450 Jahre Heidelberger Katechismus
- Inwieweit bestimmen Geltungsdrang, Ambitionen und Ängste Ihr Verhalten?
- Inwiefern können Sie sich davon lösen und ...
- wählen Sie frei und interesselos das, was Sie für wirklich gut halten?
- Was macht Ihre Lebensüberzeugung beständig und belastbar?
- Vertrauen oder eine Intuition?
- Trägt vielleicht Wissen zu dieser Beständigkeit bei oder Übergabe, oder ...
- ist es noch etwas Anderes, vorbei an Vertrauen, Intuition, Wissen und Übergabe?
- Was ist für Sie der Nutzen oder die Bedeutung von radikaler Erneuerung?
- Was bedeutet für Sie der Gedanke, dass jemand Ihnen in den Tod vorausgegangen ist?
- Wie beeinflusst dieser Gedanke Ihr Leben?
- Haben Sie das Gefühl, dass jemand, der nicht mehr lebt, noch etwas für Sie bedeuten kann?
- Glauben Sie, dass es möglich ist, nach einer Krise so aufs Neue anzufangen, dass sich das ganze Leben wieder fügt?
- Was könnte das Vertrauen auf ein Leben nach dem Tode zu Ihrem Leben hinzufügen?
- Gibt es Momente, die Ihrem Leben Ewigkeitswert verleihen?
- Meinen Sie, dass Sie, so wie Sie sind, einfach sein dürfen, oder ...
- haben Sie das Gefühl, dass Sie etwas machen müssen, damit Sie darauf vertrauen dürfen, dass Ihre Existenz gerechtfertigt ist?
- Was heißt „gut leben”?
- Geht es dabei vorrangig um Ihren aktiven Einsatz,
oder ... - heißt „gut leben” empfänglich sein für das, was Ihnen zuteil wird?
1 Stephan de Jong, übersetzt von Susanne Labsch
2 www.nederlandsekerk.de
3 Gerd Theißen, Gütersloher Verlagshaus, 2. Auflage 2012, ISBN 3579081489
Frage 1 des Heidelberger Katechismus
Heidelberger Katechismus

Quelle: ekihd
Wenn die Rede auf den Begriff „Katechismus“ kommt, stellen sich bestimmte Assoziationen ein. Wir denken an schwer verständliche Lehren, Dogmen, die man glauben „muss“, eher unmoderne Inhalte und Ähnliches. In jedem Fall weckt der Begriff vergleichsweise wenig positive Gedanken oder Erinnerungen. Das war im 16. Jahrhundert ganz anders. Hier stand der Begriff „Katechismus“ für moderne Zugänge zum christlichen Glauben. Die Abfassung von Katechismen spielte eine zentrale Rolle bei dem Bemühen, den christlichen Glauben verstehbar zu machen. Katechetische Praxis war die notwendige Kehrseite der Überzeugung vom Priestertum aller Getauften. Alle Glaubenden hatten den gleichen Status im Blick auf das Heil und waren als Glaubende gefragt. Entsprechend sollten auch alle zum Verstehen der Inhalte des Glaubens befähigt werden.
Das ist heute nicht nur in der evangelischen, sondern auch in der katholischen Kirche selbstverständlich. Im 16. Jahrhundert war es das nicht. Da bestanden die Gottesdienste zum größten Teil aus der lateinisch abgehaltenen Messfeier, die Predigt spielte eine ganz nebensächliche Rolle. Der Priester sprach die lateinische Liturgie und wurde von den wenigsten verstanden. Wenn er die Hostie hochhielt und rief: „Hoc est corpus meum“ (das ist mein Leib), verstand man nicht selten nur „Hokuspokus“. Die Verbreitung von Katechismen war ein wichtiger Teil des Bemühens, das Verstehen christlicher Glaubensinhalte zu fördern. Martin Luther hat mit der ihm eigenen Sprachkraft Katechismen geschaffen, die bald weitverbreitet waren. Sie waren insofern „pädagogisch wertvoll“, als Luther sich auf den existenziellen Wert der Lehrinhalte konzentrierte. Gott wird zum Beispiel als das erklärt, „an das du dein Herz hängst“.
