
Quelle: ekihd
29.9.2013. Am „europäischen Tag der jüdischen Kultur“, der in diesem Jahr am letzten Sonntag im September stattfand, besuchte eine Delegation der jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg sowie der evangelischen und katholischen Kirche in Heidelberg das jüdische und christliche Worms. Seit Jahren bestehen innerhalb eines interreligiösen Dialogs bereits enge Beziehungen, ja sogar Freundschaften in den Gemeinden. So machten sich rund 40 Teilnehmer auf die Spuren der mittelalterlichen Stadt am Rhein, die aufgrund ihrer jüdischen Geschichte auch als „Klein-Jerusalem“ bekannt ist. „Ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem gemeinsamen Ausflug, bei dem wir uns noch näher kennenlernen wollen, und dieser Ausflug, so habe ich es erst bei einem Treffen der EKD von Kollegen aus unseren Landeskirchen vernommen, ist eine sicher einmalige und daher auch für andere Gemeinden vorbildliche Veranstaltung“, sagte Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug. Vor der Synagoge empfing Sandra Wilhelm die Gruppe und führte durch das jüdische Gotteshaus und in dessen Geschichte ein. Synagoge bedeutet Versammlungsraum. Sie wurde in Worms ursprünglich im Mittelalter um 1034 erbaut und zuletzt in der Reichspogromnacht völlig zerstört. Das jüdische Gotteshaus im romanisch/gotischen Stil konnte 1961 au falten Mauerresten wiederaufgebaut werden. Rabbiner J. Pawelczyk-Kissin übersetzte die Ausführungen der Gästeführerin auch in die russische Sprache und ließ die jüdische Religion durch seine lebhaften Schilderungen noch anschaulicher werden. „Wir haben in Heidelberg rund 470 jüdische Gemeindeglieder“, erklärte der Rabbiner. Im Vergleich hierzu: Bis 1933 wohnten in Worms 1100 Juden, jetzt gibt es keine eigene Gemeinde in der ehemaligen Kaiserresidenz mehr, lediglich fünf jüdische Familien sind hier noch sesshaft. Außerdem konnten das Ritualbad - die “Mikwe“ -, die Judengasse und der älteste jüdische Friedhof Europas besichtigt werden. Sehr beeindruckend gestaltete sich der Besuch der alten und der neuen Jüdischen Friedhofsanlage „Heiliger Sand“ mit rund 2000 Gräbern, der älteste Grabstein stammt von 1058. Aber natürlich beeindruckte auch das größte Lutherdenkmal auf der ganzen Welt, erbaut 1868. Die Figuren, darunter die „Protestierende von Speyer“ (Protestanten) zeigen die Reformationsgeschichte und das stattliche Denkmal Luthers, als er im Reichstag zu Worms vor Kaiser Karl V. seine Thesen von 1517 widerrufen sollte. Doch Luther beharrte darauf: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“. Was letztlich die Reformation einleitete. Eine Führung durch den katholischen Dom St. Peter, erbaut im 12. Jahrhundert, mit Domführer Karl Maar schloss sich an. Am Dom finden am sogenannten Kaiserportal auf der Nordseite die jährlichen Nibelungenfestspiele statt. Dekan Dr. Joachim Dauer von der katholischen Kirche konnte hier noch ergänzende Ausführungen für die Besuchergruppe geben. Beim Abschied gab es herzliche Umarmungen und das Versprechen, noch enger in Kontakt zu bleiben. Angedacht ist, im nächsten Jahr wieder gemeinsam einen Ausflug von Heidelberg aus an einen historischen Ort mit bedeutender jüdischer und christlicher Kultur zu unternehmen.

Quelle: ekihd

