Wie kann ein neues Providenzhaus aussehen?

Wie könnte ein neu zu bauendes Providenzhaus aussehen?
Heidelberg, 14.06.2024. Die evangelische Altstadtgemeinde setzt sich seit vier Jahren für eine religionsunabhängige Stadtteilarbeit ein. Mittlerweile haben Architekturstudent*innen der Hochschule Darmstadt Entwürfe für ein neu zu bauendes Providenzhaus für Stadtteilarbeit und Altstadtgemeinde erstellt. 
 
Die beiden Architekturprofessoren berichten begeistert von den Arbeiten ihrer Studierenden
Am Freitag, den 14. Juni haben 16 Studierende eine Auswahl ihrer Entwürfe in der Providenzkirche vorgestellt. Anwesend waren auch die betreuenden Professoren Henning Baurmann und Matthias Maier aus dem Fachbereich Architektur der Hochschule Darmstadt. Mit großer Begeisterung erläuterten sie die ideenreich und detailliert ausgearbeiteten Modelle ihrer Studierenden für eine mögliche Bebauung des verbleibenden Areals der Providenzgemeinde: "Innerhalb von vier Monaten arbeiteten sie sich nicht nur in die Geschichte des Herrengartens und der Kirchengemeinde ein, sondern setzen sich mit den baurechtlichen, technischen und städtebaulichen Rahmenbedingungen auseinander, um im Februar dieses Jahres einen schlüssigen Entwurf für das neue Gemeindehaus zu präsentieren", zitierte Prof. Henning Baurmann aus seinem Vorwort zu den Arbeiten.
 
Studentin Karla Pohl (li) und ihre Schwester Paula (re) erläutern Dr. Hug ihren Entwurf
Auch wenn wahrscheinlich keiner dieser Entwürfe zu einer Umsetzung kommen wird, so ist die Vielzahl der Ideen und inhaltlichen Nutzungsüberlegungen doch äußerst wertvoll für die Altstadtgemeinde. Der eigentliche Wert der Arbeiten, resümiert Baurmann, liege darin, Potentiale und Möglichkeiten aufzuzeigen, ohne von den rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingeengt zu sein. 
„Wunderbar, dass sich so viele Studierende für unsere Situation als Gemeinde in der Altstadt, aber auch für die Situation der Menschen in der Altstadt interessieren und uns sehr eigenständige, originelle Ideen für das Areal angeboten haben!“, freut sich Altstadtpfarrer Mirko Diepen. 
 
Die Stadtgesellschaft zeigt sich sehr interessiert an den Entwürfen
Florian Barth, stellvertretender Dekan der Evangelischen Kirche in Heidelberg, betonte in seinem Grußwort, dass das Herz vieler Heidelberger an diesem Areal hänge, dessen Nutzung zu einem festgelegten Teil der Stadtgesellschaft in Form einer grünen Oase, dem "Providenzpark", überlassen wurde. Kaum ein Grundstück in der Heidelberger Altstadt wurde und wird so vielfältig umworben mit zahlreichen Nutzungsideen. Folglich unterstrich Jürgen Schlechtendahl, Leiter der Bauabteilung der Evangelischen Landeskirche in Baden: "Die großen Gewinner sind wir gemeinsam, Stadtgesellschaft und Kirche. Denn hier wird nur etwas entstehen, wenn alle Beteiligten im Umfeld das Gefühl haben, sie haben damit etwas gewonnen."
 
Christoph Czolbe vom Stadtplanungsamt ist beeindruckt von den kreativen Entwürfen
Architekt Christoph Czolbe vom Stadtplanungsamt zeigte sich beeindruckt vom großen und fachlich hochwertigen Engagement der Studierenden und ihrer beiden Professoren. "Einen wirklich guten Lehrstuhl erkennt man daran, dass die Arbeiten der Studierenden ihre eigene Handschrift tragen und nicht eine Fortführung des Stils ihrer Professoren sind. Das ist hier der Fall", lobt er die ganz unterschiedlichen und kreativen Entwürfe.  Die unter Architekten bekannte "Planungsphase Null" gebe die Möglichkeit, vorab zu sondieren, was gewünscht und was machbar ist. "Wir eröffnen uns damit Diskussionsräume, in denen wir viel weiter diskutieren als nur über Höhe und Kubaturen", so Czolbe. "Bisher ist zwar alles noch fiktiv, aber in Abstimmung mit der Stadt, Gesellschaft und Kirche in Heidelberg werden wir gemeinsam weiterdenken, denn dieser Ort hat den besten Entwurf verdient!"
 
Seit 2020 setzt sich die evangelische Altstadtgemeinde für den Aufbau einer religionsunabhängigen Stadtteilarbeit ein. Prof. Dr. Martin Albert (SRH-Hochschule) hat im Auftrag der Altstadtgemeinde 2021 eine Rahmenkonzeption für Stadtteilarbeit in der Altstadt erstellt. Mit Unterstützung durch Mittel des Verfügungsfonds aus dem Projekt Mittendrinnenstadt der Stadt Heidelberg konnte er im letzten Jahr eine Befragung von Familien durchführen und auswerten. Die Ergebnisse hat die Altstadtgemeinde in einem Podiumsgespräch am 26. Oktober 2023 vorgestellt.
Die Entwürfe der Studierenden können bis zum 20. Juni zu den Öffnungszeiten von 11 bis 17 Uhr in der Providenzkirche besichtigt werden.
 
Die Entwürfe zeigen eine Reihe an Ideen auf, die von zurückhaltend bis vollkommen neu denken reichen