Klinikseelsorge als Grundauftrag der Kirche

Die Kapelle in der Schmiederklinik ist ein Ort der Stille und Ruhe

Quelle: Harald Stiller

Heidelberg, 28.10.2015. Derzeit erhalten die Gemeindemitglieder der Evangelischen Kirche in Heidelberg den diesjährigen Kirchgeldbrief mit der Bitte um Unterstützung des Seelsorgeangebots an Heidelberger Kliniken. Dieser Aktion voraus ging eine viertägige Visitation des evangelischen Dekanats von verschiedenen Heidelberger Klinikpfarrämtern. Die Kommission aus Mitgliedern des Stadtkirchenrates machte sich ein Bild davon, wie die Seelsorge an den Heidelberger Kliniken aufgestellt ist, wie der Dienst eingeschätzt wird und was verbessert werden kann. 

„Ich war überwältigt von der großen Wertschätzung, die der Klinikseelsorge von allen Seiten zuteil wird“, berichtet Marlene Schwöbel-Hug, Dekanin der Evangelischen Kirche in Heidelberg. „Sowohl die Patienten und ihre Angehörigen als auch Klinikpersonal und Leitung profitieren von dem vielseitigen Angebot unserer Klinikpfarrämter und fordern eine Ausweitung“, erfuhr die Dekanin bei der Visitation.

Dazu gehört neben dem Hauptauftrag der Klinikseelsorger, Zeit für die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen mitzubringen, auch das Angebot von Fortbildungen für Klinikpersonal und Ärzte zu Themen wie Sterbebegleitung oder die Überbringung schwerer Diagnosen. Ebenso Gottesdienste z.B. zur Segnung von schwangeren Frauen oder die Beerdigung stillgeborener Kinder, die Mitarbeit im Ethikkomitee sowie die Begleitung Ehrenamtlicher.

Pfarrerin Christiane Zimmermann-Schwarz ist mit einer halben Stelle an der Universitäts-Frauenklinik und mit 25% an der Schmiederklinik als Seelsorgerin tätig

Quelle: Karin Wilke

„Seelsorge ist der Grundauftrag der Kirche und sie wird besonders da  gebraucht, wo die Not groß ist – wie hier in den Kliniken!“, weiß Pfarrerin Christiane Zimmermann-Schwarz aus ihrer nunmehr sechsjährigen Erfahrung als Klinikseelsorgerin. Die Evangelische Kirche in Heidelberg bietet die Klinikseelsorge mit insgesamt acht Seelsorgern, die sich sechseinviertel Deputate teilen, an zehn Heidelberger Kliniken an. Davon werden fünf Stellen vom Evangelischen Oberkirchenamt in Karlsruhe finanziert, neben einer halben Stiftungsstelle muss die Evangelische Kirche in Heidelberg den restlichen Anteil aus ihrem eigenen Etat aufbringen. Wie ungeheuer wichtig und geschätzt dieser Dienst an den Patienten und ihren Angehörigen ist, erfahren die Pfarrerinnen und Pfarrer täglich – auch von Seiten des Personals und der Klinikleitung.

„Immer wieder sind es auch die Pflegerinnen und Pfleger, die am Limit  sind, die sich über ein tröstendes Wort oder ein offenes Ohr für ihre Nöte freuen. Oder die – häufig jungen – Ärztinnen und Ärzte, die sich mit der Überbringung einer schlimmen Diagnose schwertun, weil sie ja wissen, in was für ein tiefes Loch sie Patienten und Angehörige damit stürzen!“, berichtet Zimmermann-Schwarz. Angesichts knapper Budgetierung und einer streng durchgetakteten Klinikroutine ist es dem Pflegeteam und auch den Medizinern nicht möglich, dem Einzelnen genügend Zeit und Zuwendung zu widmen, die für die Seele mindestens ebenso wichtig sind wie die medizinische Versorgung für den Leib.

Um die vielfältigen Angebote der Klinikpfarrämter in Zukunft noch besser mit den Aktivitäten in den Kirchengemeinden zu vernetzen, ist Christiane Zimmermann-Schwarz im Juni zur „Bezirksbeauftragten Seelsorge“ ernannt worden. „In dieser Funktion möchte ich allen – nicht nur den betroffenen – Menschen deutlich machen, was für eine wichtige Aufgabe die kirchliche Seelsorge in unserer Gesellschaft hat“, erläutert die Pfarrerin ihre Pläne als Bezirksbeauftragte.

Karin Wilke