
Quelle: ekihd
Die Antworten der Schülerinnen und Schüler auf die erste Frage des Heidelberger Katechismus.
"Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?" "Über diese Frage muss man erst mal nachdenken." schrieb ein Heidelberger Jugendlicher. Schülerinnen und Schüler aus einigen Heidelberger Gymnasien haben genau dies getan und ihre persönlichen Antworten auf die Frage 1 des Heidelberger Katechismus gegeben.
Herausgekommen ist dabei eine Fülle von Gedanken und Assoziationen über persönliche Überzeugungen. Es finden sich Glaubenssätze und Dokumente des Zweifels, Fragen, Erinnerungen, Zukunftshoffnungen und tastende Versuche, die Frage überhaupt zu verstehen. In ihrer Unterschiedlichkeit und zum Teil gar in ihrer Widersprüchlichkeit gewähren die Antworten Einblicke in die Glaubenswelten von Jugendlichen. Sie zeigen vor allem auch, in welchen Brechungen, Mischformen und Facetten der christliche Glaube unter Jugendlichen lebendig ist. Man staunt über unbefangen steile Formulierungen zur gegenwärtig so skeptisch bewerteten Sühnopfertheologie ebenso wie über Verschleifungen von Reinkarnationsgedanken und Auferstehungshoffung.
Zugleich zeigt sich auf freilich sehr spezifische Weise die Kraft des Heidelberger Katechismus. Nicht nur im Jubiläumsjahr wurde immer wieder betont, dass die Fragen und Antworten des kleinen Büchleins durch ihre konzentrierte, bisweilen recht strikt anmutende Strenge bestechen. Die engagierten Antworten der Jugendlichen, ihre Rückfragen und kritischen Anmerkungen zeigen, dass bereits "Frage 1" in dieser Hinsicht stilbildend ist.

Quelle: ekihd
Das Kunstprojekt
Die künstlerische Umsetzung einiger Textzeugnisse hat Alexander Linn, Kunstlehrer am Helmholtzgymnasium Heidelberg gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Abitursjahrganges 2013 übernommen. Der Umgang mit den Texten ist nicht illustrativ, will vielmehr die Sprache direkt zum Material und zum Motiv von Malerei werden lassen. Vorbilder und Wegweiser für diesen künstlerischen Umgang mit dem geschrieben Wort sind Paul Klee und Picasso, aber auch die die Dadaisten. Bei den Leinwänden von Alexander Linn finden sich aber die direktesten Bezüge zum Werk der amerikanischen Nonne und Künstlerin Corita Kent (1918-1986). In zahlreichen workshops hat sie ihre spezifische Form hat Sister Corita ihren Umgang mit Schrift gestaltet und weitergegeben. Ihre Impulse hallen noch heute in der malerischen Avantgarde Amerikas nach.
Die sechs Bildtafeln liegen auf Tischen. Dazu erläutert Alexander Linn:
Die liegende Präsentation der Leinwände, die aneinandergereiht auf einfachen Tischen zusammengelegt werden, nimmt Bezug auf das Bild der Tafel, einem Ort der Versammlung, einem feierlichen Ort, und erzwingt gleichzeitig das langsame Abschreiten des Werkes. Den Betrachtern bietet sich nicht nur ein kurzer Blick, sondern sie müssen die Bilder abschreiten und auf diesem Weg pausieren, um Texte aus der Nähe zu studieren. Der Blick wandert, wie der Beschauer selbst, und so ergibt sich für jeden Einzelnen ein immer neuer, eigener Rhythmus, mit dem das Werk erschlossen wird.
Bei der Mitgestaltung durch die Schülerinnen und Schüler machte der Kunsterzieher Linn eine ganz besondere Erfahrung in einer wegen des Abiturs ganz besonders gefüllten Zeit:
„Obwohl viele sich im Frühjahr ganz auf das bevorstehende Abitur konzentrieren müssen, ergab sich immer wieder die Gelegenheit, einzelne Bildfragmente von Schülern gestalten zu lassen, die sich der Gestaltung von Schriften auch recht unbefangen näherten. Hierbei fiel mir auf, dass einige beim Schreiben innehielten und über die Texte nachdachten. "Was schreibe ich hier auf?" "Meine ich das?" "Das will ich nicht sagen!" So wurden die Texte schließlich verwandelt in Malerei, die auch zu denen sprechen kann, die empfindsam genug sind, diese Bilder auf sich wirken zu lassen.“
Bei der Vernissage wurde auch das Buch: “Heidelberger gGlauben“ 450 Jahre nach Erscheinen des Heidelberger Katechismus vorgestellt. Es beinhaltet die wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse zum Fragebogen an die Heidelberger, wie sie heute ihren Glauben leben. Herausgegeben haben es Michael Welker, Marlene Schwöbel-Hug und Ulrich Löffler in der „neukirchener theologie“, Preis: 9,98 Euro. ISBN 9783788 726997.

