Musliminnen und Muslime informierten sich im Schmitthennerhaus über evangelische Religion – Führung in der Heiliggeistkirche

- 13.06.2010 - 

Quelle: ekihd


13. Juni 2010.
Heidelberg ist eine Stadt mit vielen Brücken. ‚Brücken bauen’ zwischen Religionen und Kulturen war Thema beim Besuch von 60 jungen Musliminnen und Muslime im Dekanat der evangelischen Kirche. Die Teilnehmer des ‚ditib’-Projektes ‚Pro Dialog’ vom Landesverband Baden zeigten großes Interesse an dem lebendigen Vortrag von Dekanin Marlene Schwöbel über das Christentum, die evangelische Religion und speziell über die Strukturen der evangelischen Kirche in der Neckarstadt.
Marlene Schwöbel berichtete von dem regelmäßig stattfindenden interreligiösen Austausch in Heidelberg und unterstrich: „Ich halte den Dialog zwischen moslemischen, jüdischen und christlichen Religionen für den größten Friedensdienst, den man ausüben kann, denn das Wichtigste ist, dass man miteinander ins Gespräch kommt und bleibt!“
Ethem Ebrem vom türkisch-islamischen Kulturverein in Heidelberg ist einer der Seminarleiter von ‚ditib’ in Baden. Er hatte diesen Besuch organisiert und bedankte sich herzlich für die Gastfreundschaft. Nach dem Motto: „Mitten im Leben“ sollen die ehrenamtlichen Mitarbeiter von  ‚Pro Dialog’ die Kommunikation zwischen Kulturen und Religionen  fördern. Grundlage dafür ist eine dreistufige Ausbildung zum Dialogbeauftragten, der als ‚Multiplikator’ für interkulturelle und interreligiöse Zusammenarbeit in den Gemeinden verantwortlich ist. Seminarleiterin Dilek Ibis betonte: „Unsere Dialogbeauftragten gehen in die Moscheen vor Ort und kooperieren mit den Schulen, der Polizei und den Ämtern, denn es ist uns wichtig, Informationen aus erster Hand zu bekommen.“ Ziel sei es, die Moscheen nach außen und nach innen zu öffnen.

Quelle: ekihd

Bevor die Gruppe zu einer kompetenten Führung von Reinhard Störzner durch die Heiliggeistkirche aufbrach, wurden Fragen zur evangelischen Tradition, Evolutionstheorie, Abtrei-bung, Homosexualität und Vergebung der Sünden gestellt. Schwöbel bedeutete, dass die evangelische Kirche zur Tradition stehe, jedoch keine traditio-nalistische Kirche sei. Bildung, Toleranz, Nächstenliebe, die göttliche Vergebung, verbunden mit dem Bekenntnis zur eigenen Schuld sowie Klarheit und Deutlichkeit in der Aussage seien neben den Sakramenten Taufe und Abendmahl die wichtigsten Kriterien im evangelischen Glauben. Die Dekanin ergänzte ihre theologischen Ausführungen mit anschaulichen Erklärungen beim Überstreifen ihres Talars: „Normalerweise tragen evangelische Pfarrer zum Talar ein „Beffchen“, eine Art Bartschoner“, erklärte sie.  Aber sie bevorzuge einen weißen Kragen, da sie einen Bartschoner ja nicht brauche. Das erheiterte und schmunzelnd befand eine Teilnehmerin: „Ich finde, die evangelische Kirche ist ganz schön locker!“

 

Quelle: ekihd


Info:
Der ‚Ditib’  Dachverband für Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V., hat seinen Sitz in Köln und vereint 896 Ortsgemeinden in ganz Deutschland.  Vereinsziel ist es, Musliminnen und Muslime einen Ort zur Ausübung ihres Glaubens zu geben und einen Beitrag zur Integration zu leisten.