Stadträte informierten sich über die finanzielle Lage der evang. Kirche in Heidelberg

- 22.07.2010 - 

Quelle: ekihd

Foto von re n. li: Ursula Lorenz (FW), Marlene Schwöbel, Ulrich Löffler, Ernst Gund, CDU, Karin Werner-Jensen, SPD, Dr. Annette Trabold FDP,  Bürgermeister Joachim Gerner,  Beate Deckwart-Boller, B90/Grüne, Gabriele Faust-Exarchos, GAL, Susanne Bock, GAL, Dr. Jan Gradel, CDU, Alfred Jakob, CDU und Thomas Krczal, SPD sowie (nicht im Bild) Margret Hommelhoff, FDP.
 

Heidelberg, 22.7.10. Mit herzlichen Worten begrüßte Dekanin Dr. Marlene Schwöbel Kultur- und Sozialbürgermeister Dr. Joachim Gerner sowie elf Stadträte im Schmitthennerhaus zu einem ersten offiziellen Austausch.  Auch im Namen ihres katholischen Amtskollegen hieß sie die Stadtverordneten willkommen und entschuldigte Dekan Joachim Dauer, der an diesem Treffen nicht teilnehmen konnte, aber für den sie in Bezug auf die finanzielle Lage beider Kirchen gleichermaßen sprechen konnte. Einig war man sich am Ende des Zusammentreffens darüber, dass Kirche und Stadt in sozialen Bereichen aufgrund immer schwieriger werdender Finanzen in Zukunft enger zusammenarbeiten sollten.  „Wir müssen offen über die Lage reden und auch darüber, welchen Beitrag die evangelische Kirche für die Stadt Heidelberg leistet“, sagte Dekanin Schwöbel. Das Kirchenschiff schlingere zwar im Sturm der Zeit,  sei aber im Aufbruch zu neuen Ufern. In stürmischen Zeiten müssten Menschen zusammenrücken. Man plane daher die Fusionen der Gemeinden Boxberg/Emmertsgrund 2011, Heiliggeist/Providenz 2012 und Rohrbach-West/Ost .

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Die evangelische Kirche in Heidelberg wolle auch ihr Profil schärfen, neue Konzepte in der Jugendkirchenarbeit, Kirchenmusik und in den Gottesdiensten erarbeiten sowie das Gebäude- und Finanzkonzept konzentrieren. Der Schwerpunkt liege aber weiterhin im sozialen Engagement an den Menschen auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes, betonte die Gastgeberin.

Die Veranstaltung gemeinsam mit dem Diakonischen Werk diente dazu, Fakten und Zahlen auf den Tisch zu legen und evtl. Missverständnisse auszuräumen, die es bisher durch viele Berichterstattungen in der Presse gegeben hatte. Sehr eindrucksvoll schilderten Martin Hess, Leiter des Diakonischen Werkes und seine Stellvertreterin Birgit Kurz die Arbeit ihrer Jugend- und Senioreneinrichtungen, die ohne ehrenamtliches Engagement vieler Menschen nicht mehr möglich wäre.

Amtsleiter Rainer Wolf legte das ‚Kassenbuch’ offen dar und bestätigte: „Wenn wir nichts verändern, dann sind wir bald nicht mehr handlungsfähig!“ Als Schlüssel zur Konsolidierung nannte er Fundraising, Personaleinsparungen, Gebäudeoptimierung und die Gewinnung neuer Kirchenmitglieder. In den nächsten 20 Jahren würde in den kirchengemeindlichen Haushalten ein Einsparbedarf von bis zu 30 Prozent notwendig, so Wolf. Dekanin Schwöbel appellierte: „Wir sind ein verlässlicher Partner der Stadt, doch damit wir unsere Arbeit beispielsweise in den Kindergärten auf dem bisherigen Stand halten können, brauchen wir die verlässliche Zusage der Stadt für die Fortschreibung der Finanzierungen bzw. dass die Gelder im sozialen Bereich eingefroren werden und wie bisher bleiben!“ Lösungswege seien angedacht, wenn es um den Verkauf von Gebäuden gehe. So beispielsweise, dass im Falle der Kindergärten die evangelische Kirche neue Räumlichkeiten anmiete und die Stadt 70 Prozent der Mietkosten für einen noch zu bestimmenden Zeitraum übernehme könnte. In Schlierbach sei man im Gespräch mit einem Sponsor, der ein neues Kita- und evtl. Gemeindegebäude bauen wolle, das von der Kirche zu günstigen Zinskonditionen vorfinanziert werden müsste. . 

Eine rege Diskussion schloss sich den Ausführungen mit einer Powerpoint-Präsentation an. „Es war ein sehr informativer Abend für mich, denn wir haben kompetente Aussagen erhalten und die Dekanin hat uns gezeigt, wohin das Kirchenschiff segelt, danke für die Offenheit“, sagte Stadtrat Ernst Gund. Dr. Jan Gradel, CDU sowie Joachim Gerner bestätigten im Rund, dass man die Probleme erkannt habe und maßgeschneiderte, finanzielle Lösungen suchen wolle, um auch in Zukunft  soziale Aufgaben in Heidelberg gemeinsam mit der Kirche wahrnehmen zu können. Joachim Gerner gab zu Bedenken: „Aber auch die Lage der Stadt ist schwierig durch Verringerung von Landeszuschüssen.“

Jutta Trilsbach
 

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