"Manche Gespräche gehen sehr nahe"

2024 startet ein Kurs für Ehrenamtliche, die sich in der Klinikseelsorge engagieren möchten. Info-Abend am 17. Januar

Pfarrerin Verena Mätzke (M.) begleitet den neuen Kurs. Michael Arlt (l.) und Brigitte Nowak absolvieren gerade eine Ausbildung für die ehrenamtliche Seelsorge.
05.12.2023, von Marion Gottlob (RNZ). "Seelsorge heißt: da sein und begleiten, miteinander aushalten und dankbar Freude teilen. Als Seelsorger geht man Teile des Weges anderer Menschen mit." Das sagt Dr. Verena Mätzke, evangelische Klinikseelsorgerin an der Medizinischen Universitäts- und der Thoraxklinik. Sie bietet nun zum ersten Mal in Heidelberg einen Qualifizierungskurs für Ehrenamtliche zu dem Thema "Seelsorge als Begleitung", speziell für das Betätigungsfeld in Kliniken. Das Angebot startet mit einem Info-Abend im Januar 2024.
 
Pfarrerin Mätzke ist seit rund anderthalb Jahren Seelsorgerin an der Uniklinik. Es gehört zu ihren Aufgaben, angehende Vikarinnen und Vikare während ihrer Seelsorge-Praktika im Klinikalltag zu begleiten. Sie sagt: "Die Vikare klopfen an jede Krankenzimmer-Tür und bieten den Patienten Gespräche an." Anschließend spricht die Supervisorin mit den Vikaren über ihre Erfahrungen. "Dabei ist mir wieder und wieder bewusst geworden, wie dringend viele Patienten diese Gespräche benötigen. Aber die Vikare sind nur wenige Tage pro Jahr im Einsatz, und mein katholischer Kollege und ich können nicht an jedes Zimmer klopfen. Doch ehrenamtliche Seelsorger könnten diese Lücke schließen", sagt Mätzke.
 
Brigitte Nowak und Michael Arlt absolvieren gerade einen allgemeinen Seelsorgekurs, der für Altenheime, Behindertenheime und andere Einrichtungen gedacht ist. Den praktischen Teil absolvieren sie schon jetzt in der Medizinischen Klinik. Nowak hat ihre Ausbildung zur Chemielaborantin im Uniklinikum gemacht. Sie arbeitet jetzt in einem anderen Unternehmen, aber sie sagt: "Ich wollte schon sehr lange ehrenamtlich mit Menschen arbeiten." Vor Kurzem machte sie eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin und qualifiziert sich nun weiter: "Ich höre gerne zu, ich möchte für andere Menschen da sein."
 
Arlt hat Wirtschaftswissenschaften studiert und ist bei der BASF beschäftigt. "Ich möchte neben meiner Arbeit gerne etwas sozial Sinnvolles tun", fasst er seine Motivation zusammen. Schon jetzt ist er nach seinem Praktikum auf der Station der Kardiologie im ehrenamtlichen Einsatz. "Manche Gespräche gehen mir sehr nahe", berichtet er. Ein Patient mit einer Herzerkrankung erzählte ihm aus dem eigenen Leben und sagte: "Ich weiß jetzt nicht, wann mein Leben zu Ende geht. Das kann noch viele Jahre dauern, aber es kann auch in der nächsten Stunde sein." Arlt betont: "Meine Aufgabe ist es nicht, dem Patienten einen Ratschlag zu geben. Das wäre anmaßend und nicht angemessen. Aber ich halte mit dem Patienten die Ungewissheit aus."
 
Mätzke bestätigt: "In der Seelsorge öffnet man den Raum für Fragen. Es geht nicht darum, auf Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Krankheit sofort Antworten oder Lösungen zu finden. Stattdessen trägt man mit den Patienten den Schmerz, man lässt ihn mit seinen Ängsten und Sorgen nicht allein. Diese bewusste Absichtslosigkeit kann, für den Moment, zu einer Beruhigung führen."
 
Der neue Kurs ist für Menschen gedacht, die Patienten im Krankenhaus begleiten und dafür ihre Kompetenz erweitern möchten. "Man sollte Zeit und Kraft mitbringen, Engagement und Freude, Neugier und Offenheit für Glaubensfragen und die Bereitschaft zur verbindlichen Mitarbeit", erklärt Mätzke. "Die Teilnehmer sollten sich auch gerne in einer Gruppe austauschen." Nicht geeignet ist das Angebot für Menschen, die sich gerade in einer akuten Krisensituation befinden. Die Teilnehmer sollten über eine gewisse seelische Stabilität verfügen.
 
Der Kurs gliedert sich in einen Infoabend, zehn Kursabende (immer mittwochs ab 20. März, jeweils 18.30 bis 21.30 Uhr) und vier Studientage (2. März und 8. Juni 2024 sowie 18. Januar und 14. Mai 2025). Die Teilnehmer erfahren dabei, wie sie anderen auf eine gute Weise zuhören, wenn sie erzählen und klagen. Sie sprechen mit den Betroffenen und lernen, mit eigenen Grenzen und Hilflosigkeit angesichts von Krankheit umzugehen. Nach dem ersten Drittel des Kurses beginnen die Teilnehmer mit Besuchen in der Klinik. Sie erhalten ein Abschlusszertifikat und haben die Möglichkeit, sich für den ehrenamtlichen Seelsorgedienst beauftragen zu lassen.
 
Info: Der Infoabend findet am Mittwoch, 17. Januar 2024, um 18.30 Uhr in der Jakobuskirche, Kastellweg 18, statt. Mehr Infos gibt es bei Verena Mätzke per E-Mail an verena.maetzke@med.uni-heidelberg.de oder bei Kursleiter und Diakon Gerd Haug unter Telefon 07251 / 3929067 oder per E-Mail an gerd.haug@ekiba.de.