„Ich kann schon meinen Namen schreiben“ - Start der Aktion „Schulranzen für Janne“

Gutscheine für Kinder von finanziell schwächeren Familien bis 30. September

von li: Christof Ellsiepen, Dorothee Brandt, Swetlana Fiz, Beate Großklaus, Alisa Malinovic und Martin Heß, vorne Bedir.
Von Marion Gottlob, RNZ. Der sechs Jahre alte Bedir weiß es genau: Seine sieben Jahre alte Schwester Yaz geht schon in die erste Klasse und ab September wird er ebenfalls die Schule besuchen. Er sagt: „Ich kann meinen Namen schreiben und Purzelbäume machen.“ Für den Schulstart hat er nun über die Aktion „Schulranzen für Janne“ des Diakonischen Werks Heidelberg einen nagelneuen Schulranzen erhalten. Er sagt: „Wenn ich in die Schule komme, werde ich in den Schulranzen ein Mäppchen mit Stiften, Hefte, Radiergummi und Spitzer tun.“
 
Kinder wie Bedir erhalten seit 2008 in Heidelberg über die Aktion „Schulranzen für Janne“ zum Schulstart drei Gutscheine im Wert von insgesamt 75 Euro. Die Aktion richtet sich an finanziell schwach gestellte Familien aus Heidelberg. Bedirs Mutter Zeliha Öztürk ist seit dem Tod ihres Mannes mit zwei Kindern alleinerziehend. Das bedeutet, dass sie im Moment zwischen Kindergarten und Schule pendelt und auch ihre Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten macht. Wenn ab September beide Kinder die Schule besuchen werden, wird manches leichter. Sie sagt nur: „Alles gut.“
 
Betroffene Familien erhalten drei Gutscheine im Wert von jeweils 25 Euro. Die Gutscheine können bei der Heidelberger Müller Drogeriefiliale eingelöst werden und sind nur für den Schulbedarf bestimmt. Der Gutschein ist also zweckgebunden, doch dürfen neben dem Schulranzen auch andere Dinge wie zum Beispiel Hefte oder Stifte gekauft werden. Swetlana Fiz, Filialleiterin der Müller Drogeriefiliale am Bismarckplatz, erklärt: „Wir machen gerne bei diesem Projekt mit.“
 
Beate Großklaus, Schuldekanin der Evangelischen Kirche Heidelberg, weiß: „Der Übergang vom Kindergarten zur Schule ist ein wichtiger Schritt. Die Kinder betreten eine neue Welt.“ Es geht um so spannende Fragen wie: Wer sitzt neben wem? Wer ist die erste Lehrerin oder der erste Lehrer? Großklaus erklärt: „Manche Familien feiern den ersten Schultag gemeinsam. Es kommen Großeltern und andere Verwandten mit Geschenken.“
 
Damit dieser Tag für alle Familien angenehm ist und sich kein Kind für seinen Schulranzen oder den Mangel an Schreibsachen schämen muss, gibt es die Aktion des Diakonischen Werks. Meist nutzen mehr als 100 Familien jedes Jahr diese Chance. Im vergangenen Jahr waren es jedoch nur 85 Familien. Martin Heß, Leiter des Diakonischen Werks Heidelberg, sagt: „Wir kennen die Gründe nicht, warum weniger Familien die Gutscheine in Anspruch genommen haben. Vielleicht hatte es noch mit der Corona-Zeit zu tun.“
 
Das Projekt richtet sich nur an Heidelberger Familien (nicht an Familien aus anderen Städten oder Kommunen), deren Kind in diesem Herbst eingeschult wird. Die Familien haben zum Beispiel einen Heidelberg-Pass oder einen Bescheid des Jobcenters, sie beziehen Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung. Auch Familien, deren Kindergartenbeiträge vom Jobcenter übernommen werden, dürfen mitmachen. Das Angebot richtet sich an berechtigte Familien unabhängig von Religion oder Nationalität. Christof Ellsiepen, Dekan der Evangelischen Kirche Heidelberg, sagt: „Jedes Kind soll einen guten Schulstart haben, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten seiner Familie.“
 
Für die Teilnahme vereinbart man mit dem Diakonischen Werk einen Termin und bringt den Bescheid des Jobcenters, Sozialamtes oder Jugendamts mit. Die Mitarbeiterinnen Alisa Malinovic und Dorothee Brandt betonen beide: „Wir behandeln diese Anliegen vertraulich und unterliegen der Schweigepflicht.“ Heß betont: „Die Aktion wird ausschließlich über Spenden finanziert.“ Unternehmen wie Privatleute, aber auch Schulklassen mit Sommerfesten unterstützen die Aktion. Schuldekanin Großklaus wünscht: „Einen guten Start am ersten Schultag und Gottes Segen für die ganze Schulzeit.“
 
Info: Die Aktion dauert bis 30. September. Mehr Infos unter Telefon 06221 – 53750.