Der Heidelberger Katechismus entstand im Jahre 1563, 34 Jahre nach Luthers Großem und Kleinem Katechismus, und setzte neue Akzente. In 129 Fragen und Antworten wird ein Überblick über die gesamte christliche Lehre gegeben. Die reformatorische Bewegung hatte sich seit ihren Anfängen in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt. Hier galt es, einen Konsens, aber auch die Grenzen, die nicht überschritten werden sollten, zu formulieren. Hinzu kam noch ein weiteres Anliegen. Kurfürst Friedrich III. (1559–1576) war durch selbstständiges Bibelstudium und durch Berater in seinem Umfeld zu der Überzeugung gelangt, dass die Reformation durch Luther noch nicht zur Vollendung gebracht sei. Es seien noch zu viele Reste an Aberglauben und unbiblischen Gebräuchen geblieben, zum Beispiel in bestimmten Formen des Abendmahls oder der nicht vollständigen Auflösung von Klöstern. Darum beauftragte er den vom Fach her an der Theologischen Fakultät der Universität zuständigen Dogmatik-Professor mit dem Entwurf eines Katechismus. Aus diesem wurde dann unter Mitarbeit weiterer Theologen der Kurpfalz der Heidelberger Katechismus erstellt.
Der Hauptverfasser des Heidelberger Katechismus, Zacharias Ursinus (1534–1583), stammte aus Schlesien, hatte bei Philipp Melanchthon in Wittenberg studiert und dann in Genf und Zürich die reformierte Gestalt der Reformation kennengelernt. Ursinus verstand sich sein Leben lang als Schüler Melanchthons, hat aber im Sinne des Genfer Reformators Johannes Calvin auch eigene Akzente gesetzt. Das zeigt sich deutlich am Inhalt des Heidelberger Katechismus, auch wenn an der Endfassung der Kurfürst und weitere Theologen mitgearbeitet haben.
Ein erstes charakteristisches Kennzeichen des Heidelberger Katechismus ist das Interesse an den ethischen Folgen des Glaubens. Die Reformation der Lehre im Sinne der Wiederherstellung des biblischen Evangeliums müsse durch eine Reformation des Lebens vollendet werden. Die Gestaltung des Lebens der Einzelnen und der Kirche insgesamt müsse möglichst weitgehend an den biblischen Vorschriften orientiert werden. Das ethische Interesse zeigt sich schon am Aufbau: Nach dem ersten Teil „Vom Elend des Menschen“, in dem es um die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen geht (Fragen 1 –11), folgt ein zweiter über die Erlösung durch das Kommen Christi (Fragen 12–85). Ein eigener, nicht weniger umfangreicher dritter Teil (Fragen 86–129) widmet sich neben dem Gebet den Fragen der Lebensgestaltung. Er steht unter der Überschrift „Von der Dankbarkeit“ und macht schon dadurch deutlich, in welchem Geist die Lebensgestaltung zu erfolgen hat: nicht durch gesetzlichen Zwang oder in der Motivation, etwas für sein Heil zu tun, sondern in der Dankbarkeit, von dem selbst empfangenen Guten etwas weiterzugeben. Hier werden auch die Zehn Gebote ausgelegt – als eine Art Zusammenfassung christlichen Lebens. Luthers Katechismen hatten die Schwerpunkte noch anders gesetzt. Hier dienten die Zehn Gebote primär als eine Art Spiegel, durch den der Mensch erkennt, wie wenig er fähig ist, Gottes Willen zu tun, in Verzweiflung gerät und entsprechend umso sehnsüchtiger die Befreiung durch das Evangelium ergreift.
