanistin. „Die Menschen sind heilfroh, dass sie sich nun wieder vor Ort treffen können, bei uns zählen neben dem Frühstück für kleines Geld vor allem die sozialen Kontakte“, erlebt Hebbelmann täglich. „Was soll ich daheim blöd rumsitzen, wenn ich hier was viel Sinnvolleres machen kann?“, kommentiert der gelernte Gastronom Detlef, der seit sechs Jahren ehrenamtlich im „Manna“ mitarbeitet.
 
Aber auch im Begegnungscafé zeichnet sich ein beunruhigender Trend ab: „Der Anteil älterer, alleinstehender Frauen ist unter unseren Besuchern deutlich angestiegen“, bemerkt Hebbelmann. „Viele Menschen, die am Existenzminimum leben, haben Angst vor der Zukunft.“ Trotz derzeit hoher Temperaturen fürchten sie sich vor einem Winter, in dem sie wählen müssen, ob sie heizen oder etwas zu essen haben wollen. „Unsere Türen stehen nach wie vor allen offen“, so Hebbelmann, „aber unsere Kapazitäten sind begrenzt und ich hoffe, bis zum Winter gibt es zusätzliche Angebote für diese Menschen in Not.“
 
Im Hof der Kapelle endet die Radtour
Am Ende der bunten und vielseitigen Jubiläumstour wird eines deutlich: Die Einrichtungen von Diakonie und Kirche sind aus der Heidelberger Stadtgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Dekan Ellsiepen zeigt sich tief beeindruckt vom großen Engagement der Mitarbeitenden in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern, die ihren Dienst am Mitmenschen trotz wachsender Herausforderungen nach wie vor mit viel Begeisterung und Herzblut ausüben. „Auch für mich hat diese Tour erneut verdeutlicht, wie wichtig unsere Arbeit ist, wie wichtig das Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen ist, um Menschen zu helfen. Ich freue mich auf weitere Jahre im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche Heidelberg“, resümiert Martin Heß seinen Jubiläumstag.