Karlsruhe/Gengenbach, Januar 2023. Die Gengenbacher Hermann-Maas-Medaille geht im Jahr 2023 an das Projekt „Meet a Jew“ des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Medaille wird am 26. Januar um 17 Uhr in der evangelischen Kirche in Gengenbach verliehen. Die Laudatio hält Landesbischöfin Heike Springhart. Zur Preisverleihung wird außerdem unter anderem Bianca Nissim erwartet, Mitglied im Präsidium des Zentralrats der Juden sowie stellvertretende Vorsitzende der Israelischen Religionsgemeinschaft Baden.
Die evangelische Kirchengemeinde Gengenbach würdigt mit dieser Auszeichnung den Einsatz für ein gegenseitiges Kennenlernen und für Verständigung zwischen Juden und Nicht-Juden in Deutschland. Das Projekt „Meet a Jew“ mit über 450 ehrenamtlich Engagierten organisiert bundesweit persönliche Begegnungen mit Schulklassen, Konfirmationsgruppen, Vereinen und vielen anderen. Es geht darum, heutigen jüdischen Alltag vorzustellen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Mit der Verleihung der Medaille an das Projekt möchte die Jury die Bedeutung der persönlichen Begegnung hervorheben. Schon der Namensgeber der Medaille, Hermann Maas, erkannte die große Kraft und die Notwendigkeit der persönlichen Begegnung zwischen den Religionen. „Meet a Jew“ macht möglich, was der Projekttitel verheißt: Juden zu treffen. Gerade junge Menschen haben keinen oder nur sehr wenig Kontakt zu Juden und verfügen über wenig Wissen zum jüdischen Glauben. Die zeitaufwändige Arbeit der Ehrenamtlichen wirkt somit Vorurteilen durch das Sammeln eigener Erfahrung entgegen und eröffnet neue Horizonte.
Auch in Gengenbach selbst konnten sich die diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden in einer von „Meet a Jew“ organisierten Begegnung davon überzeugen. Nach dem Treffen war der Wissensdurst und der Redebedarf der Jugendlichen bei weitem nicht gestillt und einige blieben lang über das offizielle Ende hinaus. „Nicht nur die Jugendlichen sind neugierig. Gleich mehrere Eltern der Jugendlichen wären am liebsten auch gekommen und wünschten sich solch eine Begegnung für Erwachsene. Ich bin deshalb sicher, dass dies nicht die letzte Begegnung war“, stellt der Gengenbacher Pfarrer Moritz Martiny fest.
Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie zwei Ehrenamtliche von „Meet a Jew“ werden im Rahmen der Preisverleihung von ihrer Begegnung im Dezember berichten und ihre Erlebnisse teilen.

Pfarrer Hermann Maas
Hermann Maas wurde 1877 als Sohn des damaligen evangelischen Pfarrers in Gengenbach geboren. Als einer der Pioniere der ökumenischen Bewegung hat sich Maas seit 1913 für den Frieden zwischen Religionen und Völkern eingesetzt. In seiner Zeit als Pfarrer an der Heiliggeist-Kirche in Heidelberg wurde er zwischen 1933 und 1945 unter großem persönlichen Einsatz zum Helfer und Retter für zahllose Juden. Dafür wurde er 1950 als erster Deutscher nach dem Krieg vom Staat Israel eingeladen. Bis zu seinem Tod 1970 engagierte er sich in seiner theologischen Arbeit für die Versöhnung zwischen Juden und Christen. In der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erinnert der erste Baum in der „Allee der Gerechten“ an das mutige Eintreten des badischen Pfarrers für die Menschlichkeit. 1988 benannte die evangelische Kirchengemeinde seiner Geburtsstadt ihr Gemeindezentrum nach Hermann Maas.
Text: Alexandra Weber, ZfK im EOK Karlsruhe





