Kirche hat ihre Vorstellungen zur Nutzung von Konversionsflächen konkretisiert

- 07.12.2012 - 

Heidelberg, 07.12.2012. Nach dem vorgezogenen, vollständigen Abzug der amerikanischen Streitkräfte bis Anfang 2014 werden in Heidelberg Flächen unterschiedlicher Größen in den Pfarrgemeinden in Bergheim, Kirchheim, Rohrbach, der Weststadt, Südstadt und im Pfaffengrund frei. Um frühzeitig eigene Vorstellungen über die Nutzung der freiwerdenden Flächen einzubringen, wurde bereits im Frühjahr dieses Jahres ein erstes Impulspapier von der „ökumenischen Arbeitsgruppe Kirchen und Konversionsflächen" verabschiedet. Das Impulspapier fand große Beachtung beim Bürgerforum am 10. Oktober in der Südstadt, bei dem auch Vertreter der Stadt und OB Eckart Würzner anwesend waren. Bei der November-Stadtsynode der evangelischen Kirche nahm dieses Thema ebenso großen Raum mit einer umfangreichen Präsentation „Konversionsflächen" ein. „Wir wollen als Kirchen unsere Stimme erheben für all diejenigen, die kaum für sich selbst sprechen können. Damit üben wir aktive Nächstenliebe aus, handeln nach unseren christlichen Werten und übernehmen soziale Verantwortung. Wir fordern mit unserem Impulspapier eine sozialverträgliche Infrastruktur in diesen Wohngebieten auch mit günstigem Wohnraum und sozialen Einrichtungen für die Menschen", bestätigte Pfarrerin Sabine Hannak von der evangelischen Markusgemeinde in der Südstadt. Sie gehört dem beratenden Gremium dieser Arbeitsgruppe mit Vertretern von evangelischen und katholischen Pfarrgemeinden, Werken und Diensten an und ist gleichzeitig Vertreterin der Kirchen im Entwicklungsbeirat.

Mögliche kirchliche Angebote

Sabine Hannak präsentierte in der Stadtsynode die Ergebnisse der gemeinsamen Beratungen in der ökumenischen Arbeitsgruppe und betonte, dass sich die Kirchen auf den Konversionsflächen vor allem gute Lebens- und Begegnungsmöglichkeiten wünschen. Die zentralen Anliegen sind bezahlbarer, ökologisch verantworteter Wohnraum, Angebote für junge Familien (Kitas) und Jugendliche, die Integration und Inklusion von Menschen mit Migrationshintergrund, für Behinderte, die Durchmischung der Bewohner bezüglich Alter, finanzieller Möglichkeiten und Herkunftsländer und natürlich Orte, an denen religiöses und kulturelles Leben ermöglicht wird. Angedacht sind kirchliche Trägerschaften für Kitas und Seniorenzentren, eine offene Jugendarbeit, soziale Beratung, Lotsen für Neubürger, Betreuung von Schwachen und Kranken, Mitarbeit beim Aufbau eines Sozialwesens und für einen Stadtteiltreff, Hilfe bei Integrationsprogrammen und Kompetenzen sowie Erfahrungen im sozial-diakonischen Bereich einzubringen. Im Impulspapier heißt es, dass Kirchen, Diakonie und Caritas damit ihre vielfältigen Kompetenzen einbringen und so im Stadtteilbewusstsein verankert bleiben wollen.

Ökumenische Impulse für Mark Twain Village und Campbell Barracks

Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Frieden: Auf diese drei Säulen möchten die evangelische und katholische Kirche mit Diakonie und Caritas ihre Aufgaben in der zukünftigen Nutzung dieser Konversionsflächen stellen. In den Campbell Barracks und in Mark Twain Village in der Südstadt bzw. Rohrbach werden auf einer Fläche von 43,4 Hektar rund 117 Wohngebäude mit 852 Wohneinheiten frei. Wichtig sei dort, im Blick auf die Gerechtigkeit eine gesunde Durchmischung der Bewohner durch Wohnmöglichkeiten auch für finanziell Schwächere und gesellschaftlich Benachteiligte zur Vermeidung von Ghettobildung, betonte Hannak. Mit dem Erhalt der Grünflächen habe man die Bewahrung der Schöpfung im Fokus. Mit dem Thema Friede verbinden die Kirchen die Förderung guter Strukturen, die das Zusammenwachsen zu einem Stadtteil ermöglichen. Wichtig sei es darum vor allem, die trennende Funktion der mehrspurigen, verkehrsreichen Römerstraße aufzuheben und Begegnungsräume mit einer Stadtteilmitte zu schaffen.