Ein zweites Kennzeichen des Katechismus ist die Abgrenzung gegen jede Gefahr von Aberglauben. Anders als bei Luther soll das Bilderverbot die Ungreifbarkeit Gottes gegen alle menschlichen Versuche, sich ein Bild zu erstellen, sichern. In der Abendmahlslehre ist man streng darauf bedacht zu vermeiden, dass Gott mit dem Weltlichen vermischt wird. Die Gegenwart Gottes im Abendmahl ist rein geistlich verstanden. Luther hatte hingegen darauf beharrt, dass die Gegenwart – entsprechend der Menschwerdung Gottes – ganz leiblich zu denken war. In der zweiten und dritten Ausgabe, die gleich ein paar Wochen nach der ersten Ausgabe gedruckt wurden, hat man den eigenen Standpunkt noch pointierter formuliert. Die römisch-katholische Messopferlehre wurde jetzt sogar als „vermaledeite Abgötterei“ verdammt (Frage 80). Diese Hinzufügung ist wohl als Reaktion auf die Verurteilungen der evangelischen Abendmahlslehre durch das Konzil von Trient im Jahr 1562 zu verstehen. Gerade diese Frage zeigt, dass der Heidelberger Katechismus im Kontext seiner Zeit verstanden werden muss und nicht unbesehen in die Gegenwart übertragen werden kann.
Ein drittes Charakteristikum des Heidelberger Katechismus ist seine konsequente Orientierung am Heilsertrag christlicher Lehre. Sie findet ihren Ausdruck in der Zusammenfassung der gesamten Lehre des Katechismus in der ersten Frage: „Was ist dein einiger Trost im Leben und Sterben? Antwort: Dass ich mit Leib und Seel, beide im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi Eigen bin, der mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlet und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöset hat und also bewahret, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.“
Die Betonung der Fürsorge Gottes im Heidelberger Katechismus hatte einen sehr konkreten Hintergrund. Die Kurpfalz hatte traditionell enge Beziehungen nach Westeuropa. Unter Kurfürst Friedrich III., den man bald „den Frommen“ nannte, verstärkten sie sich. Man nahm intensiv Anteil an der Verfolgung der Protestanten in Frankreich und den spanischen Niederlanden. Menschen, die um ihres Glaubens willen fliehen mussten, spielten eine immer wichtigere Rolle in der Kurpfalz. Insofern war die Ausrichtung des Katechismus auf das Vertrauen in die Fürsorge Gottes alles andere als eine rein theoretische Angelegenheit.
Die engen Beziehungen nach Westeuropa fanden einen vorläufigen Höhepunkt in der Hochzeit des Enkels Friedrichs III., Friedrichs IV., mit der niederländischen Prinzessin Luise-Juliana von Oranien-Nassau im Jahr 1593. Für die Wirkungsgeschichte des Katechismus war das von großer Bedeutung. Denn der Heidelberger Katechismus wurde zum wichtigsten Bekenntnistext der niederländischen Protestanten. So verbreitete sich der Heidelberger Katechismus auch über Europa hinaus und ist heute in über 40 Sprachen übersetzt.
Ein Geheimnis seines Erfolges ist die vielfältige Nutzbarkeit. Er diente nicht nur als Katechismus im engeren Sinn, son- dern auch als Zusammenfassung der gesamten christlichen Lehre. Man nutzte ihn als Grundlage für Predigten, die regelmäßig das Ganze der christlichen Lehre erklärten. Darüber hinaus formulierte der Katechismus im Stile eines Bekenntnisses einen breiten Konsens, aber auch die Grenzen dieses Konsenses. Und schließlich ist er von zahlreichen Menschen als Trost- und Erbauungsbuch gelesen worden. Nicht wenige, die in der reformierten Tradition groß geworden sind, tragen ein ganzes Leben lang die erste Frage nach dem einzigen Trost im Leben und deren Beantwortung mit sich.
Christoph Strohm
In Gottes Hand – Der Heidelberger Katechismus heute

Quelle: ekihd
Vier Fragen des Heidelberger Katechismus haben wir an verschiedene Altersgruppen unserer Gemeinde gestellt, gespannt darauf, welche Antworten aus der Sicht von Kindern der dritten Klasse, von Jugendlichen aus dem Konfirmandenunterricht und Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus unserem Seniorenkreis heute dazu möglich sind.
