Zum Stand der Evangelischen Kirche in Heidelberg von Dekanin Marlene Schwöbel-Hug

- 09.07.2013 - 

Anlässlich des Treffens mit Gemeinderäten, am 9. Juli 2013 im Schmitthennerhaus

Quelle: ekihd


„Ich begrüße Sie alle herzlich zu unserem 4. jährlichen Treffen. In diesem Jahr 2013 ist viel von unserer Arbeit inhaltlich geprägt durch das Jubiläum des Heidelberger Katechismus. Gäste aus aller Welt kommen nach Heidelberg. Es ist zeitaufwendig, aber ungemein spannend, mit Menschen aus aller Herren Länder über Fragen des Glaubens, der kirchlichen Arbeit und der jeweils politischen Verhältnisse ins Gespräch zu kommen. Aus Indien, Indonesien, Afrika, den USA, Bali, Südsulawesi, Japan, Ungarn etc etc. haben wir Menschen zu Gast. Immer wieder staunen Christen aus anderen Ländern über unser Kirchensteuersystem. Gleichzeitig sagen sie ganz klar, dass sie mit ihren finanziellen Mitteln ein solch soziales Netzwerk, das wir als Kirchen in Deutschland aufgebaut haben, nirgends so kennen. Die sozial diakonische Arbeit von Kirchen ist in anderen Ländern viel kleiner gestrickt. Sie können keine Kindergärten in dem Maße wie hier vorhalten, auch keine Jugendarbeit oder Seniorenarbeit. Selbstverständlich gibt es Sozialarbeit, aber häufig ist die nur auf die jeweiligen Gemeindeglieder einer Kirchengemeinde beschränkt.
Für die ev. Kirche kann ich Ihnen sagen, dass wir in unseren KiTa-Projekten Schlierbach, Zähringerstraße, Mühltalstraße und ganz neu, Emmertsgrund langsam vorankommen. Im Emmertsgrund haben wir auf Bitten der Stadt eine zweite Gruppe eröffnet, um der Stadt zu helfen.
Unsere behördlichen Wege sind oft mühsam und langwierig. Aber wir sind voller Zuversicht, dass alle Hürden bald überwunden sind.

Haushalt
Unser Haushalt ist in diesem Jahr immer noch defizitär, was aber dieses Mal nicht nur auf die KiTas zurückzuführen ist, da wir gut mit der Stadt verhandeln konnten. Natürlich ist nach den Verhandlungen immer vor den Verhandlungen. Gern sind wir an Trägerschaften für Kleinkindgruppen interessiert, können aber selbst nicht mehr bauen.   Wir sind weiterhin in einem Haushaltskonsolidierungsprozess, bei dem unsere oberste Dienstbehörde, der EOK in Karlsruhe, auf alle Ausgaben ein scharfes Auge hat. Wir müssen Gebäude abgeben, um die gesetzlich geforderte und von uns nicht erbringbare Substanzerhaltungsrücklage zahlen zu können. Wie Sie sich vorstellen können, erfordert das oft schwierige Gespräche mit den betroffenen Gemeinden. Es ist aber schlicht nicht mehr möglich, dass wir alle Gebäude unterhalten und erhalten.
Seit 2007 haben wir unser Defizit durch strenge Sparmaßnahmen schon gut runterfahren können, sind aber noch nicht am Ende angelangt.

Jugendarbeit
In der Offenen Jugendarbeit haben wir durch ein neues Angebot in Handschuhsheim gemeinsam mit der Unterstützung durch das Kinder- und Jugendamt den Nerv der Zeit getroffen mit einem Angebot für Waldpädagogik.
Das Projekt „Schulranzen für Janne“ konnte durch einen Rotary Club finanziert werden. Die Beratungsangebote des Diakonischen Werks werden sehr angenommen. Durch unsere Kirchgeldaktion 2012/13 haben wir Mittel, um unserem Ziel der inklusiv arbeitenden KiTas näher zu kommen. FSJler und Schulungen für unsere ErzieherInnen können davon bezahlt werden. Unsere Kurse zum Glauben sind auf erstaunlich hohes Interesse gestoßen.
Wachsende Gemeinden
Es gibt inzwischen in Heidelberg wieder Pfarrgemeinden, die wachsen. Ein ganz positiver Trend, der natürlich den demografischen Wandel nicht aufhalten kann.
In vielen Bereichen arbeiten wir sehr erfreulich gut zusammen mit der Stadt, im interreligiösen Gespräch, in Fragen des Feiertagschutzes etc. In Heidelberg machen die Christen noch über 60% der Bevölkerung aus. Das ist sehr viel. Uns liegt an einer guten und konstruktiven Zusammenarbeit mit der Stadt. Wir haben eine Stimme hier in Heidelberg und wollen sie gern zum Wohl der Gesellschaft nutzen, in Gesprächen mit Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Wir sind sehr dankbar für die Gesprächsbereitschaft vieler Gremien. Und es freut uns daher natürlich ganz besonders, dass Sie heute so zahlreich gekommen sind!"

Quelle: ekihd