Wo flattert es im Kirchturm?

(von li) Anja und Jochen Lehmann von der AG Fledermausschutz BW und Pfarrer Florian Barth präsentieren die Funde des Tages: Fledermauskot als Beweis, dass die Dachstühle der Kirchen ein idealer Rückzugsort für die kleinen Flugsäuger sein können
RNZ, 01.08.2023 von Julia Lauer. Fledermäuse mögen große Dachböden – und die bieten ihnen alte Kirchen. Nun waren die Fledermausfreunde Anja und Jochen Lehmann zu Besuch in Heidelberg, um in neun evangelischen Kirchen zwischen Schlierbach und dem Pfaffengrund nach den Tieren zu suchen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Friedenskirche trägt zum Artenschutz bei durch Obdach der besonderen Art
Die jungen Fledermäuse werden sehr fürsorglich großgezogen: Letztes Jahr war ein Säugling aus der Wochenstube gefallen, der von seiner Mutter abgeholt wurde, indem sie sich über das Tier setzte, so dass es sich festklammern konnte, um dann wieder nach oben gebracht zu werden.
 
In der Friedenskirche in Handschuhsheim hat seit einigen Jahren eine vom Aussterben bedrohte Fledermausart Unterschlupf gefunden: das Graue Langohr. Es zeichnet sich durch seine fast körperlangen Ohren aus, die zum Schlafen eingerollt und im Winter sogar unter die Achseln gezogen werden. Anfang Juli werden die Jungtiere geboren, nachdem die Mütter sich ohne die Väter bereits ab März zu Gruppen zusammengeschlossen haben. Jedes Weibchen bringt nur ein Junges zur Welt und säugt es sechs Wochen lang, bis es Ende August auf „eigenen Füßen stehen“ kann.
Betreut wird diese "Wochenstube" im Dachstuhl der Friedenskirche von Heidelbergs BUND Fledermausexpertin Brigitte Heinz. "Am 30. Juni haben wir 29 erwachsene Langohren gezählt, das ist für eine Wochenstubenkolonie des Grauen Langohrs eine sehr stattliche Zahl! ", berichtet Brigitte Heinz.
Weitere Informationen zum Artenschutz von Fledermäusen in Heidelberg unter BUND-Heidelberg.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ansprechpartner für Kirchengemeinden zu Schutzmaßnamen für Fledermäuse beim Regierungspräsidium Karlsruhe:
 
Bei den Regierungsbezirken Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart gibt es Artenschutzprogramme für bedrohte Fledermausarten. Darüber können Erfassungen und Erstberatung bei Sanierungen erfolgen. Auch werden Maßnahmen ungesetzt bzw. finanziert, die sowohl für Fledermäuse als auch für die (kirchlichen) Gebäudeträger ungünstige Situationen verbessern.
Ansprechpartnerin für eine Beratung im Regierungsbezirk Karlsruhe ist Kerstin Bach, Tel. 0721/926-0 oder poststelle@rpk.bwl.de
 
Weitere Infos zur Arbeit der AG Fledermausschutz Baden-Württemberg unter https://www.agf-bw.de/
 
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