„Lasst uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen“ - Interreligiöser Dialog auf dem katholischen Stadt-Kirchen-Fest am 17. Mai

Podiumsdiskussion auf dem Stadtkirchenfest

Quelle: Karin Wilke

Heidelberg, 17.05.2015. Zum feierlichen Auftakt der Katholischen Stadtkirche wurde auf dem Heidelberger Uniplatz den ganzen Tag über viel geboten: Musik und Gespräche auf der Stadtkirchenbühne, Stationen der Jungen Stadtkirche und Stände der Caritas mit Informationen zu ihren Diensten und Beratungsangeboten. Vertreter der Heidelberger Kirchen und Religionsgemeinschaften diskutierten über den hohen Stellenwert des interreligiösen Dialogs in Heidelberg.

„Aus einer Notwendigkeit ein Fest zu machen, ist wirklich eine wunderbare Idee!“ bewundert Dekanin Marlene Schwöbel-Hug das katholische Stadt-Kirchen-Fest am 17. Mai. Dass es an diesem Tag Einiges zu feiern und auch zum Freuen gab, zeigten die vielen Menschen, die auf dem Heidelberger Uniplatz auf und um die große Bühne herum zusammengekommen waren.

Nach dem Gottesdienst mit Erzbischof Stephan Burger und großem Stadt-Kirchen-Chor gab es zahlreiche Dialoge mit Gästen aus Politik, Bildung, Gesellschaft und Religionen. Welchen großen Stellenwert der interreligiöse Dialog bei den Kirchen und Religionsgemeinschaften in Heidelberg hat, diskutierten der katholische Dekan Dr. Joachim Dauer, die stellvertretende Dekanin Martina Reister-Ulrichs, Pfarrer Ekkehard Heicke von der ACK in Heidelberg, Rabbiner Janusz Pawelczyk-Kissin und Ethem Ebrem für die Muslimische Initiative „Teilseiend“ miteinander.

Besucher des Stadtkirchenfests auf dem Heidelberger Uniplatz

Quelle: Peter Wegener (Pressereferent Kath. Stadtkirche)

Die Redner machten deutlich, wie gut das interreligiöse Miteinander in Heidelberg bereits funktioniert: Im Dialog aber auch mit gemeinsamen Unternehmungen wie Einladungen zum Osterfest, zum Fastenbrechen oder zum Chanukka-Fest.  Dass die Gemeinden aber nicht nur miteinander feiern sondern auch voneinander lernen können und wollen, machte Dekan Dauer mit seiner Frage an die evangelische Kollegin deutlich: „Was können Sie uns Katholiken denn raten zu unserem strukturellen Neubeginn,  welche Fehler können wir vermeiden?“ Denn die Evangelische Kirche in Heidelberg habe diesen Prozess ja bereits erfolgreich vollzogen. „Vergessen Sie die Menschen in den einzelnen Gemeinden nicht, die Angst vor großen Strukturen haben!“, so die Antwort von Pfarrerin Reister-Ulrichs. „Nehmen Sie diese Menschen mit und machen Sie ihnen die Identifikation mit ihrer Kirche möglich.“

Rabbiner Pawelczyk-Kissin betonte, wie wichtig für die kleine Jüdische Kultusgemeinde mit ihren rund 500 Gemeindemitgliedern der symbolische Schulterschluss mit den Heidelberger Kirchengemeinden in Zeiten von Krisen und politischer Bedrohung sei. Der Ausspruch „Wir stehen an eurer Seite!“ wäre eine schöne Geste zur moralischen Unterstützung, wünscht sich der Rabbiner für die Zukunft. Dass das interreligiöse Miteinander auch seine humorvollen Seiten hat, bezeugte Dekan Dauer abschließend mit einer kleinen Anekdote: Eingeladen zum Grillfest der Jüdischen Gemeinde sei er etwas zu spät erschienen, das Fleisch war schon aufgegessen. Etwas spöttisch frotzelte er darauf mit dem Rabbiner: „Und, haben Sie auch Schweinefleisch auf Ihrem Grill gehabt?“ Worauf dieser prompt konterte: „Vielleicht auf Ihrer Hochzeit, Herr Dekan!“