Christliche Willkommenskultur in Heidelberg: damit die Seele nachkommen kann

Hier werden die Hilfesuchenden begrüßt und willkommen geheißen
Heidelberg, 22.09.2015. Das Wartezimmer des „Counselling Centers for Refugees“ im Patrick-Henry-Village ist wieder einmal voll. Junge Männer, Frauen und Kinder sitzen dort dicht gedrängt nebeneinander und warten auf einen Beratungstermin bei der unabhängigen Sozial- und Verfahrensberatung in der Heidelberger Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. 18 engagierte Sozialarbeiter, -Pädagogen und Psychologen vom Diakonischen Werk und der Caritas arbeiten dort auf engstem Raum. Sie bieten den oftmals verstörten und orientierungslosen Flüchtlingen eine erste Anlaufstelle für ihre Sorgen und Nöte, beantworten Fragen rund um ihre Erstregistrierung, den Asylantrag, schlichten Streit unter den Flüchtlingen oder hören einfach nur zu. Denn das ist es, was diese traumatisierten und verunsicherten Menschen oft am dringendsten brauchen: Jemand, der ihnen zuhört, Zeit und Zuwendung schenkt und ihnen die Möglichkeit gibt, sich einen Teil ihres Schmerzens vom Herzen zu reden.

„Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir so schnell solch engagierte und qualifizierte Mitarbeitende gefunden haben, die bereit sind, unter schwierigsten Bedingungen diese für unsere Gesellschaft so wichtige Beratungsaufgabe für die Flüchtlinge zu übernehmen“, dankt Marlene Schwöbel-Hug, Dekanin der Evangelischen Kirche in Heidelberg, dem Team des Counselling Centers. Seit Ende Mai gibt es die Beratungsstelle des Diakonischen Werks und der Caritas im PHV, die im Auftrag des Landes eine unabhängige Sozial- und Verfahrensberatung für Flüchtlinge anbietet. Zu Beginn waren es 4 Berater für rund 1000 Flüchtlinge, doch diese Zahlen explodierten schnell. Bereits Anfang Juli fanden über 2000 Flüchtlinge auf engstem Raum Unterkunft auf dem ehemals amerikanischen Militärgelände, mittlerweile sind es an die 4000. Im August reagierte das Regierungspräsidium nach dem Besuch von Ministerpräsident Kretschmann mit einer Zusage weiterer 10 Beratungsstellen auf diesen rasanten Anstieg der Flüchtlingszahlen, aber auch diese reichen mittlerweile nicht mehr aus, um den anvisierten Schlüssel von einem Berater zu hundert Flüchtlingen zu erfüllen. Weitere 15 Stellen und Räume sind bereits beim Land beantragt.

„Wir tun was wir können“, berichtet Teamkoordinator Christian Heinze vom Diakonischen Werk Heidelberg, „aber langsam kommen wir alle an unsere Grenzen“. Das wundert nicht, denn zu den zahlreichen hilfesuchenden Flüchtlingen kommen die engen räumlichen Bedingungen hinzu. Für insgesamt 18 Mitarbeitende gibt es 6 Räume, vier davon sind ca. 14qm² große Beratungszimmer, einer dient als Wartezimmer und dann gibt es noch einen Gemeinschaftsraum für Besprechungen und Gruppenveranstaltungen, in dem auch die rund 40 ehrenamtlichen Helfer koordiniert werden müssen. Nicht zu vergessen die kleine, liebevoll eingerichtete Bücherecke im Eingangsbereich, in dem die Hilfesuchenden vom ehrenamtlichen „Care&Host-Team“ willkommen geheißen werden.

„Wir sind überwältigt und berührt von der unglaublich hohen Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement in der Heidelberger Bevölkerung“, erklärt Martin Heß, Geschäftsführer des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Heidelberg. „Leider ist es uns aufgrund der vielen Anfragen jedoch nicht möglich, allen Wünschen nach Mitarbeit in der Erstaufnahmestelle im PHV zu entsprechen“, bedauert Heß. Gesucht werden nach wie vor ehrenamtliche Dolmetscher, vor allem für arabische Dialekte sowie iranische, kurdische und afrikanische Sprachen. Aber auch Geld- und Sachspenden sind weiterhin willkommen, die für Anschaffungen wie Bilderbücher, Lernmaterial für alle Alterststufen, Papier und Stifte, Sportbekleidung sowie Kekse und Getränke verwendet werden.

Angebote der Kirchen, Diakonie und Caritas im PHV:

Unabhängige Sozial- und Verfahrensberatung, dazu gehören

  • Psycho-soziale Beratung
  • Erstellung von Diagnosen durch Traumapsychologen
  • sprachliche Unterstützung durch Dolmetscher bei (rechtlichen) Fragen rund um Registrierung und Asylantragstellung
  • Schwangerenberatung

Freizeitangebote wie

  • Sprachkurs Basiskenntnisse Deutsch
  • Frauentreff
  • Entspannungskurs „Calm Down, Stretch and Relax“
  • Bastel- und Nähtreff
  • Offenes Bücherregal und “Host&Care” Willkommensservice
  • Lauftreff

„Allerdings haben wir noch etliche weitere Hilfsprojekte wie die Hilfe für Flüchtlingsfamilien, die bereits in Heidelberg leben und bei denen das Asylverfahren läuft, momentan sind dies etwa 500 Personen. Oder auch unser Treffpunkt und Café „Manna“ sowie der Brot&Salz Laden in der Plöck“, weiß Heß. Hier seien ehrenamtliche Helfer nach wie vor gesucht und herzlich willkommen. Auch die Kirchengemeinden und öffentliche Institutionen wie Sportvereine oder Chöre werden gebeten, ihre Veranstaltungsangebote zu öffnen für Flüchtlinge, die oft nichts dringender benötigen als eine sinnvolle Beschäftigung, bei der sie in Kontakt mit Heidelbergern kommen. „Nur wenn die Seele der Menschen nachkommen kann in die neue Umgebung, kann Integration auch gelingen“, betont Joachim Dauer, Dekan der Katholischen Stadtkirche in Heidelberg. Genau dafür sind Kirche und Wohlfahrt da – und bauen dabei auf die weiterhin warmherzige und zupackende Willkommenskultur der Heidelberger Bevölkerung.

Anfragen für ehrenamtliches Engagement richten Sie bitte per E-Mail an folgende Adresse: phv-ehrenamt@caritas-diakonie-hd.de. Nähere Informationen zu unseren Spendenprojekten finden Sie unter www.diakonie-heidelberg.info.