1. Frage: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Die Antworten der Kinder kommen zunächst ganz schnell: „Wenn ich endlich ein Haustier bekomme!“ „Wenn ich einen Elefanten bekomme, das ist nämlich mein Lieblingstier!“ Je länger aber das Nachdenken in der Klasse dauert, desto stärker wird auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Frage. „Ich glaube, Glück tröstet mich!“ Da sind wir schon einen Schritt weiter. „Wenn sich jemand bei mir entschuldigt und ich dann ganz viele Süßigkeiten bekomme.“ Bis endlich ein Mädchen sagt: „Wenn ich ausgeschlossen bin und dann jemand sagt: Du gehörst dazu.“ „Wenn ich weiß, dass Gott bei mir ist!“ Tatsächlich ist für die Beantwortung der ersten Frage der Gemeinschaftsgedanke ein ganz wichtiger, und diese Gemeinschaft reicht über den Tod hinaus: „Liebe tröstet mich!“, schreibt eine Konfirmandin, und „dass ich nicht allein auf der Welt bin“, „dass es Gemeinschaft auch nach dem Tod gibt mit allen, die ich jetzt vermisse“. Und während in der Konfirmandengruppe und vereinzelt bei Schülerinnen und Schülern der Grundschule die Familie mit Eltern und Geschwistern, auch mit den Freunden als Trösterin ganz hoch im Kurs steht und die Grundschüler die Nähe und die Gemeinschaft der Eltern auch als tröstend erleben, „wenn Papa oder Mama mich in den Arm nehmen“, „wenn meine Eltern zusammen sind“, stellen unsere Seniorinnen und Senioren fest, dass die „Verbindung zu Gott und das Reden mit ihm“, das „Rufen von: Abba, Abba, lieber Vater!“ ebenso wichtig sind wie der rote Hausnotrufknopf. Dabei aber ist einer Frau vor allem wichtig, dass „ich eine innere Bereitschaft entwickle, das anzunehmen, was kommt. Das tröstet mich.“ In diesem Zusammen- hang ist die Erfahrung von Hilfe im Leben, wie sie unsere Seniorinnen und Senioren immer wieder berichten, ganz entscheidend und gibt dabei auch die Trias wieder, unter der der Heidelberger Katechismus verfasst ist: Von des Menschen Elend. Von des Menschen Erlösung. Von der Dankbarkeit. All das reißt in den Antworten auf die erste Frage schon auf.
22. Frage: Was ist für einen Christen notwendig zu glauben?
Im Gespräch mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden wird deutlich, wie sehr die Fragen des Heidelberger Katechismus auch heute durchaus Aktualität besitzen für die Glaubenswirklichkeit der Jugendlichen. Die Auseinandersetzung mit dem Glauben und der eigenen Zukunft ist in vollem Gang. Die Fragen geben dabei einen Rahmen. So hält es einer für nötig, als Christ „sich seine eigene Meinung zu Jesus und zu Gott zu bilden.“ „Da gibt es nichts, was notwendig ist. Das muss jeder selbst wissen.“ Wobei die Erkenntnis, „wenn einer nichts glaubt, dann ist er auch kein Christ“, durchaus klar vor Augen steht. Die Kinder in der Schule dagegen bewegen sich einfach von der Notwendigkeit, an „Götter zu glauben“, über „Gott im Himmel“ zu Jesus Christus. Einer hält es für nötig, „die Zehn Gebote zu halten“, was vielleicht daran lag, dass wir diese gerade in der Stunde davor miteinander bearbeitet hatten. Im Seniorenkreis beschäftigt uns an der Stelle die Frage nach Glauben und Wissen. Während die einen kein Wissen für den Glauben voraussetzen, hält eine andere fest: „Ohne Wissen kann ich doch gar nicht an Gott glauben. Irgendwoher muss ich ihn doch kennen.“ Dabei ist doch nur entscheidend, „dass ich weiß, Gott gehört zu mir und ich gehöre zu Gott, so dass er mir ins Herz gepflanzt ist.“
