Heidelberg/Paris, 18.05.2023. Heute hat der derzeit in Paris tagende UNESCO-Exekutivrat bekannt gegeben, dass der Codex Manesse der Universitätsbibliothek Heidelberg in das internationale UNESCO-Register „Memory of the World“ aufgenommen wurde. Das Weltdokumentenerbe vereint Buchbestände, Handschriften, Partituren, Bild-, Ton- und Filmaufnahmen, die kulturelle Wendepunkte der Menschheitsgeschichte markieren. Insgesamt 64 Dokumente sind in diesem Jahr nominiert.
Der Codex Manesse, auch „Große Heidelberger Liederhandschrift“ genannt, ist die umfangreichste Sammlung mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung. Vermutlich auf Initiative der Zürcher Patrizier Johann und Rüdiger Manesse wurde um 1300 mit dieser Sammlung begonnen. Berühmt wurde die Handschrift vor allem durch ihre farbenprächtigen, ganzseitigen Miniaturen. Der Codex Manesse ist Bestandteil der berühmten Bibliotheca Palatina, die vor ihrer Wegführung in den Vatikan vor 400 Jahren auf den Emporen der Heidelberger Heiliggeistkirche beheimatet war.
„Wir freuen uns riesig über die Aufnahme des Codex Manesse in das UNESCO-Weltdokumentenerbe“, kommentiert Dekan Christof Ellsiepen von der Evangelischen Kirche in Heidelberg die großartigen Neuigkeiten. „Diese Auszeichnung unterstreicht den internationalen Rang der weltberühmten Bibliotheca Palatina, zu deren Werken auch der Codex Manesse zählt.“ Die evangelische Kirche plant, die Bibliothek zukünftig in einer multimedialen Dauerausstellung an ihrem ursprünglichen Standort auf den Emporen der Heiliggeistkirche in Heidelberg für Besucher aus aller Welt zu präsentieren. „Mit unserer Vision einer Ausstellung zur Bibliotheca Palatina wollen wir den inneren Reichtum dieser Universalbibliothek mit ihrer Geschichte und ihren Themen für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar machen“, erläutert der Dekan.
In der in Kooperation mit der Stadt Heidelberg und der Universitätsbibliothek geplanten Ausstellung soll die Wegführung und digitale Rückkehr der Bibliotheca Palatina zeitgemäß inszeniert werden. Die Besucher sollen in die historischen Bücherschätze eintauchen können: medial, interaktiv, partizipativ, explorativ, virtuell und flexibel. Vergangenes für die Gegenwart erfahrbar zu machen ist ein wesentliches Anliegen der Ausstellung, die aktuelle Fragen aufwirft: Welche Bedeutung hat die Bibliotheca Palatina heute? Welche Bedeutung haben Bücher und Wissen heute? Welchen Stellenwert hat die Wahrheit in einer pluralistischen Gesellschaft?
Damit leistet die Ausstellung zur Bibliotheca Palatina und zum Codex Manesse einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Geschichte und Kultur uns in der Gegenwart noch prägen und beeinflussen.
Den Pressebericht der Universität Heidelberg finden Sie hier ...


