Seit Beginn ihrer Reha in der Heidelberger Schmiederklinik bekommt sie zweimal wöchentlich Besuch von Christiane Zimmermann-Schwarz. „Wir hatten auf Anhieb einen guten Draht zueinander“, erzählt die aufgeweckte Patientin fröhlich, „auch wenn es manchmal nur Smalltalk ist, worüber wir reden, sind mir die Zeit und Zuwendung ungeheuer wichtig!“ Auch für Ihren Ehemann, der mit dem Sohn in Stuttgart lebt und sie nicht täglich besuchen kann, sind die regelmäßigen Besuche der Klinikseelsorgerin eine große Entlastung. „Er war sehr dankbar und erleichtert darüber, dass ich mich um seine Frau kümmere“, erzählt Zimmermann-Schwarz. Schicksale wie dieses erlebt sie in ihrem Berufsalltag in der Universitäts-Frauenklinik und der Schmiederklinik „Speyererhof“ täglich.
Häufig suchen auch Menschen, die angesichts ihrer schweren Lage mit Gott hadern oder die gar nichts von ihm wissen wollen, das Gespräch mit den Seelsorgern. So seien Muslima zuweilen dankbar für ein vertrauliches Gespräch mit der Pfarrerin als Frau und Mutter, um über den schmerzlichen Verlust eines stillgeborenen Kindes zu sprechen oder Fragen zu stellen, mit denen sie sich sonst an niemanden wenden können. Es sind oft die ganz praktischen Fragen, die die Gespräche bestimmen: `Wie gehe ich mit der Krankheit um, wie sage ich es meiner Familie?´ `Wer hilft mir zuhause, wie löse ich die finanzielle Not, die mir durch die Krankheit entstanden ist?´ Aber auch `Warum ich, warum tut Gott mir das an?!´ Hier gelte es nicht, Antworten zu finden oder gar Gottes Taten zu rechtfertigen, sondern gemeinsam das oft so schwere Schicksal anzunehmen und auszuhalten.
Gefragt nach ihrer schier unerschöpflichen Motivation erzählt sie lächelnd von einer Patientin, die ihr gleich beim ersten Besuch an den Kopf warf, dass sie mit Gott `nichts am Hut´ habe. Über viele Wochen hinweg habe sie diese Patientin immer wieder freundlich gegrüßt, teils bei Seelsorgegesprächen am benachbarten Bett, teils bei Begegnungen auf dem Gang. Bei ihrer Entlassung habe ihr die Patientin fest die Hand gedrückt und ihr zugeraunt: „Passen Sie gut auf sich auf, damit Sie Ihre wichtige Aufgabe noch lange ausüben können!“ Erstaunt nach ihrem plötzlichen Sinneswandel gefragt, antwortete sie lächelnd: „Wissen Sie, Menschen können sich ändern!“
Karin Wilke



