Dekan Ellsiepen hält Andacht zur Eröffnung des Heidelberger Weihnachtsmarkts

"Mach`s wie Gott, werde Mensch."

Mensch sein, das ist alles im Leben. Ungefragt kommen wir auf die Welt,
werden hineingeboren in unsere Welt.  Mit Glück gibt es eine Mutter, einen Vater, Menschen, die uns als Neugeborene mit liebenden Augen anblicken. Die uns dann tagein tagaus und auch nachts versorgen, dass wir als Mensch wachsen und uns entwickeln können.
 
Ihr Kinderlein kommet, so hat der Kinderchor gerade gesungen.
Ja, kommt ihr Kinder.
Ja, kommt ihr Menschen in unsere Welt.
Von Anfang an sind wir es schon: Menschen und es ist zugleich unsere Lebensaufgabe, Mensch zu sein und menschlich zu werden.
 
Wir sind auf der Suche, nach Begegnung, nach Menschlichkeit. Tief im Herzen unserer Seele ist es das, was uns antreibt, was wir suchen in all dem, womit wir unseren Alltag verbringen. Jetzt in der Weihnachtszeit ist es besonders wichtig, darauf zu schauen. Was suche ich hinter all den glitzernden Bäumen und Buden, was suche ich, wenn ich Geschenke für andere suche, wenn ich mich bereit mache, von anderen beschenkt zu werden? In Vorfreude, aber vielleicht auch mit einer Prise Angst. Ist es das richtige Geschenk? Wird er sich, wird sie sich freuen?
 
Wir suchen Geschenke und zugleich suchen wir nach Menschlichkeit, nach Nähe und Wärme, nach dem, was dem Leben Sinn gibt.
 
Der Advent ist eine besondere Zeit, durch all seine schönen Rituale der Vorfreude und der schrittweisen Annäherung: Der Adventskalender, bei dem jeden Tag ein Türchen geöffnet wird. Der Adventskranz, jeden Sonntag wird eine neue Kerze entzündet, bis es Heiligabend wird.  (Beim Erfinder des Adventskranzes Johann Hinrich Wichern waren es vor 200 Jahren übrigens auf dem Kranz nicht vier, sondern so viele Kerzen wie Tage im Advent. Einen solchen Adventskranz mit 24 Kerzen werden wir dieses Jahr in der Heiliggeistkirche haben. Da drüben. Jeden Tag zünden wir in der Kirche eine Kerze mehr an. Am nächsten Sonntag geht es los. Schauen Sie mal vorbei.)
 
Ja, Advent ist eine Zeit der Sehnsucht. Wir sind auf der Suche nach menschlicher Begegnung. Dafür stehen alle die Lichter, die wir anzünden und die Türen, die wir öffnen. Denn in all dem Glitzer und all den Lichtern feiern wir an Weihnachten die Geburt eines Menschen. Jesus kam auf die Welt, als Mensch in einem einfachen Stall geboren. In Bethlehem, in einer kleinen Stadt.
 
Hirten sind in der Nähe und erleben mitten in der Nacht ein großes Leuchten. Gottes Engel öffnet ihnen die Augen und das Herz für das, worauf es im Leben ankommt. Und auf einmal ist die Angst weg. Sie machen sich auf und folgen ihrem Gefühl, hier ist etwas ganz Besonderes, das mich angeht.
 
Und sie finden Gott selbst mitten in ihrem Leben. Sie finden nämlich einen Menschen, ein neugeborenes Kind. Gott zeigt sich im Kind, Gott wird Mensch.
Das ist auch heute noch so. Mit jedem Kind erblickt Gott das Licht der Welt. Und bringt Licht in unsere so dunkle Welt.
 
In Jesus ist Gott zur Welt gekommen. Und er kommt weiter in unsere Welt mit jedem einzelnen Kind, ganz egal wo auf der Welt es geboren wird. Immer neu strahlt Gott uns an mit seinem unwiderstehlichen Lächeln und sagt:
 
Liebe mich.
Lass mich nicht allein.
Kümmer dich um mich.
Sei ein Mensch und werde Mensch.
Nicht mehr und nicht weniger.
 
Sei ein Mensch für jeden, der dir begegnet. Werde Mensch für die, die von dir abhängig sind. Werde Bruder oder Schwester für die, die niemanden haben.
Lass dein Lächeln sehen und deine Hand geöffnet sein. Zieh dich nicht zurück, gib dich hin an die Welt. Menschlicher kann sie nur werden durch dich. Deine Menschenliebe zählt.
 
Weihnachten in fünf Worten?
Mach`s wie Gott, werde Mensch.
 
AMEN