Dekanin mit großer Mehrheit von der Stadtsynode der evangelischen Kirche wiedergewählt

Heidelberg, 27.02.2015. Es ist 21.05 Uhr. Beifall brandete im Lutherzentrum auf. Der Vorsitzende der Synode, Pfarrer David Reichert, verkündete das Ergebnis des ersten Wahlgangs: „Für Marlene Schwöbel-Hug haben von den anwesenden 61 Synodalen 40 mit Ja gestimmt!“ Sofort war klar, dass die bisherige Amtsinhaberin und einzige Kandidatin ihre Arbeit als Dekanin in der Evangelischen Kirche in Heidelberg fortführen kann. Denn dem Wahlkörper gehören, neben nur beratenden Mitgliedern, 67 stimmberechtigte Mitglieder an. Demnach mussten 34 Ja-Stimmen erreicht werden; sechs Synodale waren entschuldigt. Reichert ergänzte, dass es fünf Enthaltungen gegeben habe. Für Marlene Schwöbel-Hug ist eine Zweidrittelmehrheit ein komfortables Ergebnis. Mit Erleichterung und Freude nahm die 60-Jährige Blumen, Gratulationen, Umarmungen und Geschenke entgegen. Auch das Gläschen Sekt mit „Marlene“ nahm eine fröhliche Zeit lang ein. Ehemann Rolf Hug war aus dem Schwarzwald herbeigeeilt und gratulierte seiner Frau mit einem Blumenstrauß. Die Theologin strahlte: „Ich danke all denen, die mich gewählt haben, und ich hoffe, dass diejenigen, die mich nicht gewählt haben, später sagen können: ganz so schlecht hat sie es nicht gemacht!“ Dafür wolle sie all ihre Kraft einsetzen.

Vor der Wahl

Warum es denn lediglich eine Kandidatin gebe, wurde seitens eines Synodenmitglieds vor der Wahl der Landesbischof gefragt. Dies sei kein demokratischer Wahlprozess für eine so wichtige Entscheidung in der „hohen Synode“. Jochen Cornelius-Bundschuh hatte das Vorschlagsrecht und erklärte: „Wenn eine Wahl so klar ist, wie hier mit einer Entscheidung im Stadtkirchenrat, der keine weiteren Kandidaten zugelassen hat, hätte ich ungern noch einen Bewerber ins Rennen geschickt, um ihm oder ihr die Enttäuschung zu ersparen.“ Außerdem kenne er die bisherige Amtsinhaberin vor allem durch die Bezirksvisitation im vorigen Oktober und sei von ihrer Kompetenz überzeugt. Nicht alle Mitglieder waren wohl mit dieser Antwort zufrieden.

Marlene Schwöbel-Hug dankte dann ihren Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit in den letzten fast acht Jahren und skizzierte ihr Zukunftsprogramm: „Als Leitfaden dient mir der Monatsspruch: Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht, denn es ist eine Kraft Gottes. Dieses Evangelium treibt mich an, es gibt mir Kraft, es tröstet und ermutigt, es lässt aber auch innehalten und zur Ruhe kommen“, begründete die Dekanin ihre Entscheidung, sich erneut dem Gremium zur Wahl zu stellen. Wichtig seien ihr – und da habe es bereits viele Erfolge gegeben - der weitere Ausbau des interreligiösen Dialogs, der Ökumene, des diakonischen Auftrags, das Engagement für Senioren, Jugend und Kinder (Kindertagesstätten) sowie besonders für Flüchtlinge. Schwöbel-Hug: „Wir sind als evangelische Kirche in die Stadt hinein sehr gut vernetzt, hinein in die Politik, die Kultur, die Wissenschaften und auch in die Wirtschaft. Gerade in der Wertedebatte werden wir als Stimme gehört.“ Es sei ihr wichtig, dass Kirche und das, was sie inhaltlich vertrete, gehört wird. Was ihr in ihrem Amt Spaß mache und was blöde sei, wird sie von einer jungen Synodalen gefragt: „Es gibt vieles, was mir Spaß macht wie die schönen Gottesdienste, blöde sind da die Strukturfragen mit dem Haushaltssicherungskonzept, das finde ich nicht schön!“ Es werde nicht einfach werden und es werde sicher auch Schwierigkeiten beim Strukturprozess geben: „Wir müssen uns dabei immer in die Augen schauen können, aber leicht wird dieser Prozess nicht.“

Nach der Wahl Interview mit dem Bischof

Im Schlagabtausch stand der Landesbischof den Synodalen Rede und Antwort auf viele brennende Fragen, die Pfarrer Gregor Wirth moderierte. So standen unter anderen die Bedeutung der evangelischen Kirche in Baden als Volkskirche, die Zukunftsfähigkeit der Kirche in der Stadt sowie theologische Inhalte auf den Fragezetteln. Bemängelt wurde da beispielsweise eine fehlende Transparenz der Landeskirche in ihren Strukturen. „Ich bin nicht allein die Landeskirche, das sind vier Leitungsgremien, die unterschiedlichen entscheiden können“, erklärte Cornelius-Bundschuh. Viel Beifall gab es für den Bischof, der zu so später Stunde sein Ohr an der Gemeinde hatte.