
Quelle: ekihd

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Die Skulptur „Bahnsteig 1a“ von Anna-Sophie Weßling vom Thadden-Gymnasium wird als künftiger Gedenkstein in Heidelberg an die Deportation erinnern. Und zwar soll er an jener Stelle stehen, von wo aus jüdische Mitbürger im Jahr 1940 in ein Auffanglager ins französische Gurs abtransportiert wurden. Mitten in der Stadt, in der Nähe der Volksbank-Hauptfiliale, befand sich historisch belegt damals das Gleis 1. „Die Schienen stehen für den furchtbaren und scheinbar endlosen Weg nach Gurs. Dass sie in verschiedene Richtungen zeigen, bedeutet, dass die Menschen aus allen Richtungen nach Gurs kamen,“ beschreibt die Schülerin ihren Entwurf. Jurymitglied Irina Kissin von der jüdischen Gemeinde kam in Vertretung ihres Mannes, Rabbiner Janusz Pawelczyk-Kissin. Sie konnte aus ihrer Sichtweise viele wichtige Impulse geben und sagte: „Mit der Wahl bin ich mehr als einverstanden. Dies ist überhaupt ein interessantes Projekt und ich finde beide Skulpturen sind sehr gut gelungen.“

Quelle: ekihd
Bürgermeister Wolfgang Erichson zeigte sich erleichtert: „Ich war schon zweimal in Gurs und musste mit Bedauern feststellen, dass Heidelberg leider immer noch keine Gedenksteine aufgestellt hat. Daher freue ich mich jetzt, dass dieses Mahnmalprojekt endlich vorangeht!“ Er dankten allen Beteiligten und betonte, er sehe keine finanziellen Schwierigkeiten, jetzt das passende Material sowie Steinmetze für die Umsetzung der Entwürfe zu finden. Die Gedenksteine sollen circa einen Meter hoch, 50 Zentimeter tief und 50 Zentimeter breit gestaltet werden. Sponsoren seien natürlich willkommen, sagte Erichson, er werde hier aktiv werben. Und er lud alle 50 Schüler, die an dem Mahnmalprojekt mitgearbeitet hatten, mit ihren Lehrern ins Rathaus zu einer kleinen Feier ein. Die Siegerinnen dürfen beim nächsten offiziellen Besuch der Stadt mit nach Gurs fahren.
Info: Erinnern und Mahnen. Auf dem Gelände der Evangelischen Jugendtagungsstätte in Neckarzimmern befindet sich seit 2004 ein zentrales Mahnmal auf einem 25 Quadratmeter großen Davidstern. Dieses Jugendprojekt dokumentiert die Schicksale deportierter Juden im zweiten Weltkrieg. Bis jetzt fehlt dort ein Gedenkstein aus Heidelberg, während kleine Gemeinden schon lange vertreten sind. Im Lager Gurs mussten rund 6000 Juden unter unmenschlichen Bedingungen hausen. 1038 Menschen starben dort an Unterernährung oder Krankheiten. 364 Juden wurden allein von Heidelberg aus nach Gurs abtransportiert, über 200 starben.

