Im Rahmen der „Citykirche Rock’n’Pop“ widmete sich Citykirchenpfarrer Vincenzo Petracca am vergangenen Sonntag intensiv den christlichen Bezügen in Taylor Swifts Liedern und ihrem Verhältnis zum Glauben. Die sieben ausgewählten Swift-Songs wurden wie im Vorjahr von Tine Wiechmann und Band präsentiert.
Taylor Swift und ihre Songs begeistern die Massen. Ihre Fans, die „Swifties“, sind für ihren Enthusiasmus, ihre Treue und ihren Zusammenhalt als Community bekannt. Daher wundert es nicht, dass die kostenlosen Tickets für die zwei identischen Gottesdienste um 11 und 13 Uhr und später freigegebenen Zusatzplätze erneut innerhalb kürzester Zeit vergriffen waren.
In der Heiliggeistkirche ging es am Sonntag aber nicht darum, Fans mit einem kostenlosen Cover-Konzert zu erfreuen. Das Besondere an den Pop-Gottesdiensten ist nach wie vor die Verbindung von zeitgenössischer Musik bekannter Stars mit christlich-religiösen Inhalten innerhalb eines Gottesdienstes. Das Ziel ist es, Menschen mit der Botschaft der Kirche zu erreichen, die sich von den klassischen Formaten nicht angesprochen fühlen. Die Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher kamen zum Teil von weit her, um diese besondere Form, sich mit christlichen Inhalten auseinanderzusetzen, zu erleben. Eine Dreiergruppe aus Eschelbronn mittleren Alters schätzt schon länger die neuen Formate, eine ganze Gruppe von Jugendlichen war auf Einladung des Großvaters vor Ort und auch zwei Ministrantinnen einer katholischen Gemeinde aus dem Umland waren extra gekommen: „Wir waren schon öfter hier und finden die andere Art Gottesdienst toll, die gibt es bei uns nicht. Taylor-Swift-Fans sind wir natürlich auch.“
Zu den CityGottesdiensten sind alle eingeladen. Beim titelgebenden Aufruf „Take me to church“ handelt es sich jedoch nicht um einen Songtitel von Taylor Swift. Vielmehr ist er eine Reaktion der Swift-Fans auf den Song „Don’t Blame Me“, dem ersten Lied des Gottesdienstes. Tayor Swift singt von Erlösung und bittet: „Gott, rette mich!“ Auf Konzerten rufen die „Swifties“ bei diesem Lied regelmäßig „Take me to church, Taylor!“ Tine Wiechmann übernahm dies stellvertretend mit einer Referenz an den gleichnamigen Song von Hozier.
Trotz vieler religiöser Anspielungen und der Tatsache, dass sich Taylor Swift als bekennende Christin bezeichnet, wird teilweise behauptet, sie wende sich vor allem in ihrem letzten Album gegen den Glauben. „Das sehe ich gar nicht so, im Gegenteil“, ist Vincenzo Petracca überzeugt. „Wenn man sich den umstrittensten Song dieses Albums, „But Daddy I love Him“, einmal genau anschaut, dann geht es in dieser Romeo-und-Julia-Variante in meiner Wahrnehmung nicht um eine Abwendung vom Glauben. Es geht um eine Ablehnung falscher Frömmigkeit und der Einhaltung strenger Sittenregeln, die nur der moralischen Überlegenheit einzelner Menschen dienen.“ Dem gehörten Song werden Bibelstellen aus dem Matthäus- und Lukasevangelium gegenübergestellt, die erkennen lassen, wie Taylor Swift bewusst biblische Bilder einsetzt und christliche Überlieferung in einen zeitgenössischen Kontext überträgt.
Der Pfarrer sieht die Kritik an Swift auch als Ausdruck eines Kulturkampfes in den USA: „Taylor ist eine politische Christin. Sie setzt sich gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und für Geschlechtergerechtigkeit ein. Als Heiliggeistkirche teilen wir diese Werte und bewundern ihren unbeirrten Einsatz. Wir glauben: Alle Menschen sind göttliche Ebenbilder. Alle sind gleich. Alle verdienen denselben Respekt. Alle sind bei uns willkommen!“
Bei „Didn’t They“, einem unveröffentlichten Lied über die Anschläge vom 13. September 2001, wurde es dann sehr nachdenklich in der Heiliggeistkirche. Der unbeantwortet bleibende Ruf nach einer Antwort Gottes auf das „Warum?“ durchzieht den ganzen Song. Dennoch bleiben Glaube und Hinwendung zu Gott bestehen. Vincenzo Petracca meint, dieser Song sei Taylor Swifts Glaubensbekenntnis, denn es heißt im Song, „mein Gott starb für mich.“
Zwei weitere Lieder setzten sich ebenfalls damit auseinander, wie Hass und Leid begegnet werden kann. Die Antwort wird in den christlichen Konzepten der Nächstenliebe und der Feindesliebe gefunden. Vergebung und eine ausgestreckte Hand sind der bessere Weg mit Anfeindungen umzugehen, und wenn wir mit belastenden Situationen konfrontiert sind, können wir mit dem Blick gen Himmel um Erlösung bitten.
Mit den Liedern „Innocent“ und „Cruel Summer“ und dem Segen endete der eigentliche Gottesdienst, aber die erstmals aufgebaute „Freundschaftsstation“ bot jungen Taylor-Swift-Fans die Gelegenheit, die in der Community verbreiteten selbstgefertigten Freundschaftsbändchen zu tauschen und ins Gespräch zu kommen. Bei dieser Gelegenheit äußerte eine Jugendliche ihre Begeisterung für das musikalische Arrangement von „Epiphany“ im Gottesdienst: „Das Orgel-Intro war so toll. Eigentlich sollte Taylor den Song noch einmal neu aufnehmen, mit diesem Intro.“
Das Liedblatt kündigt bereits den nächsten Pop-Gottesdienst im Herbst an. Ein nicht minder bekannter Kollege von Taylor Swift steht dann im Zentrum der Betrachtung von Musik und Glaube: Harry Styles, am 26.10.2025, wieder in der Heiliggeistkirche.
Gottesdienste in der Citykirche der Evangelischen Kirche in Heidelberg
Der dritte Taylor Swift-Gottesdienst ist gleichzeitig der dreizehnte „Rock’n’Pop“-Gottesdienst in der Citykirche Heidelberg. Die Pop-, Tanz- und Kultur-Gottesdienste der Heiliggeistkirche sind in ein Gesamtkonzept der Evangelischen Kirche in Heidelberg eingebettet. Als eine Erweiterung klassischer Kirchenarbeit präsentiert sie regelmäßig besondere Gottesdienste und kulturelle Formate mit dem Ziel, den physischen und spirituellen Raum der Kirche zu öffnen. Die Menschen in Heidelberg und darüber hinaus sollen über nicht-traditionelle Formate erreicht werden und die Möglichkeit erhalten, die Kirche neu oder aufs Neue kennenzulernen. Insbesondere jüngere Menschen sollen zur Teilhabe eingeladen werden.