26. Frage: Was glaubst du, wenn du sprichst: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde“?
Als wir uns dieser Frage zuwenden, tun sich zunächst die größten Unterschiede auf. Während die Schülerinnen und Schüler in der Grundschule diese Frage erst einmal gar nicht verstehen, glauben manche der Konfirmandinnen und Konfirmanden da zunächst „nichts. Ich denke eigentlich nicht nach, wenn ich was sage. Zumindest nicht bei so einfachen Sprüchen“, um dann doch noch weiter auszuführen: „Vielleicht, dass es einen grooßen (!) Vater gibt, der auf alle und alles aufpasst“. Eine andere sagt bei ähnlicher Anfangsskepsis, „dass Gott unser Schöpfer ist und dass er über uns wacht und aufpasst.“ So wird in allen drei Altersgruppen der Schöpfergott schließlich mit dem Helfergott verbunden: „Dass Gott mein Helfer ist und ich nicht allein bin.“ „Dass er auf mich achtet.“ „Dass Gott mich nicht verlässt.“ Einer Teilnehmerin im Seniorenkreis ist dabei aber ein ganz anderer Schwerpunkt wichtig: „Ich kann nicht alle Fragen beantworten“, sagt sie. „Ich muss es auch nicht.“ „Wenn ich nämlich sehe, wie die Naturwissenschaft die Welt vergrößert, dann komme ich mit meinen Gedanken nicht mehr nach.“ So reicht das Wissen und vor allem der Glaube an Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde, um dort wieder die Geborgenheit und Gelassenheit zu spüren, die schon in der Beantwortung der ersten Frage so wichtig war.
117. Frage: Was gehört zu einem Gebet, damit es Gott gefällt und von ihm erhört wird?
Da herrscht große Einigkeit; denn der Ernst, mit dem das Gebet betrieben wird, scheint unabdingbar. Selbst „wenn es nur drei Sätze sind, so brauchen sie doch den Ernst und dass sie von Herzen kommen.“ „Man sollte nicht so viel mit ihm schimpfen“, meint ein Konfirmand, „und ihn ehren!“ Die Kinder legen dabei erst einmal Wert auf die Äußerlichkeiten „Amen“ und „die Hände falten!“, „dass man einen möglichst langen Text hat, den man abliest“ und „Liebe und Freund- lichkeit, damit es ihn glücklich macht“. Als ich diese Antworten höre, wird klar, mit welcher Liebe die jungen Menschen in unserer Gemeinde auch mit Gott umgehen. Das ist ja kein Zufall, dass die Kinder und Jugendlichen so sprechen. Ungehörig werden Gebete empfunden, die schon Vorhandenes noch weiter steigern sollen: „Wenn man ganz reich ist, soll man nicht beten: Kannst du mich noch reicher machen?“ Einer Konfirmandin ist wichtig, dass „Gott das Gebet gar nicht gefallen muss und dass ich es gar nicht in der Hand habe, dass er es erhört und erfüllt.“ Da ist sie einer Seniorin übrigens sehr nahe, die festhält: „Wir haben doch so oft erfahren, dass ein Gebet nicht so erhört wird, wie ich es mir wünsche. Es ist nicht meine Entscheidung, dass das Gebet erhört wird. Man gibt sich in Gottes Hand, wird geführt und weiß nicht, wo man am Ende wieder rauskommt.“ Dass auch fertige Texte helfen, das Gebet ernsthaft und von Herzen an Gottes Ohr zu bringen, ist dabei auch ein wichtiger Aspekt. Zuletzt vereinen sich alle Altersgruppen im Dank des Gebetes. Ja, auch das gehört dazu.
Im Nachgang zu unseren Gesprächen fällt noch einmal auf, wie sehr sich das Leben und Erleben der Menschen auch heute in unterschiedlicher Intensität zwischen Elend, Erlösung und Dankbarkeit bewegt. Dabei ist in den Gesprächen vor allem die Dankbarkeit greifbar, mit der die meisten heute ihr Leben morgens beginnen und dann abends nach einem vollen Tag in Gottes Hand zurücklegen. Diese Dankbarkeit gilt damit auch der Gemeinschaft, die wir miteinander mal einig, mal kontrovers über den Glauben errichten. Hierin nämlich geschieht, was Martin Luther die Anwesenheit des Gotteswortes im wechselseitigen Gespräch genannt hat und was wir heute Kommunikation des Evangeliums nennen. Es ist wunderbar, wenn das gelingt.
Maximilian Heßlein
