Bei der Bezirksvisitation herrschte ein gutes Klima – Lob für die gute Organisation seitens der Delegation mit Landesbischof

Heidelberg. Vom 9. bis 12. Oktober informierte sich die Visitationskommission der Landeskirche, erstmals unter Vorsitz des neu gewählten Landesbischofs Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh über die Arbeit in der Evangelischen Kirche in Heidelberg. Es herrschte, trotz eines prall gefüllten Programms, eine gelockerte und gute Atmosphäre beim Besuch der Visitationskommission. Und wenn sogar beim offiziellen Empfang für die geladenen Gäste und BürgerInnen von Heidelberg in der Lutherkirche dem Oberbürgermeister ein Geburtstagsständchen gesungen wird, dann ist das ein herzlicher Beitrag von „Kirche für die Stadt“. Denn seit vielen Jahren besteht ein freundschaftliches Miteinander zwischen Kirche und Stadt, zwischen Dekanin Marlene Schwöbel-Hug und Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner.  Das Thema der Bezirksvisitation war vom Stadtkirchenrat mit „Kirche in der Stadt“ also gut gewählt. Doch könnte die Überschrift über diese Visitation, die alle sieben Jahre im Kirchenbezirk stattfindet, eher „Kirche mit der Stadt“ heißen, so lautete einmütig das Fazit der Teilnehmer. Denn Kirche und Stadt haben sich miteinander eng und freundschaftlich verwoben, in einem Netzwerk mit Vertretern von Politik, Universität, Kultur, verschiedenen Religionen und den sozialen Einrichtungen. Eine Zusammenarbeit, die einen Gewinn für beide Seiten darstellt.

Gruppenfoto vor der Waldparkschule
Historisches Foto, denn dies war die letzte Bezirksvisitation für die scheidende Präsidentin der Landessynode, Justizrätin Margit Fleckenstein (Mitte), und auch Pfarrer Volker Fritz und Axel Wermke, beide Vizepräsidenten, waren bei dieser Bezirksvisitation dabei. Für Landesbischof Cornelius-Bundschuh (4. v. l.) war es zudem die erste Visitation, seitdem er im Juni 2014 in sein Amt gewählt wurde.

Quelle: ekihd

Straffes Programm ließ tiefe Einblicke zu

Gruppenfoto in den Räumen der IBA
Über eine süße Erinnerung an den Besuch bei der IBA freuen sich Prof. Dr. Braum, Direktor der IBA (2.v.r.) und Annette Friedrich, Amtsleiterin Stadtplanungsamt Heidelberg (1.v.r.)

Quelle: ekihd

Der Blick von außen auf den Kirchenbezirk, intensive Gespräche, Sitzungen und Informationen vor Ort sind für den Oberkirchenrat und die Vertreter der Landessynode dabei wichtig, um zu schauen, welche Strukturmaßnahmen seit der letzten Visitation umgesetzt wurden, und um Ziele für die Zukunft festzulegen. Den Anfang machte ein Bildungsforum in der Gemeinschaftsschule auf dem Boxberg, der „Waldparkschule“, zum Thema: „Was brauchen Schulen von der Kirche? – Welchen Gewinn haben Schulen von der Kirche?“, das von Schuldekanin Dr. Beate Großklaus moderiert wurde. Klar wurde in den Referaten und Diskussionen, dass beide Seiten einen Gewinn voneinander haben. Landesbischof Cornelius-Bundschuh unterstrich, dass Kirche mit dem Religionsunterricht an den Schulen durchaus einen spirituellen Mehrwert bringt. Ein Besuch bei der Internationalen Bauausstellung Heidelberg GmbH (IBA) zeigte der Kommission auf, welches zukünftige, preiswürdige Projekt Kirche und Stadt beim Bau einer Kindertagesstätte auf dem Boxberg verfolgen und wie stark gerade Kirche und Stadt beim Thema Kinderbetreuung verbunden sind. Dies betonte anschließend im ökumenischen „HALT. Kirche in der Bahnstadt“ auch Myriam Feldhaus, Leiterin des Kinder- und Jugendamtes, Angelika Haas-Scheuermann, Leiterin des Amtes für Soziales und Senioren sowie Bürgermeister Wolfgang Erichson in ihren Referaten. Mit einer Führung durch die „Diakoniestraße“ in der Plöck mit ihren zahlreichen sozialen Einrichtungen und der Besichtigung der Providenzkirche, wurde die Präsenz von Kirche in der Stadt für die Kommission greifbar.

Nettes Beisammensein mit Referaten, leckerer Kürbiscremesuppe und guten Gesprächen im ökumenischen Kirchenraum „HALT. Kirche in der Bahnstadt“ . Gruppenfoto v.l.n.r.: Prälat Traugott Schächtele, Margit Fleckenstein, David Reichert, Christof Heimpel, Angelika Haas-Scheuermann, Myriam Feldhaus, Marlene Schwöbel-Hug, Wolfgang Erichson, Jochen Cornelius-Bundschuh und Beate Großklaus.

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Eine gemütliche Ecke lädt im „HALT.“ zum Plaudern ein.

