Verena Mätzke spricht über ihre Arbeit als Klinikseelsorgerin

Klinikseelsorgerin Verena Mätzke ist für Patient*innen da
Heidelberg, August 2023. Es ist jetzt schon mein 2. Sommer in Heidelberg. Seit über einem Jahr bin ich jetzt als evangelische Klinikseelsorgerin in der Medizinischen Klinik und damit auch an der Med. V tätig. Als Klinikseelsorgerin bin ich mit einem Fuß drin im Klinikalltag und mit einem Fuß stehe ich außen, bin „Außenstehende“.
 
Ich werde von der evangelischen Kirche dafür bezahlt, Patienten und Patientinnen zuzuhören, beizustehen, Geheimnisse zu bewahren, Schweigen und Ratlosigkeit auszuhalten, aber auch gemeinsam nach Heilsamem in einer belastenden Situation zu suchen und, wenn gewünscht, ein Gebet oder einen Segen zu sprechen. Gleichzeitig bin ich eingebunden in das vielfältige medizinische und therapeutische Angebot für die Patienten und Patientinnen. In der Med. V gehöre ich zum Team. Ich mache Besuche auf den Stationen und habe gerne auch für Mitarbeitende ein offenes Ohr.
 
Es gefällt mir, so frei und so willkommen zugleich zu sein. Ich bin keine Ärztin und keine Psychologin. Ich bin Pfarrerin. Ich selber habe meinen Halt im Leben im christlichen Glauben gefunden, in meinem Beziehungsnetz zu Menschen, denen ich vertrauen und mich anvertrauen kann, und in meiner Arbeit, die ich oft als sinnhaft und erfüllend erlebe. Natürlich kenne ich auch krisenhafte Zeiten, in denen Gewissheiten auf dem Prüfstand stehen, Zweifel aufkommen und ganz neue Antworten gefunden werden müssen.
 
Wenn Menschen schwer krank werden, dann kann es so sein, dass bisherige Sicherheiten brüchig werden, dass die eigene Schutzhülle verletzt ist, dass Fragen aufbrechen, Ängste und Zukunftssorgen belastend werden. Plötzlich auf Hilfe angewiesen zu sein, sich in einer unsicheren Situation zu befinden und für die Zeit einer Behandlungsphase aus dem strukturierten Alltag und dem Zuhause herausgerissen zu werden, eigene Aufgaben und Verantwortlichkeiten nicht mehr ausfüllen zu können – all das können Herausforderungen sein, die während eines Klinikaufenthalts die Gedanken ausfüllen und die Gefühlswelt prägen.
 
Zeit zum Zuhören in Lebenskrisen
Meine allererste Aufgabe ist Zuhören. Ich stelle keine Diagnosen und bin mit meinem Angebot auch nicht eingebunden in einen klinischen Behandlungsplan. Das heißt auch: Ich mache keinerlei Vorgaben im Gespräch. Ich habe keine eigenen Themen oder Ziele, die ich verfolge. Ich bin offen für alle Themen, die Patienten ansprechen wollen, worüber sie mit einem anderen Menschen gemeinsam nachdenken möchten, für alles, was sie einmal aussprechen müssen, weil es unausgesprochen zu schwer zu tragen ist.
 
Durch meine eigene religiöse Verwurzelung bringe ich ein Gefühl dafür mit, wie bedeutsam es ist, sich in einem größeren Sinnzusammenhang eingebunden und gehalten zu fühlen – wie und wo Menschen diese Einbindung erleben, ist ganz unterschiedlich. Klinikseelsorge richtet sich an alle Menschen, unabhängig von ihrer Weltanschauung, ihrer religiösen Zugehörigkeit oder spirituellen Anbindung.
Als evangelische Pfarrerin bin ich jedoch bei Interesse ansprechbar auf die christliche Religion und gelebte Spiritualität.
 
Ich habe hier in der Klinik noch einen katholischen Kollegen, Pfarrer Dr. Nikolaus Schmerbeck, und eine Kollegin und einen Kollegen der Islamischen Klinikseelsorge, zu denen auch gerne Kontakt hergestellt werden kann, wenn die Konfessionszugehörigkeit oder die Religion eine wichtige Rolle für den Gesprächswunsch spielen.
 
Neben der Med. V bin ich auch in allen anderen Kliniken der Medizinischen Klinik und in der Thoraxlinik tätig. Das heißt, dass ich es nur unregelmäßig schaffe, von mir aus Besuche auf den Stationen zu machen und mich den Patienten und Patientinnen vorzustellen, auch wenn ich das gerne häufiger tun würde. Ich komme aber immer, wenn das gewünscht wird.
 
Wenn also Patienten und Patientinnen oder auch Mitarbeitende gerne mit mir sprechen möchten und sich über einen Besuch freuen würden, dann ist es das Allerbeste, mich entweder über die Pflege kontaktieren zu lassen oder mich selbst anzurufen oder eine mail zu schreiben. Ich komme sehr gerne!
Es gibt ein Sprichwort, das lautet: „Der Mensch ist des Menschen beste Medizin“. Ich glaube, wir alle brauchen Menschen, denen wir uns anvertrauen können. Und manchmal ist es gut, wenn das jemand von „außen“ ist.
 
Text: Dr. Verena Mätzke