„Zukunft braucht Erinnerung – und Erinnerung braucht Zukunft“

Festakt in der Heiliggeistkirche zum 400. Jahrestage der Wegführung der Bibliotheca Palatina – Präsentation einer digitalen Rückkehr an ihren Ursprung

Heidelberg, 17.2.2023. Mit einem Festakt „Von der Heiliggeistkirche in alle Welt – Die Bibliotheca Palatina“ erinnerte die Evangelische Kirche in Heidelberg an die Wegführung der Bibliotheca Palatina von den Emporen der Heiliggeistkirche nach Rom vor genau 400 Jahren. In der Renaissance war die „Mutter aller Bibliotheken“ die bedeutendste Sammlung von Büchern nördlich der Alpen. Bis heute werden die wertvollen Originale großenteils im Vatikan aufbewahrt, aber eine vollständig digitalisierte Version wird seit 2021 von der Heidelberger Universitätsbibliothek weltweit über das Internet frei zugänglich angeboten. Knapp 10.000 Aufrufe jeden Tag aus 183 Ländern belegen, welch ungebrochene Attraktivität die umfangreiche Wissenssammlung bis heute in alle Welt ausstrahlt.
 
„In Heidelberg und in der weiteren Region hinterließ die Wegführung ein Trauma“, beschrieb der Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg Dr. Veit Probst in seinem Festvortrag über Raub und Wiedergewinnung der berühmten Bibliothek das folgenreiche Ereignis. „Bereits zu ihrer Heidelberger Blütezeit im 16. und frühen 17. Jahrhundert galt sie als Mythos von symbolischer Bedeutung. Ihre Bücher repräsentierten dem gelehrten Europa das über Jahrtausende gesammelte Wissen der Menschheit.“
 
Die Geschichte und Bedeutung der Bibliotheca Palatina an ihrem Ursprungsort auf den Emporen der Heiliggeistkirche einer breiteren Öffentlichkeit zu übersetzen und mit den digitalen Mitteln des 21. Jahrhunderts sinnlich erfahrbar zu machen, ist Wunsch und Ziel von Kirche, Universität und Stadt Heidelberg.
 
„Gemeinsam planen wir ein Ausstellungskonzept, mit dem wir die Palatina für ein breites Publikum multimedial und synästhetisch erlebbar machen. So möchten wir ihre internationale Bedeutung herausarbeiten und die Besucher in die historischen Bücherschätze gleichsam eintauchen lassen“, erläuterte Dekan Christof Ellsiepen das Vorhaben. „Wir sind der Universitätsbibliothek und dem Kurpfälzischen Museum sehr dankbar für ihre Expertise, mit der sie uns bei diesem für unsere Stadt so bedeutsamen Projekt unterstützen. Damit wird die Bibliotheca Palatina zukünftig wieder von Heidelberg in alle Welt Strahlkraft entwickeln können.“
 
„Wenn die Besucherinnen und Besucher aus aller Welt in die Heiliggeistkirche kommen, erfahren sie etwas von dieser Identität, die die Stadt Heidelberg nicht in den konkreten Büchern der Bibliotheca Palatina, sondern vor allem im Herzen trägt: den reformatorischen Aufbruch, den frischen Geist in alter Tradition, der belebende Umgang mit der Heiligen Schrift“, unterstrich Landesbischöfin Heike Springhart in ihrem Grußwort. „Zukunft braucht Erinnerung – und Erinnerung braucht Zukunft. Gemeinsam können wir heute in ökumenischer und internationaler Gemeinschaft uns freuen und mit und aus dem Erbe der Bibliotheca Palatina frische Impulse für unsere Gegenwart entdecken.“
 
Das Stuttgarter Atelier Brückner präsentierte an dem Abend erste Konzeptideen zur geplanten Ausstellung, in der die Inhalte auf zeitgemäße Art und Weise vermittelt werden sollen: multimedial, interaktiv, partizipativ, explorativ, virtuell und flexibel. „Unser Konzept versucht dabei, die Geschichte der Bibliotheca Palatina zu transformieren und somit eine Brücke vom Damals ins Heute zu schlagen“, erläuterte Linda Peter. „Besonders für junge Besuchergruppen hat das große Relevanz: Vergangenes in die Gegenwart zu bringen und daran anzuknüpfen.“
 
Vergangenes in die Gegenwart zu bringen, gelang auch mit der bildgewaltigen Untermalung des Festakts durch eine visuelle Kunstprojektion des Heidelberger Medienkünstlers Nils Herbstrieth. Begleitet wurde diese von musikalischen Beiträgen des Collegium Musicum der Universität Heidelberg sowie des Theaters und Orchesters der Stadt Heidelberg. Beim anschließenden Sektempfang engagierten sich Mitglieder des Leo-Clubs Heidelberg tatkräftig beim Brückenschlag zwischen Jung und Alt, indem sie bei der Bewirtung der rund 380 Gäste aus Heidelberg und Umgebung mithalfen.