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Großer Empfang und außerordentliche Synode

Die Rhein-Neckar-Zeitung und der Mannheimer Morgen stellten der Kommission viele Fragen. Unter anderem nach dem ökumenischen „HALT. Kirche in der Bahnstadt.“ Marlene Schwöbel-Hug würde hier gern mehr Raum bekommen, vielleicht für eine „richtige“ Kirche im stetig wachsenden Stadtteil.

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„Wie es im Propheten Jeremia heißt, sollen wir der Stadt Bestes suchen und auch für sie beten. Wir sind als evangelische Kirche in Heidelberg dankbar und froh, dass wir einen so kurzen und immer unkomplizierten Weg ins Rathaus haben“, erklärte Dekanin Marlene Schwöbel-Hug bei der Begrüßung der Gäste aus Politik, Universität, Wirtschaft, Kultur und Heidelberger Muslimen sowie verschiedener Religionen beim Empfang für die Bürgerinnen und Bürger im Lutherzentrum. Schwöbel-Hug: „Wir haben als evangelische Kirche in Heidelberg rund 44.000 Mitglieder in 17 Pfarrgemeinden. Gemeinsam mit der katholischen Kirche und den Kirchen der ACK, der Evangelischen Allianz und den christlichen Kirchen anderer Nationen sind wir rund 90.000 Christen in Heidelberg, die gern und engagiert in ihren Gemeinden und in der Stadt mitdenken, mit arbeiten und für Kirchen und Stadt beten. Wir alle sind Heidelberger und fühlen uns unserer Stadt verbunden.“ Bei Imbiss und Sekt kamen sich Kommission und Gäste in angeregten, aber vor allem fröhlichen Gesprächen näher. Bei der anschließenden Tagung der Stadtsynode hatten die Synodalen über die vom Stadtkirchenrat gemachten Vorschläge für die Ziele der kommenden sieben Jahre zu beraten. Im Stadtkirchenrat wurden dann die Ziele endgültig formuliert. In einem und afrikanischer Musik und Tänzen untermalten Gottesdienst in der Diakoniekirche der Kapellengemeinde, predigte der Landesbischof: „Da ziehen neue Musik und neue Formen ein, der Afrika-Gottesdienst entstand, die Internationalität der Gemeinde ist wunderbar… wichtig scheint mir: Körper und Geist, Leib und Seele gehören zusammen, wenn wir im Geist Christi leben.“ Diakonie sei nichts neben der Kirche oder ein zusätzlicher Auftrag, sondern Lob Gottes und gerechte Politik, eine gute Beratung, gemeinsamen Singen und eine stärkende Segnung.

Zielvereinbarungen

Marlene Schwöbel-Hug (Mitte) überreichte eine süße Erinnerung an die Redner beim offiziellen Empfang in der Lutherkirche, v.l.n.r.: Jochen Cornelius-Bundschuh, Ethem Ibrahim Ebrem, Eckart Würzner und der katholische Dekan Joachim Dauer.

Quelle: ekihd

Die evangelische Kirche in Heidelberg weiß sich dem Evangelium von Jesus Christus verpflichtet und bezeugt dieses in der Stadt. Sie ist als Kirche für alle Generationen in allen Stadtteilen präsent mit spirituellen, sozialdiakonischen und familienfreundlichen Angeboten. In der Gemeinschaft der Ökumene und des interreligiösen Gesprächs ist sie Partner der Heidelberger
Stadtgesellschaft und fördert das Miteinander in Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
Zielvereinbarungen:
1. Mindestens fünf Gemeinden haben ein Konzept der „kinderfreundlichen Gemeinde/ Kirche“ entwickelt, z.B. durch das Programm „kids friendly church“
2. Es bestehen Kooperationsvereinbarungen zwischen der Diakoniestation und anderen Partnern im Bereich der Pflege
3. Beim Ausbau der Ganztagesbetreuung in den evangelischen Kindertagesstätten und Krippen ist der Schwerpunkt Inklusion berücksichtigt, u.a. durch die Schulung von mindestens 50 Prozent der Mitarbeitenden.
4.  Alle Pfarrgemeinden haben im Einvernehmen mit dem Stadtkirchenrat bis Ende 2016 die Diskussion über Kooperationen und Fusionen abgeschlossen und entsprechende Vereinbarungen getroffen.
5. Das Konzept für das „Haus der Kirche“ ist erstellt und die Umsetzung ist auf den Weg gebracht.
6. Ein Konzept für die Arbeit mit jungen und betagten Senioren ist entwickelt und wird in Zusammenarbeit mit der evangelische Erwachsenenbildung , Citykirche, DW und Stadt umgesetzt.
7. Es gibt eine Anlaufstelle für den ganzen Bezirk, an die sich alle Schulen und Pfarrgemeinden wenden können. Die Anlaufstelle initiiert und koordiniert mindestens zwei Projekte aus gemeindlicher oder bezirklicher Jugendarbeit.
8. An der Citykirchenarbeit sind alle Pfarrgemeinden des Bezirks beteiligt. Sie treffen Absprachen über Gottesdienst- und Bildungsangebote.
Für die Heiliggeistkirche als „Touristenkirche“ gibt es ein Konzept, das mit der Citykirchenarbeit, der Kulturarbeit an Heiliggeist (auch überregional) und den Bedürfnissen der Altstadtgemeinde abgestimmt ist.
 
Text und Fotos: Jutta Trilsbach