Stadträte trafen sich zum Austausch über aktuelle Themen

- 10.07.2012 - 

Quelle: ekihd

Heidelberg, 10. Juli 2012.
Auf Einladung der evangelischen und katholischen Kirche tauschen sich einmal im Jahr die Stadträte über Schnittmengen in der Arbeit von Diakonie, Caritas und beider Kirchen aus. Zum dritten ökumenischen Treffen begrüßte Dekanin Dr. Marlene Schwöbel im Schmitthennerhaus zahlreiche Abgeordnete des Gemeinderates sowie Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner. Aktuelle Informationen über die Verwirklichung der Inklusion in Kindertagesstätten sowie über die Jugend- und Seniorenarbeit fanden neben dem Thema „Konversionsflächen“ großes Interesse. Seit Jahren arbeite man in verschiedenen Gremien konstruktiv zusammen, betonten beide Dekane.  Marlene Schwöbel bekräftigte: „Das Thema Kindertagesstätten haben wir in schwierigen finanziellen Zeiten offen mit der Stadt diskutiert und sind einen Schritt weitergekommen, dafür danken wir der Stadtverwaltung!“ Es sei auch in Zukunft wichtig, in jedem Stadtteil die Kitaplätze bedarfsgerecht anzubieten: „Wir wollen präsent sein und zeigen, wo und für wen wir uns in unserer Gesellschaft stark machen, denn wir fragen nicht nach Konfession oder Religion“, unterstrich die Dekanin.
Inklusion
Die Inklusion wird seit 20 Jahren von der evangelischen Kirche mit einem heilpädagogischen Konzept unterstützt. Den Eltern von behinderten Kindern wolle man Mut machen, ihr Kind in einem Regelkindergarten anzumelden. „Inklusion heißt Dazugehörigkeit oder Einschluss, alle Kinder profitieren von diesem gemeinsamen Leben“, berichtete Heilpädagogin Susanne Schmidt über gute Erfahrungen bei der Überwindung von Hindernissen. Es gelte zur Zeit in Heidelberg die Vereinbarung, dass in einer Gruppe um einen Platz reduziert werde bei zwei Kindern mit Behinderung. Aus fachlicher Einschätzung seien aber zwei freie Plätze für ein Kind mit Behinderung erforderlich. Eingliederungshilfen werden pauschal mit 460 Euro monatlich für heilpädagogische Hilfen und 308 Euro monatlich für Pflege pro Kind von der Stadt geleistet. Dies sei ein geringer Kostenanteil, auch müsse der Personalschlüssel erhöht werden, appellierte Susanne Schmidt. Über durchweg positive Erfahrungen bei der Inklusion im katholischen Kindergarten St. Theresia berichtete Veronica de Magalhäes-Mayer.
Offene Jugendarbeit
Pfarrerin Ingrid Prokop-Schlögel informierte über die offenen Jugendtreffs in den Stadtteilen, in denen Kinder und Jugendliche neben einem Mittagessen auch Hausaufgabenbetreuung sowie Nachhilfestunden kostenlos erhalten können. Der Vorteil dieser Jugendtreffs der evangelischen Kirche sei, dass sie zweckfrei seien und die Kinder hier einfach nur sie selbst sein dürften. Das Angebot In Workshops und in den Ferien sowie die pädagogische Betreuung durch Sozialarbeiter sei lobenswert. Oberbürgermeister Würzner bestätigte, dass die Stadt die Jugendtreffs beider Kirchen gern finanziell unterstützt und lobte das Engagement vieler Ehrenamtlicher. Während die Stadtteile Handschuhsheim und Neuenheim ohne eine offene Einrichtung auskommen, würden diese auf dem Boxberg bzw.Emmertsgrund, Kirchheim oder in Ziegelhausen von vielen Jugendlichen angenommen.
Seniorenarbeit
Martin Heß, Geschäftsführer des Diakonisches Werkes und Hubert Herrmann von der Caritas gaben einen Überblick über Pflege- und Altenheime sowie Seniorenzentren. Zukünftig werde es steigende Leistungen im Hinblick auf eine wachsende Anzahl betreuungs- bzw. pflegebedürftiger Senioren geben. Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter seien diese Aufgaben nicht zu bewältigen, bestätigte Heß. Fachkräftemangel und neue Bauvorschriften für Altenheime machten hier besonders zu schaffen, mahnte Hubert Hermann neue Strategien und Konzepte an. Würzner stimmte zu und ergänzte: „Wir brauchen die Legalisierung des Pflegemarktes, doch wir müssen die Senioren nicht nur gut pflegen, sondern Sie begleiten, fördern und aktivieren, dafür benötigen wir mehr Mittel!“  Der Oberbürgermeister begrüßte die Ideen und Konzeptionen für Mehrgenerationen-Häuser in der Stadt.
Konversionsflächen
Im regen Dialog stehen hier Vertreter beider Kirchen und der Stadt, wenn es um die Frage geht: welche Pläne können nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte gemeinsam verwirklicht werden? Wo kann Kirche welche Gebäude beispielsweise für Kindergärten oder Gottesdienste nutzen?
Pfarrerin Sabine Hannak vertritt in diesem Gremium die Interessen der evangelischen Kirche. Sie zeigte Nutzungsbeispiele für die Südstadt in Bezug auf die angrenzende ‚Mark Twain Village’ auf. Ideen seien vorhanden, die Konzepte müssten diskutiert du Schritt für Schritt ausgearbeitet werden. OB Würzner begrüßte den Dialog und fragte nach dem Bedarf: „Für die Gebäude hat die Stadt das Vorkaufsrecht, daher bitten wir rechtzeitig um Bedarfsanmeldung!“ Dekan Joachim Dauer erklärte: „Die katholische Kirche kann hier leider nicht neu investieren,  aber wir sind  ja in den Stadtteilen präsent und für die Menschen da; die seelsorgerlichen Aufgaben können wir schultern!“

Marlene Schwöbel dankte allen Teilnehmern an dieser großen Runde: „Wir sind sehr dankbar für Ihr Kommen, denn es gibt immer wieder Gesprächsbedarf für Dinge, die uns allen auf der Seele brennen!“