Die Orgel des Monats Mai steht in der Kapelle der Kopfklinik

Die Orgel fügt sich in das schlichte Design der Kapelle gut ein
Heidelberg, Mai 2023. Eine Pfeifenorgel in einer Klinikkapelle ist etwas Besonderes, denn in den meisten Gottesdiensträumen von Kliniken stehen wenn überhaupt Klaviere oder elektronische Tasteninstrumente. Die Orgelspielenden in den katholischen und evangelischen Gottesdiensten freuen sich über dieses Instrument der  Orgelbaufirma Peter Vier von 1991und schauen doch mit gemischten Gefühlen auf die Historie dieser Orgel.
 
Klinikkapellen sind Gottesdienstorte, die von beiden Konfessionen genutzt werden. Bei deren Planung wirken Vertreter beider Kirchen sowie der Klinikbetreiber, hier die Universität Heidelberg mit ihrem eigenen Bauamt, zusammen. Beim Bau der Kopfklinik vor ca. 35 Jahren führte diese personenreiche Zusammenarbeit zu dem Ergebnis einer sehr schönen und ausdrucksstarken Kapelle. Diese liegt vorteilhaft neben der Cafeteria im Erdgeschoß, für alle Patienten gut erreichbar. Vor allem das schlüssige Konzept der Innengestaltung des Bildhauers Franz Bernhard ist bis heute anregend und einnehmend.
 
Zumindest optisch "Ton in Ton" mit Taufbecken und Osterkerze
Damals konnten auch finanzielle Mittel der öffentlichen Hand (Stichwort: Kunst am Bau) für diesen Raum genutzt werden und standen auch für die Orgel zur Verfügung. Die damaligen Organisten erarbeiteten ein Konzept für eine Orgel, die dem Raum angepasst und der Aufgabe in Gottesdiensten und kleinen Konzerten gerecht werden konnte, doch leider bekam eine Orgelfirma den Zuschlag, die diesen Raum nicht kannte und letztendlich eine Standardorgel hinein setzte, deren Disposition für die Akustik des Raumes zu hell und zu scharf war. Auch das gewünschte zweite Manual für eine obligate Melodieführung des ja meist nicht sehr starken Gemeindegesanges fehlte.
 
Im Laufe der Zeit wurden durch Intonationsarbeiten und durch Hinzufügen eines elektrischen 16’ –und 8’ Registers im ansonsten angehängten Pedal die Klangmöglichkeiten erweitert und verbessert. Dieser Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen. Wie vom Orgelsachverständigen der Landeskirche, Herrn Kares, empfohlen, wäre ein Austausch eines hoch klingenden Register mit einem tief und warm klingenden  wünschenswert.
 
Mit den hinzugefügten Registern sind sogar kleine Konzerte möglich
Und trotzdem erfreuen sich Orgelspielende und sicher auch alle Zuhörende und Gottesdienstfeiernde dieses Instrumentes. Da die Register Nazard  2 2/3 und Terz 1 3/5 ab dem Ton b ausgebaut sind, können wir Organisten immerhin in einem beschränkten Maße eine Melodiestimme hervor gehoben spielen.
Werke bis zur frühen Romantik und kleinere zeitgenössische Werke lassen sich auf ihr verwirklichen, solange diese kein zweites Manual erfordern. Bis zum Beginn der Corona-Krise gab es in der Kapelle regelmäßig kleine Konzerte, zu denen auch die Orgel genutzt werden konnte. Vielleicht werden diese kleinen Konzerte wieder aufgenommen. In jedem Fall aber lohnt sich aber ein Besuch dieser besonderen Kapelle, und wenn die Orgel dabei zu hören ist...
 
2006 zwei elektronische Register 16’, 8’
 
Disposition:
Manual:
Bourdun       8’
Prinzipal       4’
Rohrflöte      4’
Nazard          2 2/3’ ab b
Doublette    2’
Terz              1 3/5’ ab b
Larigot         1 1/3
Sifflet           1’
 
Text und Fotos: Matthias Horn-Ostertag