Heidelberg, 17.04.14. Täglich strömen Hunderte von Besuchern aus aller Welt in die Heiliggeistkirche. Viele schauen schnell nur mal hinein. Einige nehmen sich Zeit, lauschen einem Orgelkonzert oder fotografieren das Kircheninnere. Andere Besucher setzen sich gern ein paar Minuten, brauchen die Stille im Gebet und bringen außerhalb von Gottesdiensten ihren Dank oder aber auch Ängste vor Gott. Doch wer hat Fragen, die ihm schon lange auf dem Herzen liegen, ist etwa in Not oder braucht konkrete Hilfe? Diese Menschen sollen nicht einfach wieder gehen. Daher hat die Evangelische Kirche in Heidelberg im Rahmen der Citykirchenarbeit seit kurzem das geistliche Angebot „Zeit für ein Gespräch“ ins Leben gerufen. Das Team der Cityseelsorge ist in der Gebetsecke jeden Samstag, von 15 bis 17 Uhr, ein kompetenter Ansprechpartner für alle Menschen, die einmal ihr Herz ausschütten wollen, die Nöte plagen oder Hilfe benötigen. Egal, ob sie einer christlichen Kirche angehören, aus Heidelberg sind oder aus fremden Ländern. In einer gemütlichen Sitzecke weist ein Plakat auf „Zeit für ein Gespräch“ hin. „Wir sind für alle Menschen da, um ihnen zuzuhören, jeder kann kommen und uns das erzählen, was ihm auf der Seele liegt, oder auch Fragen nach dem Glauben und Gott stellen“, sagt Reinhard Störzner. Das einzelne Gespräch könne bis zu 20 Minuten oder auch länger dauern, es komme darauf an, wie groß die Anfrage danach sei. Störzner ist Vorsitzender des Ältestenkreises der Altstadtgemeinde und führt seit vielen Jahren durch die Kirche. Er hat sich genau wie Karin Kunkel und weitere vier engagierte Mitglieder in dem Team zwei Jahre lang im ‚Zentrum für Seelsorge‘ auf diese ehrenamtliche Aufgabe vorbereitet. Alle fünf Begleiter in der Seelsorge wurden intensiv geschult und haben in einem Gottesdienst das Versprechen zur Schweigepflicht abgegeben. Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug begrüßt dieses geistliche Angebot in der Citykirchenarbeit und ist dankbar für das Engagement der Mitarbeitenden: „Ich bin froh, dass wir die Cityseelsorge für unseren Stadtkirchenbezirk eingerichtet haben, denn ich finde es sehr wichtig, dass Menschen hier direkt einen Ansprechpartner finden, wenn ihnen Fragen oder Probleme auf der Seele liegen.“ Inzwischen ist eine praktische Vorbereitungsphase in der Cityseelsorge gemeistert, und viele Erfahrungen wurden dabei gemacht: „Es gab schon manche Situationen, da haben mir die Menschen ihren ganzen Kummer erzählt, ich höre dann ihre Nöte und versuche, Klarheit zu schaffen, mehr können wir nicht tun“, sagen Karin Kunkel und Reinhard Störzner bei der Vorstellung der Plakate . Ins Gespräch zu kommen und einfach sein Herz auszuschütten, das helfe schon vielen, unterstreichen beide. „Für schwierige Fälle, beispielsweise bei Suchtfragen oder akuten Nöten, haben wir auch Adressen von Hilfseinrichtungen, die wir weitergeben.“ Das Team der Seelsorge könne aber nur zuhören, und das helfe oft schon weiter. Es gebe auch Besucher, die die Auseinandersetzung mit dem Glauben und Gott gern mit dem Team diskutiert, hierauf seien die Begleiter in der Seelsorge vorbereitet. Karin Kunkel ist im Ältestenkreis von Heiliggeist. Sie strahlt sehr viel Ruhe und Offenheit aus: „Wir möchten mit den Menschen über vieles sprechen, was sie bewegt, das müssen nicht immer deren Nöte sein; daher haben wir diese 20 Minuten, die wir jedem schenken, auch Zeit für ein Gespräch überschrieben.“