Frauen.Gestalten.Zukunft.

140 Frauen folgten der Einladung zum Frauenmahl in die Heiliggeistkirche

140 Frauen finden Raum im Mittelschiff
Heidelberg, 11.05.2023. Ausgebucht bis auf den letzten Platz fand das diesjährige Frauenmahl unter dem Motto Frauen.Gestalten.Zukunft. bereits zum zweiten Mal in der Heiliggeistkirche statt. Eingeladen zu dem Abend hatte das Frauennetzwerk der Evangelischen Kirche in Heidelberg unter Leitung der Bezirksbeauftragten für Frauenarbeit Tanja Dittmar mit Unterstützung der Stadt Heidelberg. Vier Rednerinnen brachten den Frauen an dem Abend näher, wie sie ihre ganz unterschiedlichen Berufe gestalten und welchen Einfluss diese auf ihr Leben und ihre Zukunft haben. 
 
So sprach die Hebamme und psychotherapeutische Heilpraktikerin Ina Hecht davon, wie ihr Beruf zu einer Berufung für sie wurde. "Für mich heißt Zukunft gestalten, das Leben salutogenetisch zu begleiten. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam für eine echte Zivilisation mit weniger Gewalt und mehr Menschlichkeit eintreten, jede Frau an ihrem Platz und mit ihrem Auftrag."
 
Bestatterin Gaby Zartmann wird vorgestellt von  Schuldekanin Beate Großklaus und Gebärdendolmetscherin Katrin Zahl
Bestatterin Gaby Zartmann gelang es, ihre Erfahrungen aus ihrem ursprünglichen Beruf als Tagesmutter zu verbinden mit ihrer jetzigen Tätigkeit als Bestatterin - unter dem Motto "von der Wiege bis zur Bahre" gab sie wertvolle Einblicke in ihren Berufsalltag. "Wenn ein Mensch die Welt betritt, dann weint er und alle um ihn herum lächeln. Wenn er sie wieder verlässt, dann lächelt er und alle um ihn herum weinen", schloss sie ihren Vortrag mit den Worten eines unbekannten Autors.
 
Winzer*in Simona Maier erzählt von ihrem Traumberuf
 
Winzer*in Simona Maier, die ihre Ausbildung 2013 mit Bestnoten und bundesweiten Auszeichnungen abschloss, erzählte sehr bewegend nicht nur von ihrem beruflichen, sondern auch ihrem privaten Werdegang. Als Junge geboren fühlte sie sich schon von klein auf im falschen Körper. Vor sechs Jahren wagte sie den Schritt, sich ihren Traum von "Dirndl und Krönchen" zu verwirklichen und aus Simon wurde Simona. "Auch männerdominierte Berufe müssen aufgebrochen werden, es ist sogar erwiesen, dass Frauen einen feineren Geschmackssinn haben, was zum Beispiel die Aromen von Wein angeht", appelliert sie an die Frauen, sich einen Platz in der meist männlichen Weinwelt zu erobern. Mittlerweile hat sie eine eigene Weinmanufaktur gegründet und ihre Kreationen konnten an dem Abend gekostet werden.
 
Die Vorspeise ist bereits angerichtet, während die Frauen gebannt den Rednerinnen lauschen
Abschließend erzählte Beate Herrmann, wie sie als junge Frau ohne Abitur ihre Liebe zur Philosophie entdeckte, die ihr den oft steinigen Weg gewiesen hat zu ihrer heutigen Position als Vorsitzende des Klinischen Ethik-Komitees der Uni Heidelberg. Dass jedoch bei weitem nicht allen Menschen ein solcher Bildungsweg offen steht, mahnt sie am Schluss ihres Vortrages an: "Es ist die Aufgabe von Staat und Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass die Bildungschancen nicht von sozialer Herkunft bestimmt werden", fordert sie und fordert die anwesenden Frauen zugleich dazu auf: "Auch wenn du keine Chance bekommst, musst du diese unbedingt nutzen!"
 
Mitreißender Jazztanz des Tanzensembles
Bereichert wurde der Abend mit Darbietungen eines zehnköpfigen Modern-Dance-Ensembles unter Leitung der Physiotherapeutin und Tanzpädagogin Miriam Ullrich. Dem wunderbarem Gesang der hauptberuflichen Kosmetikerin Anne Dais und einem dreigängigen indischen Menü, liebevoll zubereitet und serviert von der Initiative "Cook your Future" unter Leitung von Frank Nuscheler. Gebärdendolmetscherin Katrin Zahl übersetzte alle Beiträge in Gebärdensprache und gab mit ihren sprechenden Händen ein eindrucksvolles Bild des Abends wieder. Nicht zuletzt ermöglichten viele helfende - auch männliche! - Hände den wunderbaren Abend mit ihrem großen Einsatz im Vorfeld und beim Aufräumen. Am Ende waren sich alle einig: der Einsatz hat sich gelohnt und das Frauenmahl ruft nach einer dritten Runde!