
Quelle: ekihd
Schülerentwürfe wurden im Rathaus präsentiert und ausgezeichnet
Heidelberg, 4. Mai 2011. Es ist geteilte, aber keineswegs ungebrochene Freude, die sich im Rathaussaal breitmacht. Einerseits ist da die Freude über den Gewinn einer Reise nach Gurs in Frankreich, andererseits die Erinnerung an eine grauenvolle Vergangenheit. Anna-Sophy Weßling und Elisa Huynh gelingt kein „Siegerlachen“ fürs Foto, sondern lediglich ein verhaltenes Lächeln. Beide Schülerinnen (sowie Katharina Jungwirth) erhielten für ihre künstlerischen Mahnmalentwürfe als Anerkennung für ihr herausragendes Engagement zum Thema „Aufarbeitung der Deportation der badischen Juden“ Dankesurkunden von Bürgermeister Wolfgang Erichson. Er lud die Schülerinnen zu einem mehrtägigen Aufenthalt im nächsten Jahr nach Gurs ein.
Schuldekan Dr. Ulrich Löffler, der dieses Projekt mit begleitet hatte, schloss sich den Dankesworten an und erwähnte auch den kürzlich verstorbenen Heidelberger Historiker Frank Morat, der genau die Stelle topografisch ausfindig gemacht hatte, wo sich früher der Heidelberger Bahnhof mit dem Bahnsteig 1a befand: in der Nähe der heutigen Volksbank Hauptfiliale in der Poststraße. Damals rollten hier die Sonderzüge nach Gurs zum Internierungslager. Hier soll der Stein von Anna-Sophia Weßling aufgestellt werden. Er zeigt einen Kubus mit Gleisen, die ins Nichts und gegen eine Wand führen. Ein Teddy, ein Koffer und eine Hand sind am Stein von Elisa Huynh und Katharina Jungwirth gestaltet, der für das Mahnmal-Jugendprojekt in Neckarzimmern bestimmt ist. Der Entwurf zeigt das Schrecken der Abreise und das Wenige, was Kinder und Erwachsene mitnehmen durften.

Quelle: ekihd
In den historischen Ratssaal waren alle Schülerinnen und Schüler des Elisabeth-von-Thadden- und des Raphael-Gymnasiums eingeladen, die im Kunstunterricht beachtenswerte Skulpturen entworfen hatten. Sie alle hätten eigentlich einen Preis verdient, aber nur zwei Gedenksteine können aufgestellt werden. Die Jugendlichen gaben zu Bedenken: „Die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema ‚Deportation der Juden und Vernichtungslager’ war sehr traurig, und wir haben uns wirklich große Gedanken darüber gemacht, ob wir dem gerecht werden können.“ Genau in einem Jahr sollen die Siegerentwürfe dann in Stein gehauen als Mahnmale an die Deportation der Juden im Jahr 1940 erinnern. In einem Jahr fährt eine Abordnung der Stadt wieder in das ehemalige Internierungslager in Gurs. Bürgermeister Wolfgang Erichson äußerte sich zufrieden: „Endlich kann ich dann sagen, dass auch Heidelberg jetzt Mahnmale aufgestellt hat.“ Die Stadt werde finanzielle Mittel hierfür zur Verfügung stellen und Gespräche mit Sponsoren liefen ebenso, so Erichson und er ergänzte: „Die Jury-Entscheidung für die beiden Gedenksteine war nicht einfach, denn von der hohen Qualität und großen Tiefe der Arbeiten her waren wir sehr überrascht. Jeder hat sich viele Gedanken gemacht und spannende Entwürfe entstanden, die wir ausführlich diskutieren mussten.“ Zu überlegen sei dabei auch die Frage gewesen, wie die Entwürfe von Steinmetzen im Maßstab von max. 150 x 50 x 50 cm umgesetzt werden könnten.

