
Quelle: ekihd
Beim Reformationsgottesdienst in der Heiliggeistkirche erhielt Jerzy Buzek von der Evangelischen Kirche in Deutschland die Luthermedaille - „Baumeister des neuen Europas“
Heidelberg, 31.10.2013. Der Reformator Martin Luther hätte wohl seine Freude an diesem Reformationsfest gehabt und es mit wohlwollendem Blick betrachtet: Sein Konterfei auf einer Medaille geprägt als hohe Auszeichnung für einen mutigen Protestanten. Luthers Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott“ eröffnete den ökumenischen Reformationsgottesdienst in der Heiliggeistkirche. Es wurde von rund 450 Besuchern mit Posaunen- und Orgelbegleitung voller Inbrunst gesungen. Sicherlich trug die Verleihung der Luthermedaille mit vielen prominenten Gästen dazu bei, dass das Kirchenschiff derart „ voll beladen“ und die Atmosphäre so fröhlich war. Das Jubiläumsjahr des Heidelberger Katechismus veranlasste die EKD, als Ort für den Festakt am Reformationsfest die ehrwürdige Stadt am Neckar zu wählen. Besonders herzlich begrüßte Dekanin Marlene Schwöbel-Hug die Gemeinde, Ehrengäste, Bürgermeister Wolfgang Erichson, Gemeinderäte und Vertreter der EKD sowie des Oberkirchenrats. Landesbischof Ulrich Fischer, Abt Franziskus Heereman vom Stift Neuburg, Pfarrer Ekkehard Heicke vom ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) und Pfarrer Martin Hauger gestalteten die Liturgie, von der Kanzel predigte Ratspräsident Nikolaus Schneider. Nach dem Gottesdienst legte Schneider seinen Talar ab und überreichte an Jerzy Buzek in Würdigung seiner besonderen Verdienste um den Protestantismus die Luthermedaille. Als erster ausländischer Politiker erhielt der Ministerpräsident a.D. der Volksrepublik Polen und ehem. Präsident des Europäischen Parlaments diese Auszeichnung. Sichtlich berührt versicherte Jerzy Buzek, für ihn sei dies eine große Ehre und er nehme die Medaille mit großer Freude und Dankbarkeit entgegen. Der Preisträger, so verlautet die Urkunde, habe sich in seinem politischen Leben von der Überzeugung leiten lassen, dass Christen in die politische Verantwortung gerufen sind. Diesem Ruf sei Prof. Dr. Jerzy Buzek durch sein persönliches Engagement für Freiheit und Demokratie in Polen wie im Einsatz für Solidarität und Zusammenhalt im geeinten Europa gefolgt. Als Mitbegründer der Gewerkschaft „Solidarnosc“ sei Jerzy Buzek einer der entscheidenden Wegbereiter für den Fall des „Eisernen Vorhangs“ gewesen. Nikolaus Schneider betonte: „Solidarnosc bedeutet letztlich nichts anderes als eine Übersetzung der biblisch geforderten Nächstenliebe in politisches Handeln und als einer ihrer führenden Köpfe waren Sie im Polen der 80-er Jahre aktiv...in Ihrer Amtszeit als Präsident des Europäischen Parlaments besonders als Förderer des Dialogs zwischen den Kirchen und den EU-Institutionen.“ Schneider erwähnte besonders das Engagement Buzeks mit dessen Anregung zur Einrichtung eines Internationalen Bildungszentrums für Menschenrechtsfragen in Oswiecim (Auschwitz), der Stadt mit den Gedenkstätten und dem Museum für die Opfer des Holocaust des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.
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Ein glücklicher, bescheidener Preisträger mit viel Herzblut für Europa
In ihrer Laudatio lobte Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales: „Der Gedanke von Freiheit, Aufbruch und Reformgeist, die Überwindung von Grenzen und das Streben nach Gemeinsamkeiten in Europa sind die großen Linien im Wirken von Jerzy Buzek. Er sei stets für Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit eingetreten und einer der „Baumeister des neuen Europas“. Ministerin von der Leyen schätzt den polnischen Politiker und erinnerte an dessen Rede im Deutschen Bundestag vor vier Jahren, in der Buzek die Demokratisierung Polens als starkes Signal bezeichnete mit den Wworten ‚was vor dem Tor einer Schiffswert in Danzig begonnen hatte, endete am Brandenburger Tor‘. „Die Wiedervereinigung Deutschlands hätte es ohne den sanften Mut und die Entschlossenheit von Menschen wie Jerzy Buzek nicht gegeben!“ Heute würden die Worte Luthers mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, der sagte, der Mensch sei zur Arbeit geboren, wie der Vogel zum Fliegen: „Wir müssen Wachstum ermöglichen und Arbeitsplätze schaffen, denn wer seinen Job verliert, verliert alles. Wenn wir die Kraft haben, Europa zu stabilisieren, dann ist Europa ein Ort der Freiheit und Sicherheit und deshalb ist uns Europa so kostbar, dafür lohnt es sich, viele Widerstände zu umgehen!“, bekräftigte die Ministerin.
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Symbolfigur für ein vereintes Europa
Jerzy Buzek antwortete zunächst frei auf Englisch: „Ihre Worte ehren mich sehr, aber es war nicht allein mein Wirken, es waren viele daran beteiligt.“ Und sein direkter Blick ging da auch zu Pfarrer Grzegorz Giemza, dem Synodalpräsidenten der evangelischen Kirche in Polen, den Buzek in seiner Muttersprache begrüßte und herzlich umarmte Jerzy Buzek gehört der evangelisch-augsburgischen Kirche in Polen an, wo nur 72.000 Protestanten leben. Der Protestantismus habe ihn geprägt, bekräftigte Buzek in seiner auf Deutsch gehaltenen Ansprache. Fünf wichtige Gaben im Leben brauche der Mensch, betonte Buzek: Glaube, Mut, Arbeit, Offenheit und Solidarität. Luther habe Paulus oft zitiert mit den Worten ‚Einer trage des anderen Last‘. Arbeit schaffe Beziehungen und davon sei die Solidarität die wertvollste. „Hier stehe ich, ich kann nichts anders, Gott helfe mir, diese Lutherworte haben mich mein ganzes politisches Leben begleitet und mir Mut gegeben“, sagte er und äußerte in bewegenden Worten: „Heute ist Polen ein anderes, freies Land, auch ich bin ein anderer Mensch geworden. Ich bin sehr dankbar für diesen Preis, er bedeutet mir so viel!“ Auch wenn Jerzy Buzek nach herzlichen Begegnungen kurz nach dem Festakt in sein Heimatland abreiste, so gab es beim Umtrunk mit Sekt und Imbiss noch intensive Gespräche, und wie man von allen Seiten hörte, unbedingte Zustimmung und Glückwünsche für den sympathischen Preisträger.
J. Trilsbach, Fotos: Trilsbach 
